Eckart von Hirschhausen: Lachen ist gesund

Lachen ist gesund: Comedian und Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen erklärt, warum wir so viel lachen sollten wie möglich, und weshalb wir uns manchmal zu ernst nehmen.

Brigitte.de: Guten Morgen, Herr von Hirschhausen, haben Sie heute schon gelacht?

Eckart von Hirschhausen: Ja, ausgiebig. Das versuche ich so oft wie möglich, auch wenn es keinen Grund dazu gibt.

Brigitte.de: Geht das denn, Lachen ohne Anlass?

Eckart von Hirschhausen: Auch wenn uns das vielleicht nicht so bewusst ist – wir lachen im Alltag selten über einen speziellen Witz. Sondern aus Verlegenheit, um einen Kontakt herzustellen, oder weil uns etwas Dummes passiert. In diesen Situationen sollte man es sich erlauben, das Lachen richtig kommen zu lassen. Dabei haben viele haben Angst, im unpassenden Augenblick zu lachen. Man sollte sich ein Lachen jedoch nur verkneifen, wenn die Gefahr besteht, dass andere Menschen verletzt werden.

Brigitte.de: Gibt es eine Mindestzahl von Lachminuten am Tag, die wir nicht unterschreiten sollten?

Eckart von Hirschhausen: Das sollte man nicht so verbissen mit der Stoppuhr messen. Es ist allerdings bemerkenswert, dass die Tendenz im Laufe des Lebens eindeutig absteigend ist. Kinder lachen 400 Mal am Tag, Erwachsene 15 Mal, Tote gar nicht mehr. Viele Leute haben Angst, sich totzulachen, dabei sterben wir eher, weil wir zu wenig lachen. Lachen hat auf so viele Körperfunktionen und seelische Bereiche eine positive Wirkung. Es ist zum Beispiel erfrischend für den Gasaustausch in der Lunge, der Körper entspannt sich, wenn er vor Lachen durchgeschüttelt wird. Das ist nicht nur gut fürs Immunsystem, es hilft auch gegen Schmerzen.

Brigitte.de: Das klingt für den Lach-Laien ziemlich unglaubwürdig.

Eckart von Hirschhausen: Mag sein, aber die Medizin weiß: Schmerzwahrnehmung hat viel mit Aufmerksamkeit zu tun, und mit der Stimmung, in der ich mich gerade befinde. Denken Sie an den Hammer, mit dem ich mir auf den Daumen haue: Bin ich allein, steht der Schmerz im Vordergrund. Wenn jemand daneben steht, lache ich, weil die Situation einfach so bescheuert ist, und es tut automatisch weniger weh.

Brigitte.de: Was ist denn gesünder, eine durchgelachte Minute, oder viele kleine Lacher über den Tag verteilt?

Eckart von Hirschhausen: Wenn lange gelacht wird, hat das eine bessere Wirkung auf den Organismus. Das kommt aber im Alltag selten vor. Wenn, dann eher in einer Gruppe, weswegen im Fernsehen die Lacher untergeschnitten werden: Der Zuschauer fühlt sich besser, und lacht schneller mit. Beim Lach-Yoga lernt man gemeinsam und lang anhaltend zu lachen, ganz ohne Witz. Das ist aber nicht jedermanns Sache. Der wichtigste Schritt ist zu fragen: Sorge ich gut für mich? Wenn ich meine Lust zu lachen verliere, ist dies ein wichtiger Warnhinweis. Ich sollte meine Aufmerksamkeit schulen, darauf achten, worüber ich gerne lache. Halten Sie sich von Leuten fern, mit denen Sie nicht lachen können. Kaufen Sie sich eine CD von Ihrem Lieblings-Komiker, und hören Sie sie regelmäßig. Nicht jeder Mensch wird als Frohnatur geboren, aber man kann Fröhlichkeit trainieren. Ich nenne Lachen gerne Deo für die Seele - es ist das beste Antidepressivum.

Brigitte.de: Auf Ihren Seminaren lernt man unter anderem, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Warum ist das so wichtig?

Eckart von Hirschhausen: Wer die Dinge zu ernst nimmt, setzt sich unter Stress. Die wichtigste Quelle dieses weit verbreiteten Leidens ist nicht die Situation selbst, sondern unsere Beurteilung der Situation. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist es sinnvoll, in Stress zu geraten. Der Säbelzahntiger hinter uns stellte schließlich eine echte Gefahr dar. Vorübergehend verengt sich das Blickfeld, die Muskeln verkrampfen sich, und die Gedanken sind nicht mehr frei. Wir sind auf die Situation fixiert. Viel leichter, als die Situation zu ändern, ist es aber, unsere Beurteilung der Situation zu ändern. Wir sollten uns fragen, ob es wirklich ein Säbelzahntiger ist, der da hinter uns her ist.

Brigitte.de: Die sind ja bekanntlich ausgestorben...

Eckart von Hirschhausen: ... und entsprechend ist der Stress größer als nötig. Hilft es, wenn ich mich aufrege? Wie werde ich die Situation in einem Jahr beurteilen? Wie würde ich sie einem Kind erklären? Diese Fragen sorgen für einen Perspektivwechsel, der entkrampfende Wirkung hat. So eine Schulung des Geistes ist im Kern das, was viele Meditationstechniken lehren. Da haben wir kulturell etwas nachzuholen.

Brigitte.de: Sie meinen, den Menschen im Abendland fällt es schwerer, Abstand von sich selbst zu bekommen und die Dinge mit Humor zu nehmen?

Eckart von Hirschhausen: Im Mittelalter gab es zu Ostern den Brauch, wonach die Gemeinde ein rituelles Gelächter anstimmte: Zweck der Übung war es, dem Tod ins Gesicht zu lachen. Ein Brauch, der sich nicht gehalten hat, obwohl die Grundsituation, in der wir uns befinden, komisch ist: Nichts von dem, was wir tun, hat Bestand, eigentlich eine absurde Situation. Humor, als Perspektivwechsel in Miniaturform, ist eine Geisteshaltung, mit der wir viel besser durch unser komisches Leben kommen.

Interview: Wiebke Peters
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