Eine Woche ohne Geld

Schafft man es, eine Woche lang kein Geld auszugeben? BRIGITTE-Redakteurin Bianka hat es ausprobiert.

Tag: Montagmorgen Geld im Portemonnaie: 25,56 Euro Mein Vorsatz: Es sollen 25,56 Euro bleiben Warum? Ich möchte eine Woche lang kein Geld ausgeben, weil ich mich dazu erziehen will, nicht gedankenlos und spontan irgendwelche Sachen zu kaufen, die ich im Zweifel gar nicht brauche. Ich will mein Einkaufsverhalten besser planen und nicht für jede Kleinigkeit wieder losgehen müssen. Kurz: Ich möchte einfach bewusster mit Geld umgehen. (Ich muss nicht mit wenig Geld auskommen und weiß, dass es andere Menschen gibt, die nicht in dieser komfortablen Situation sind. Davor habe ich großen Respekt.)

Stark oder sensibel: Deine Lenkrad-Haltung verrät viel über dich

Es geht los

Aus oben genannten Gründen habe ich alles, was ich für die Woche brauche, schon am Samstag eingekauft. Dafür waren einige Überlegungen nötig. Ohne Brot werde ich morgens nicht satt, aber ein frisches hält nicht sieben Tage. Die Lösung: Toastbrot. Reicht die Zahnpasta im Bad noch? Ja, tut sie. Brauche ich Schokolade? Mmhh, eigentlich wäre mein Experiment eine gute Gelegenheit, darauf zu verzichten. Aber besser nicht. Es könnten ja spontan Gäste vorbeikommen.

Wäre da noch die Sache mit der Kantine während der Arbeitswoche. Eigentlich sollte ich ein Mittagessen vorkochen und mit in die Arbeit nehmen. Allerdings bin ich kochfaul und ich liebe es, mich mit meinen Kollegen in der Mittagspause zu verabreden. Eine andere Möglichkeit wäre, mich von meiner jeweiligen Begleitung einladen zu lassen. Der Gedanke passt mir auch nicht. Ich bin eine Frau, die lieber selbst für sich sorgt. Also: kochen plus einsam gegen schnorren plus abhängig. Meine Wahl fällt auf letzteres.

Der erste Tag klappt super. Mein Lunch-Date findet meine Versuchswoche witzig und bezahlt widerstandslos mein Essen. Abends bediene ich mich an meinen Vorräten. Die Rechnung, die ich im Briefkasten finde, lasse ich ohne schlechtes Gewissen liegen.

Der Nachteil ist, dass ich nicht ausgehen kann. Mitten im Winter fällt mir nichts ein, was auch ohne Geld Spaß machen könnte. Und das mit dem Schnorren möchte ich nicht überstrapazieren.

Mitte der Woche besuche ich ein ganztägiges Seminar mit entfernten Kollegen, die ich kaum kenne. Ich bekomme Zweifel. Kann ich die Kollegen mittags um ein Essen anbetteln oder soll ich meinen Vorsatz brechen? Ich könnte auch sagen, dass ich die Plastikkarte vergessen habe, die man in unserer Kantine braucht. Aber lügen kann ich noch schlechter als kochen. Also sage ich die Wahrheit, mit dem Ergebnis, dass ich zwar Zielscheibe einiger Running Gags werde, dafür aber eine inspirierende neue Mittagsrunde gewinne.

Im Laufe der Woche kommen mir ständig kleine Dinge in den Sinn, die ich gern kaufen würde. Neue Handtücher beispielsweise, eine CD oder ein Windspiel. Da ich aber nichts kaufen darf, vergesse ich die Sachen schnell und sie verlieren ihren Reiz. Großartig.

Die Arbeitswoche ist rum, jetzt muss ich nur noch Samstag und Sonntag überstehen. Flohmarkt, Essen einkaufen, den Trockner im Waschsalon benutzen - die Dinge, die sonst auf dem Programm stehen, fallen weg. Ich lade stattdessen Freunde zum Tee ein (die Schokolade ist natürlich längst aufgegessen), mit anderen mache ich am Sonntag einen langen Spaziergang. Sonst habe ich für meine Freunde nie so lange am Stück Zeit. Ich muss ja einkaufen. Jetzt sind die schönen Dinge ganz umsonst.

Mein Fazit

Tag: Montag (der danach) Geld im Portemonnaie: 25,56 Euro Was gelernt? Vieles, was ich kaufe, brauche ich gar nicht. Und glücklich machen Begegnungen mit anderen (die man sogar ab und zu mal anschnorren darf).

Neuer Inhalt