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Ekpathie Kein Mitgefühl, kein Problem?

Ekpathie: Nachdenkliche Frau hält eine Tasse in der Hand.
© lithian / Shutterstock
Wie ekpathisch bist du? Die Ekpathie ist das Gegenteil der Empathie, dem Einfühlungsvermögen. Erfahre, warum die Ekpathie nicht nur Nachteile mitbringt.

Ekpathie: Das Gegenteil der Empathie

Sich in andere hineinversetzen, Anteilnahme zeigen, mitfühlen – das alles ermöglicht uns die Empathie. Jeder von uns ist mit einem unterschiedlichen Level an Einfühlungsvermögen ausgestattet, das teilweise genetisch und teilweise durch unsere soziale Umwelt geprägt wurde.

Manche fühlen so stark mit, dass sie bei traurigen Serien gleich mitweinen müssen. Andere sind weniger empathisch und grenzen sich stärker ab. Ist letzteres der Fall, überwiegt die sogenannte Ekpathie. Das ist die psychologische Bezeichnung für das Gegenteil bzw. für die Umkehrung der Empathie. Wir fühlen dann nicht mit anderen mit, sondern bleiben bei uns selbst.

Man könnte nun vermuten, dass die Ekpathie keine gute Charaktereigenschaft ist – wie könnte es denn auch von Vorteil sein, dass man weniger mitfühlend reagiert? Tatsächlich wird dieses Persönlichkeitsmerkmal aber oft missverstanden. Ekpathisch zu sein, bedeutet nämlich nicht, gar kein Einfühlungsvermögen zu besitzen. Ekpathische Menschen sind in ihren Emotionen allerdings weniger beeinflussbar und bleiben eher sachlich, als mitfühlend zu reagieren. In manchen Situationen kann das sogar von Vorteil sein.

Ekpathie vs. Empathie: Warum beide Extreme kritisch sind

Bei der Empathie verschwimmt das Ich mit dem Du. Wenn eine liebe Freundin eine schwere Trennung mitmacht, würde eine sehr empathische Freundin stark mitleiden. Sie fühlt den Schmerz, den Liebeskummer und die Leere, weil sie sich gut in ihre Freundin hineinversetzen kann. Fast ist es so, als würde sie selbst den Beziehungsbruch erleben.

Die Ekpathie hält das Ich mehr auf Distanz. Emotionen von anderen werden weniger oder gar nicht übernommen. Es gibt eine stärkere Abgrenzung zwischen dem eigenen Leben und dem Leben der anderen. Eine ekpathische Person würde beim Liebeskummer der besten Freundin anders reagieren: Zusammenreißen, weitermachen und nach vorne schauen – das wäre wahrscheinlich die Devise. Hier werden die Gefühle des Gegenübers also nicht gespiegelt und nicht übernommen.

Beide Extreme sind natürlich kritisch: Zu viel Ekpathie würde uns zu kalten, herzlosen Menschen machen, die den Blick für die Situation von unseren Mitmenschen verlieren. Zu viel Empathie macht uns allerdings manipulierbar, verletzlich und treibt uns in die Überforderung, da empathische Menschen schlechter Nein sagen können.

Die goldene Mitte wäre ideal, da wir uns durch das richtige Level an Ekpathie vor Drama schützen und durch das optimale Maß an Empathie trotzdem noch Hilfe leisten und Trost spenden können.

Ekpathie: Wie hoch ist dein Level?

Kommen wir jetzt zur spannenden Frage: Wie ekpathisch bist du? Um das besser einzuschätzen, solltest du dir die folgenden Aussagen ansehen. Sieh dir folgende Sätze an: Erkennst du dich in diesen Statements wieder, verfügst du über ein höheres Ekpathie-Level:

"Ich mache meine Gefühle nicht von anderen abhängig."

"Die Wahrheit muss raus – auch, wenn sie (anderen) wehtun könnte."

"Bei aufgebrachten Menschen versuche ich gegenzusteuern und bleibe ruhig und sachlich."

Bist du eher ekpathisch, fällt es dir manchmal nicht leicht, dich in die Situation von anderen hineinzuversetzen. Oder du entscheidest dich ganz bewusst dafür, sie nicht sehen zu wollen, weil du eigene Anliegen bzw. dein eigenes Wohlbefinden in den Vordergrund stellst. Bei beruflichen Verhandlungen super – im privaten Bereich, kann das eventuell auch schwierig werden.

Du verfügst eher über ein sehr hohes Level an Empathie? Dann findest du dich in folgenden Aussagen wahrscheinlich wieder:

"Ich lasse sofort alles stehen und liegen, wenn ein anderer ein Problem hat."

"Nein sagen fällt mir schwer, denn ich möchte es allen recht machen."

"Ich traue mich manchmal nicht zu sagen, was ich denke, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen will."

Ein sehr empathischer Mensch stürzt sich auf die Probleme von anderen, als wären es die eigenen. Gleichzeitig bringt diese Person so viel Vorsicht vor den Gefühlen von anderen mit, dass sie ihre Meinung oft zurückhält. Das ist zwar sehr rücksichtsvoll, kann aber auch bewirken, dass eigene Interessen auf der Strecke bleiben.

Ekpathie oder Empathie: Jetzt ahnst du vielleicht schon etwas mehr, in welche Richtung du tendierst. Dieses Wissen kann dir in Zukunft dabei helfen, dich selbst besser einzuschätzen und dein Verhalten entsprechend anzupassen – je nachdem, wie du dich wohlfühlst.

Unser Level an Empathie ist nur ein Teil unserer Persönlichkeit. Hier liest du nach, woraus sich unser Charakter laut dem DISG-Modell noch zusammensetzt. Und das OCEAN-Modell verrät dir noch mehr über deine persönlichen Eigenschaften.

Weitere Themen rund um die Persönlichkeitsentwicklung findest du außerdem auch in der BRIGITTE Community. Schau doch mal vorbei!


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