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Nicht nachmachen! Das ist der ärgerlichste Fehler der Welt – kennst du ihn auch?

Der ärgerlichste Fehler der Welt: Eine rothaarige, verärgerte Frau
© stockfour / Shutterstock
Fehler sind ja meistens ärgerlich, sonst würden wir wohl kaum daraus lernen. Doch es gibt eine Sorte Fehler, die übertrifft wirklich alles – und sie ist nicht mal super lehrreich.

Fehler zu machen, ist einer der besten und wirksamsten Wege, zu lernen. Wir patzen, schludern, vergessen etwas, treffen eine Entscheidung, die sich dann doch als eher unklug herausstellt, und hinterher ärgern wir uns idealerweise gerade genug, um eine Lektion daraus zu ziehen und unseren Fehler in Zukunft nicht so schnell zu wiederholen. Manchmal zieht unser Fauxpas auch noch unangenehme Konsequenzen nach sich, die den Lerneffekt sicherlich verstärken, aber meistens sind die gar nicht mal so nachhaltig und einprägsam wie unser Ärger. Insofern ist es völlig okay, Fehler zu machen, und sich hinterher – natürlich reflektiert und in Maßen – darüber zu ärgern. Allerdings gibt es einen Fehlertyp, der üblicherweise ärgerlicher ist als alle anderen – und aus dem lernen wir oft auch noch am wenigsten.

Der ärgerlichste Fehler der Welt

Stell dir vor, du bist auf einer Feier. Einer der Gäste, du kennst ihn ganz gut, bist aber nicht eng mit ihm befreundet, spricht irgendwie merkwürdig, obwohl er nichts getrunken hat. Du bist besorgt, möchtest ihn eigentlich darauf ansprechen und ihm vorschlagen, sich am besten sofort zum Arzt zu begeben und untersuchen zu lassen, doch da du ihm nicht zu nahe treten willst, berätst du dich vorher mit einer Freundin. "Vielleicht hat er was genommen", vermutet sie, "oder er ist verpennt, ich glaube nicht, dass wir was machen müssen." Du hörst auf sie, obwohl dir dein Gefühl etwas anderes sagt. Am nächsten Tag erfährst du, dass die betreffende Person mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Hättest du dich bloß auf deine innere Stimme verlassen ...!

Fehler, die wir wider besseren Wissens oder entgegen unseres Gespürs begehen, weil wir anderen mehr vertrauen als uns selbst, sind in der Regel die ärgerlichsten von allen und die, die wir am meisten bereuen (sollten?!). Verständlich, schließlich verraten wir dabei uns selbst, unterdrücken unseren eigenen Impuls und unser Gefühl – und haben dann den Salat. Die Lektion, die wir daraus lernen könnten, wäre mehr Vertrauen in uns selbst zu haben und weniger in andere. Doch leider wird Selbstvertrauen in der Regel nicht so einfach größer, indem wir gegenüber anderen misstrauischer werden – Selbstbewusstsein stärken geht nämlich anders. Außerdem haben wir unser Bauchgefühl ja dummerweise nicht gestärkt oder bestätigt. Wir denken uns zwar "hätte ich doch ...", aber ob es wirklich besser gewesen wäre, haben und werden wir niemals erfahren.

Auch aus dieser Art von Fehler die Lehre zu ziehen, niemanden mehr um Rat zu bitten, wäre nicht besonders sinnvoll. Schließlich eröffnet uns der Austausch mit anderen oft neue Perspektiven auf ein Problem und ändert manchmal sogar unsere eigene Sichtweise und Einstellung. Und so bleibt am Ende nicht viel mehr als die Erkenntnis, dass wir eine Chance vertan haben, unseren inneren, intuitiven Kompass zu optimieren. Na toll.

Warum machen wir den ärgerlichsten Fehler der Welt?

Eine häufige Ursache für diesen ärgerlichsten Fehler der Welt ist, wie bereits angedeutet, mangelhaftes Selbstvertrauen. Wir sind unsicher und halten andere für kompetenter, klüger, feinfühliger (oder was auch immer) als uns selbst. Deshalb stufen wir, was sie sagen, höher ein als unsere eigene Meinung. Manchmal sind wir auch gezwungen, zu tun, was andere uns sagen, obwohl wir es besser wissen – zum Beispiel wenn sie unsere Vorgesetzten sind oder unsere Eltern. Dann können wir nur darauf hinwirken, dass sie uns irgendwann genug Respekt entgegenbringen, um uns selbst entscheiden zu lassen.

Außerdem spielt beim ärgerlichsten Fehler der Welt oft unsere Einstellung zu Fehlern eine Rolle: Haben wir solche Angst davor, Fehler zu machen, für die wir verantwortlich sind, tun wir vielleicht lieber von vornherein, was andere uns raten – doch zu glauben, dass sie dann auch Schuld sind und mit der Reue leben müssen, ist ein Trugschluss. Egal ob wir unserem Gefühl folgen oder dem, was uns jemand rät, am Ende sind wir immer selbst für unser Handeln und Entscheiden verantwortlich. Deshalb sollten wir im Zweifel lieber unsere eigenen Fehler machen – denn dann sind wir uns zumindest treu geblieben.


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