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Echoist Ziehst du Narzissten magnetisch an?

Echoist: Frau umarmt einen Mann.
© fizkes / Shutterstock
Der Echoist spiegelt Emotionen und Ansichten des Umfeldes. Das birgt die Gefahr, ausgenutzt zu werden. Bist du ebenfalls betroffen? Finde es hier heraus!

Echoist: Die typischen Merkmale

Der Begriff Echoist ist eine Abwandlung vom Wort Echo, welches wir auch unter dem Synonym Widerhall kennen. Beim Echo wird ein Ton ausgesendet, der in leeren Räumen genauso wieder zurückkommt, bzw. widerhallt. Mit Gesang oder Musik hat der sogenannte Echoismus allerdings nicht viel zu tun. Es geht um eine ganz bestimmte Persönlichkeitsstruktur, die ein besonderes Merkmal mitbringt: Echoisten übernehmen das Verhalten, die Meinungen und Gefühle von anderen und spiegeln sie selbst ähnlich wider.

Echoisten stimmen dir bei Gesprächen eher zu, nicken Kritik ab und befürwortet die Entscheidungen anderer. Kritische Worte gibt's selten. Und warum? Ganz einfach: Echoisten sind sensible, rücksichtsvolle und sehr mitfühlende Menschen, die sich für Harmonie gerne zurückstellen. Sie möchten anderen auf keinen Fall zur Last fallen – sich in den Vordergrund zu stellen, ist für Echoisten sehr unangenehm.

Auseinandersetzungen, Meinungsverschiedenheiten, Streit, unangenehme Diskussionen – das möchten Echoisten unbedingt vermeiden. Lieber geben Echoisten nach, als zu diskutieren und auf ihr Recht zu beharren. Nach dieser Beschreibung klingen Echoisten wie überaus freundliche Menschen, die manchmal lediglich etwas zu nett sind. Aber genau hier verbirgt sich ein großes Problem: ihre Nettigkeit wird ausgenutzt.

Deshalb landen Echoisten oft in ungesunden Beziehungen

Geben statt Nehmen: Diesen Grundsatz leben Echoisten voll und ganz. Echoisten verhalten sich oft sehr selbstlos, um andere glücklich zu machen. Geraten sie allerdings an eine toxische Person, wird es sehr gefährlich für die mentale Gesundheit. Da Echoisten schlecht Grenzen setzen können, lassen sie mehr durchgehen, geben bei Problemen schnell nach und suchen die Schuld bei sich. Und ohne es zuerst zu bemerken, sind sie bei einem Menschen gelandet, der ihre Gutmütigkeit schamlos ausnutzt.

Trotz der ungesunden Partnerschaft (oder Freundschaft) finden Echoisten durch ihr enormes Mitgefühl immer wieder Gründe, doch noch zu bleiben. Auf Dauer leidet das eigene Selbstwertgefühl dadurch stark. Vor allem eine Gruppe kann für Echoisten gefährlich werden: die Narzissten.

Echoist und Narzisst: Ein Match mit Folgen

Der Begriff Echoist wurde vom Wissenschaftler Craig Malkin entwickelt, der im Bereich des Narzissmus Forschungen betrieben hatte. Dabei fiel ihm auf, dass Narzissten immer wieder in Beziehungen mit bestimmten Menschen landen: den Echoisten.

Von den sogenannten Narzissten hast du bestimmt schon gehört. Dabei handelt es sich um eine Person, die eine (klinisch diagnostizierbare) narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt hat. Narzissten verfügen über ein überhöhtes Selbstbild und wirken auf andere selbstverliebt und einnehmend. Sie dulden keine Kritik an ihrer Person, zeigen kein Mitgefühl und möchten bewundert und anerkannt werden.

Man könnte den Narzissten also als das genaue Gegenteil vom Echoisten bezeichnen. Der eine will nur geben, der andere will bloß nehmen – unterschiedlicher geht's nicht! Und dennoch landen genau diese gegenteiligen Charaktere immer wieder in einer Beziehung, ob freundschaftlich oder romantisch. Wie passt denn das zusammen?

Warum Echoisten immer wieder an Narzissten geraten

Narzissten fordern endloses Mitgefühl, bedingungslose Fürsorge und hundertprozentige Aufmerksamkeit. Genau das entspricht der selbstlosen, gebenden Art der Echoisten, die sich warmherzig um andere kümmern und sich nur zu gerne zurückstellen. Eine Symbiose, von der beide profitieren? Keineswegs – Narzissten agieren oft skrupellos und beuten Echoisten emotional aus.

Denn auch wenn Echoisten gerne geben – auch sie brauchen Empathie, Unterstützung, Fürsorge und Rücksicht. Das kann ihnen ein Narzisst, dem es einzig und allein ums eigene Wohl geht, niemals geben.

Merkmale Narzissten: Wütender Mann

Echoist: Was soll ich tun, wenn ich einer bin?

Als Echoist besitzt du jede Menge Empathie. Es fällt dir leicht, dich in andere Personen hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuempfinden. Was dir allerdings etwas fehlt, ist die sogenannte Ekpathie. Damit ist die eigene Abgrenzungsfähigkeit gemeint. Ziel ist es also, in Zukunft mehr bei dir selbst zu bleiben, um besser für deine eigenen Bedürfnisse einstehen zu können. So läufst du weniger Gefahr, dass dich andere übergehen, manipulieren oder ausnutzen.

Folgende Tipps können helfen:

  1. Gefühlscheck: Statt sich in einer Situation sofort ins Gegenüber hineinzuversetzen, fragst du dich zuerst: Was fühle ich und was brauche ich jetzt? Versuche bei dir selbst zu bleiben und dich nicht in den Emotionen anderer zu verlieren.
  2. Selbstwert-Update: Deine Meinung, deine Gefühle und deine Stimme sind wichtig. Feile an deinem Selbstwertgefühl, damit du dich nicht schuldig fühlst, wenn du für dich einstehen musst.
  3. Schuld-Bremse: Echoisten besitzen die Fähigkeit, eigene Fehler einsehen zu können. Super! Aber das bedeutet nicht, dass du dir die Schuld für alles Mögliche geben lassen musst. Bitte bei Streitigkeiten um Bedenkzeit und frage dich ganz objektiv: Welchen Part spiele ich, wo sehe ich aber auch Fehler beim Verhalten der anderen Person? Narzissten sind gute Manipulatoren – wenn du dir unsicher bist, kannst du die Sachlage auch mit einer außenstehenden Person besprechen.
  4. Konflikte annehmen: Auch, wenn sie unangenehm sind – manchmal sind Meinungsverschiedenheiten unvermeidbar. Verleugne deine Ansichten nicht, nur um anderen zu gefallen – sonst hältst du dich selbst klein und das spornt Narzissten nur noch mehr an.
  5. Ertrage Stille. Narzissten nutzen oft eine Taktik namens Stonewalling. Das ist eine Art Liebesentzug, die dich kleinhalten soll. Der Narzisst will dir dadurch beibringen, dass du nach seiner Pfeife tanzen sollst und rechnet damit, dass du nach seinem Rückzug auf ihn zukommst. Entscheide dich stattdessen nach folgendem Mantra zu leben: Ich laufe niemandem hinterher, der mich nicht gut behandelt!

Übrigens: Es gibt verschiedene Narzissmus-Arten. Verdeckter Narzissmus ist ganz besonders gefährlich, weil du ihn lange nicht erkennst. 

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Verdeckte Quellen:  psychologytoday.com, psychcentral.com/


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