Der Taschen-Therapeut: Erste Hilfe für die Seele

Wenn's mal nicht so läuft im Leben, finden Sie guten Rat in unserer psychologischen Hausapotheke.

10 Psycho-Strategien

Entscheidungsschwäche, wild gewordene Gedanken, Selbstzweifel, Liebeskummer. . . sind nicht schön und manchmal ziemlich hartnäckig. Gut, wenn man sich zu helfen weiß! Zehn Psycho-Strategien aus der psychologischen Hausapotheke gegen die miesen Momente im Leben.

1. Den Rahmen wechseln Beim Spaziergang mit dem neuen Lover gegen einen Laternenmast gelaufen? Blöd, passiert, kann man nicht mehr ändern, das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Machen Sie was Gutes draus! "Reframing", also Rahmenwechseln, heißt diese Technik, die zum Beispiel beim neurolinguistischen Programmieren angewandt wird, und es bedeutet nichts anderes, als etwas in einem neuen Zusammenhang zu sehen. Statt sich also für den Rest des Tages zu grämen, das Schicksal zu verfluchen oder sich womöglich noch selbst die Schuld zu geben ("Typisch, ich bin so peinlich!"), stellen Sie sich einfach vor, wie Sie auf der nächsten Party in allen Einzelheiten davon erzählen - und damit mit Sicherheit ein paar Lacher einsacken.

2. Die Höllenhunde stoppen! Manche Gedanken sind wie wild gewordene Pitbull-Terrier: Wenn sie sich einmal festgebissen haben, lassen sie einen nicht mehr los. Bevor es so weit kommt, sollten Sie Ihren Höllenhunden zeigen, wer die Chefin ist. Rufen Sie laut "Stopp!", sobald es einer wagt, auch nur an Ihnen zu schnuppern, und hauen Sie dazu am besten auf den Tisch. Immer wieder, weil die Biester nun mal hartnäckig und obendrein ziemlich schwerhörig sind. Und damit Sie das nicht vergessen, legen Sie sich zur Sicherheit noch einen Co-Trainer zu - eine Murmel oder einen Stein, irgendetwas, das Sie daran erinnert, dass Sie die Macht haben und nicht irgendeine dahergelaufene fiese Töle.

3. Sprüche sammeln Worte haben Zauberkräfte. Sie können zum Nachdenken anregen, Bilder im Kopf entstehen lassen und so dabei helfen, Ereignisse oder Gefühle auf eine neue Weise zu sehen. Nicht umsonst wird etwa in der Hypnose mit Zitaten gearbeitet, die im Grunde nichts anderes als in Sätze gepackte Lebenserfahrungen sind. Wenn Sie nicht warten wollen, bis jemand mit einem schlauen Spruch vorbeikommt, der zu Ihrer momentanen Stimmung wie Aspirin zu Kopfschmerzen passt, beugen Sie vor und legen sich Ihre eigene Sammlung an, auf die Sie immer wieder zurückgreifen können. Was rein soll? Alles, was bei Ihnen ein Türchen aufmacht! Und für den Anfang schenken wir Ihnen mal drei: "Das Gelingen ist manchmal das Endresultat einer ganzen Reihe missglückter Versuche." (Vincent van Gogh) "Kein Ereignis hat irgendeine Macht über mich, außer der, die ich ihm in Gedanken gebe." (Anthony Robbins) "Wenn ich einen grünen Zweig im Herzen trage, wird sich der Singvogel darauf niederlassen." (Chinesisches Sprichwort)

4. Auf den Silberstreif statt auf die Wolken schauen Nirgendwo ein Ausweg in Sicht? Das könnte daran liegen, dass Ihnen der Blick regelrecht verbaut ist, weil Sie sich zu sehr auf den verfluchten Liebeskummer, den Ärger mit der hinterhältigen Bürokollegin oder dieses latente, bleierngraue "Mein Leben ist so scheiße!"-Gefühl konzentrieren. Probleme haben eben leider die unangenehme Angewohnheit, immer größer, schwerer und erdrückender zu erscheinen, je mehr Beachtung man ihnen schenkt. Lenken Sie Ihren Blick deshalb lieber auf den Silberstreif am Horizont, statt nur die dunklen Wolken anzustarren - ein Ansatz, der etwa in der lösungsorientierten Kurzzeittherapie verfolgt wird. Überlegen Sie, was Ihnen früher geholfen hat, wenn Sie mal wieder in einem Tief hingen. Das können Eigenschaften wie Ihr Humor sein, Ihr Durchhaltevermögen oder Ihre Selbstdisziplin, aber auch bestimmte Dinge, die Sie damals getan haben: Freunde um Rat fragen, Bäume anschreien, sich beim Sport auspowern, ausgehen, bei lauter Musik durch die Wohnung tanzen. Schreiben Sie es sich auf, damit Sie es nicht vergessen, und machen Sie so viel wie möglich von den Dingen, die Ihnen gut tun. Das gibt Kraft zurück - und vor allem zeigt es Ihnen, dass Sie keineswegs so schwach und hilflos sind, wie Sie sich gerade fühlen.

5. Der Trick mit der Münze Sie können sich nicht entscheiden, und die gute alte Pro-Contra-Liste hilft auch nicht weiter? Folgen Sie dem Rat Sigmund Freuds. Der soll seiner Nichte empfohlen haben, eine Münze zu werfen. Als die Nichte erwiderte, dass dies nun wenig wissenschaftlich sei, meinte Freud, sie solle ja nicht sofort dem Ergebnis folgen, sondern sich erst die entsprechende Alternative genau vorstellen und anschließend analysieren, wie sie sich dabei fühlt - zufrieden oder eher enttäuscht, erleichtert oder vielleicht sogar ängstlich. Ihre Reaktion, so Freud weiter, werde ihr zeigen, wie sie tief in ihrem Inneren über diese Sache denkt. Die Moral von der Geschichte? Manchmal ist die Lösung schon da, man muss sie nur noch aus ihrem Versteck lotsen.

6. Gute Gefühle anlocken Wir hören unser Lieblingslied im Radio und bekommen gute Laune. Oder denken an die gemütlichen Nachmittage früher in Omas Küche, wenn uns der Duft von Kuchen in die Nase wehte. Im neurolinguistischen Programmieren wird dieser Zusammenhang von Sinneseindrücken und Empfindungen genutzt, um Gefühle anzulocken, indem man sie mit einem Anker verknüpft - einer Geste oder Berührung, einem Ton, Wort, Bild oder Geruch. Ein guter Trick, um beispielsweise vor einer schwierigen Aufgabe die nötige Ruhe und Kraft zu tanken. Und so funktioniert es: - Setzen Sie bequem sich hin, entspannen Sie sich. Schließen Sie Ihre Augen und atmen Sie tief durch. - Stellen Sie sich eine Situation vor, in der Sie völlig ruhig waren, etwa im Urlaub am Strand. Malen Sie sich die Szene vor Ihrem inneren Auge aus: Was haben Sie in jenem Moment damals gehört oder gesehen, was haben Sie gedacht? Lassen Sie das Gefühl wiederkommen, und wenn Sie denken, dass es am stärksten ist, legen Sie die Hand auf Ihren Arm, den Bauch oder berühren Sie sich am Ohrläppchen. - Wiederholen Sie die Übung immer wieder, so lange, bis der Anker automatisch die Empfindung auslöst.

7. Mini-Wellness auf Fantasy Island In einer bodenlangen Robe Mozart-Arien wie Anna Netrebko schmettern, sich mit George Clooney zum romantischen Dinner und anschließenden Rumknutschen in seiner italienischen Villa treffen: Wenn die Realität wieder besonders öde und anstrengend ist, gönnen Sie Ihren Gedanken mal eine kleine Reise. Das ist doch reine Zeitverschwendung? Von wegen! Sigmund Freud sah Tagträume als die kleinen wichtigen Refugien, in denen auch Erwachsene noch wie Kinder denken dürfen: frei von Zwängen und Verboten, frei von Logik und Tatsachen. Und dann passiert etwas ganz Ähnliches wie im Kino: Je schöner der Film in Ihrem Kopf ist, desto wohler und entspannter fühlen Sie sich. Der Körper wird locker, Herzschlag und Atmung werden ruhiger: Wellness für die Seele, ganz umsonst, wann und wo immer Sie wollen. Und obendrein die perfekte Einschlafhilfe.

8. Leiden nach Plan Der berühmte Psychologe Paul Watzlawick hat mal gesagt, dass man ein Problem verstärkt, indem man versucht, es zu vermeiden, anstatt es zu beherrschen. Nach diesem Grundsatz funktioniert die Symptomverschreibung, eine Technik, die etwa in der Kurzzeittherapie angewendet wird: Der Therapeut verordnet dem Klienten genau das, worunter dieser leidet, allerdings werden neue Bedingungen dafür festgelegt. Klingt paradox, hat aber den Effekt, dass man von der Rolle des Opfers in die des "Täters" kommt, der entscheidet, was wann wie passiert. Sie dürfen sich also ruhig Ihre Unfähig-, Langweilig- oder sonstige Schrecklichkeit vorwerfen, dürfen auf Ihrer Trennung rumkauen, weinen, sich richtig quälen - allerdings nur zu einer bestimmten Uhrzeit, an einem bestimmten Ort und, sagen wir mal, höchsten 15 Minuten pro Tag. Das erfordert etwas Disziplin, doch wenn Sie Ihren Klage-Plan konsequent durchhalten, haben Sie mindestens 23 Stunden und 45 Minuten Ruhe. Und über kurz oder lang dürfte Ihnen die ganze Prozedur so absurd vorkommen, dass Ihr "Symptom" sogar ganz verschwindet.

9. Ein neues Spiel spielen Und täglich grüßt das Murmeltier: Die Kinder kommen heim, schmeißen ihren Krempel im Flur ab, Mama rastet aus, die Gören plärren, und morgen passiert das Gleiche; Frau nörgelt, Mann zieht sich zurück, Frau nörgelt noch mehr, dann ein blöder Kommentar von ihm, und schon steckt man mitten im Riesenstreit. Kommt Ihnen das bekannt vor? Wahrscheinlich, schließlich laufen Konflikte oft nach dem immer gleichen Muster ab. Unterbrechen Sie es und spielen Sie zur Abwechslung ein neues Spiel. Das alte macht ja offensichtlich nicht glücklich. Werfen Sie Ihre Klamotten doch mal dazu, statt zu schimpfen, zwingen Sie sich, nicht noch einen draufzusetzen, wenn die Luft sowieso schon dick ist. Manchmal reicht es, einen Spaziergang zu machen, um einem Krach buchstäblich aus dem Weg zu gehen. Überraschen Sie sich, dann bleibt das Murmeltier im Bau.

10. Die Beste-Freundin-Brille aufsetzen Niemand hackt so sehr auf uns herum wie wir selbst. Wahrscheinlich, weil wir glauben, dass wir uns richtig schön runtermachen müssen, um uns anzutreiben. Stimmt nicht! Je schlechter wir über uns denken, desto schwächer fühlen wir uns. Positive Energie braucht positive Gedanken. Streicheln Sie Ihr Selbstbild und tragen Sie statt der Böse-Stiefmutter-Brille die der besten Freundin - eine, durch die Sie sich mit Verständnis, Geduld und Wohlwollen betrachten können. Was sehen Sie an sich, welche guten Eigenschaften, die Ihnen vorher gar nicht aufgefallen sind, was haben Sie schon geschafft, welche Fähigkeiten haben Sie, die Sie nach vorn bringen können? Erzählen Sie sich davon. Und denken Sie daran, dass ein Fußballtrainer, der was von Motivation versteht, seine Mannschaft nicht nur anbrüllt, sondern immer wieder auch lobt.

Immer noch traurig? Essen macht glücklich!

Ein Rezept mit Euphorie-Garantie: Pfannkuchen mit Erdbeeren und Schlagsahne.

Zum Rezept

Text: Kathrin Tsainis Fotos: ergonoMedia/Photocase.com, Rahel Zander, Thomas Neckermann BRIGITTE Heft 11/2007
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