Der dreißigste Geburtstag

"Führe ich das Leben, das ich mir wünsche? Habe ich den Partner, den ich brauche? Möchte ich Kinder? Wie steht es um meine Karriere? " Diese Fragen stellt man sich häufiger im Leben. Doch kurz vor dem dreißigsten Geburtstag erhalten sie eine bis dahin nicht gekannte Dringlichkeit...

Um einen herum bekommen plötzlich alle das erste oder auch schon das zweite Kind. Im Schnitt werden Frauen in Deutschland heutzutage mit 26 Jahren Mutter. Bis zur Hochzeit ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Die meisten haben ihre berufliche Nische gefunden und machen "Karriere". Sie haben einen festen Job und ein Auto. Doch was ist, wenn man noch keinen Kleinwagen fährt? Vielleicht noch nicht mal einen Führerschein hat? Wenn man sich von Bekanntschaft zu Bekanntschaft hangelt oder einer verkorksten Langzeitbeziehung nachhängt? Wenn die Karriere noch nicht perfekt ist und der Lebenslauf unübersehbare Lücken aufweist? Fakt ist: die Falten kommen trotzdem, die biologische Uhr tickt weiter. Man erkennt, dass "Mr. Right" sich nicht unbedingt auf "27 plus" - Parties rum treibt, sondern eher den Kinderwagen durchs Einkaufszentrum schiebt...

Die Sinnfrage

Nicht zufällig war der indische Prinz Siddharta genau 29 Jahre alt, als er seinem alten Lebenswandel abschwur und den Erkenntnisweg begann, mit dem er den Buddhismus begründete. Auch Ingeborg Bachmanns düsterer Erzählband über einen Protagonisten, der auf sein Leben als Ganzes zurückschaut, heißt nicht zufällig "Das dreißigste Jahr". Es ist eine Zeit, in der man unsicher wird. Der Tübinger Kulturwissenschaftler Christian Marchetti sieht im 30. Geburtstag eine "bedeutsame Schwelle, an der man sich mit seiner eigenen Biografie auseinandersetzen muss". Bei vielen entstehe der Wunsch "dem Leben von nun an einen Sinn zu geben". Gerade wer noch keine Arbeit oder wenigstens Kinder hat, empfinde den Dreißigsten als krisenhaft, erklärt Marchetti.

Mache ich alles richtig?

Kurz vor dem Dreißigsten beginnt man, sich auch mal nach links und rechts umzuschauen. Was denn die Leute so machen, mit denen man zur Schule gegangen ist. Spätestens wenn einen dann von den Profilbildern der Social Networks die ehemaligen Klassenkameraden mit ihrem Nachwuchs anstrahlen und in der Spalte "Beruf" etwas anderes steht als "Zeittotschläger/in", gerät man in Erklärungsnot. Wenn auch nicht vor sich selbst, so doch vor dem entfernten Umfeld: den dreiundzwanzigjährigen Mitpraktikanten beispielsweise oder den gleichaltrigen Menschen, die das machen, was Menschen halt ab einem bestimmten Alter zu tun haben. Oft hat man das Gefühl, dass der Eintritt in den "Club 30" an genau diese Erwartungen geknüpft ist, denen doch immer weniger Menschen in diesem Alter entsprechen. So als müsse man am Empfang alle seine Ideale abgeben und sich von nun an in die "Mutti"/"Vati" -Schablone pressen lassen.

Jeder geht mit dem drohenden Dreißigsten anders um. BRIGITTE.de hat sich umgesehen und die vier häufigsten Typen herausgefunden.

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