Entschleunigung: So findest du zur Ruhe

In die Stressfalle getappt? Keine Sorge, es gibt einen Weg da raus: Entschleunigung! Wie du wieder Ruhe und Zeit zum Durchatmen findest, erfährst du hier.

Entschleunigung: Was ist das eigentlich?

Im buchstäblichen Sinn bezeichnet "Entschleunigung" das Gegenteil von "Beschleunigung" und bedeutet also:

  • "Tempo rausnehmen", "auf die Bremse treten" oder wie es im Duden heißt: "gezielte Verlangsamung einer (sich bisher ständig beschleunigenden) Entwicklung, einer Tätigkeit oder Ähnlichem".

Übertragen auf die Lebensgestaltung (die natürlich uns alle ganz besonders interessiert!) ist mit Entschleunigung gemeint: 

  • Bewusst auf den Stress auslösenden Sog von Modernisierung, Überangebot und Leistungsdruck reagieren und die persönliche Freiheit bzw. freie Zeit zur eigenen Selbstentfaltung (oder auch Selbstoptimierung 😉) zur Priorität machen.

Das Ziel von Entschleunigung ist ein bewusster, selbstbestimmter Umgang mit der eigenen Zeit, die Vermeidung von (innerem Stress) und ein entspannteres, gesünderes und glücklicheres Leben.

Warum haben wir das Bedürfnis nach Entschleunigung?

  • Wäsche müssen wir lediglich in einen Kasten stopfen und den Rest macht die Maschine.
  • Briefe tippen wir einfach schnell auf einer x-beliebigen Tastatur in ein geeignetes Gerät, verschicken sie per E-Mail und –schwupps – brauchen wir nicht mal die Wohnung zu verlassen.
  • Mit dem E-Scooter sind wir mindestens doppelt so schnell wie zu Fuß (je nachdem, wie genau wir's mit den Verkehrsregeln nehmen ...).
  • Und, und, und!

Man sollte meinen, die zahlreichen technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte schenkten uns mehr Zeit, doch die gefühlte (und damit die für uns entscheidende) Wahrheit ist – Tatarata! – das genaue Gegenteil.

Hektik, Druck, Stress, vollgepfropfte Terminpläne bis 2035 und natürlich unsere gute, alte Freundin Ungeduld sind immer überall dabei und bestimmen unser Leben. Wir richten uns zwar sowieso alle nach der Uhr, aber hätten wir ein Zeitgefühl, würde uns das wahrscheinlich ständig zurufen: "Mach schneller!" Wir wissen, wo das hinführen kann: Erschöpfung, Burnout, kaputt. Machen aber trotzdem immer weiter.

Was rechnerisch zunächst paradox erscheint, hat eine einfache Erklärung:

  • Wir haben mehr zu tun.

Anscheinend ist das, was wir mehr zu tun haben, (subjektiv) mehr als das, was wir dank technischer Hilfsmittel weniger zu tun haben. Und damit ist "mehr" "zu viel".

  • Zum Teil liegt das daran, dass wir uns mehr aufhalsen bzw. mehr wollen. 
  • Zum Teil wird mehr von uns erwartet.
  • Und zum Teil sind wir vor lauter Möglichkeiten gelähmt, sodass sich unsere To- oder Wanna-Dos ansammeln, während wir versuchen uns zu entscheiden, durch Instagram scrollen oder uns nach 32 Versuchen doch entschließen, heute einfach mal kein Selfie zu posten.

"Na und?", könnte man natürlich fragen und abgesehen von "Burnout, Schlaganfall, Herzinfarkt!" lautet die Antwort darauf:

  • "Wir verpassen so unser Leben."

Gefühle, bewusst wahrgenommene Sinneseindrücke, Ideen, Träume, Fantasien – für all das ist auf der Überholspur keine Zeit. Doch gerade das macht uns aus, einzigartig und unersetzlich.

Der Weg aus diesem Dilemma? Entschleunigung – und wie du sie praktisch angehst, verraten wir jetzt!

Anzeichen, dass du dich selbst nicht liebst: Eine junge Frau versteckt sich unter ihrem Pulli

Entschleunigung: 8 Tipps für weniger Stress

Der wichtigste Schritt, um das eigene Leben zu entschleunigen, ist die Entscheidung – schließlich setzt sie schon mal die Erkenntnis voraus, dass man ein Problem hat. Und hat zur Folge, dass man sich bewusst mit dem eigenen Stress und seinen Ursachen auseinandersetzt. An welchen Stellen und in welchen Bereichen unseres Lebens wir im einzelnen genau entschleunigen können und sollten, ist zwar individuell und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Aaaaaber: Folgende Tipps helfen fast allen! 

1. Lästige "Zeitfresser" einfach mal wertschätzen

  • U-Bahn knapp verpasst und die nächste fährt erst in 4 Minuten.
  • Mal wieder an der Kasse angestellt, wo's eeeewig lange dauert.
  • Oder auch der absolute Horror: Stau, Sillstand, nichts geht mehr!

Lauter Situationen, die die meisten von uns tierisch stressen und unruhig machen (mich jedenfalls!). Doch was bringt's, sich darüber zu ärgern? Ändern können wir daran sowieso nichts. Warum sehen wir die Zeit nicht einfach als Geschenk? Minuten, in denen wir nichts tun müssen (und können), als abzuwarten, bis es weitergeht. Bis wir wieder funktionieren und zu irgendetwas gut sein müssen. Wir können diese Minuten des Stillstands nutzen, um z. B. bewusst zu atmen oder eine Atemübung zu machen. Wir können uns umschauen und unsere Umgebung zur Abwechslung mal aufmerksam wahrnehmen. Oder wir hören in uns hinein, fragen uns, was wir fühlen, uns wünschen, wofür wir dankbar sind. Probiere einfach mal etwas davon aus und du wirst sehen – auf einmal ist die U-Bahn da.

2. Journalling

Journalling, also Tagebuch schreiben, muss nicht viel Zeit kosten, um ganz, ganz viel zu bringen. Nimmst du dir nur drei Minuten am Tag, um ein paar deiner Gedanken aufzuschreiben, hilft dir das nicht nur in der Gegenwart, dich mental zu sortieren und klar(er) im Kopf zu werden, sondern kann auch in Zukunft interessant für dich sein. Zu sehen, was dich bewegt hat und wie du dich entwickelt hast, stärkt das Selbstbewusstsein und hilft dir zu erkennen, wer du eigentlich bist. Falls du (anfangs) nicht weißt, was du schreiben sollst, kannst du auch jedes Mal die gleichen Punkte abarbeiten, z. B.

  • "Ich sehe ..."
  • "Ich höre ..."
  • "Ich fühle mich ..."
  • "Ich möchte ..."
  • "Mich nervt ..."
  • "Ich bin stolz auf mich, weil ..."   

3. Prioritäten setzen

All die drölfzigtausend Dinge, die unser Leben ausmachen – sind nicht ansatzweise gleich wichtig! Gerade wenn wir uns gestresst fühlen, sollten wir eiskalt priorisieren (z. B. nach dem Eisenhower-Prinzip) und uns von überflüssigen Stressfaktoren und Energiefressern konsequent verabschieden

4. Angst vor einem "Nein" überwinden

Jetzt mal ganz im Ernst: Das Wort "Nein" gibt es nicht ohne Grund! Weder bringt es uns um, ein "Nein" zu hören, noch ist es ein Drama, es zu sagen. Soll heißen: Frag in Zukunft einfach, wenn du etwas brauchst, möchtest oder nicht weißt – und sag klar und deutlich "Nein", wenn du irgendwas nicht (auch noch) kannst! Vielen Menschen entsteht durch ihre Nein-Phobie unnötiger Ballast, der sie stresst und runterzieht. Doch wie bei so vielen Ängsten gilt auch hier: Die Vorstellung ist viiiiel schlimmer als die Wirklichkeit.

5. Zeit für Nichtstun einplanen

Für viele wahrscheinlich eine Herausforderung und eine komische Vorstellung, doch um zu entschleunigen, ist es ratsam, sich auch mal völlig unverplante Zeiträume zu blocken. Im Idealfall nimmst du dir einen ganzen Tag, an dem du nichts vorhast. Keine Verabredung, kein Friseurtermin, kein Sport. Klar kannst du all das an deinem freien Tag dann letztendlich machen – wenn dir spontan danach ist! Vielleicht fällt es dir anfangs schwer oder ist ungewohnt, dein Gefühl überhaupt wahrzunehmen und zu spüren, wonach dir ist. Doch wenn du den Dreh einmal raushast, wirst du merken, wie schön diese Freiheit und Leere im Terminkalender sein kann – und wie viel daraus entsteht ... 

6. Digital Detox

Freunde informieren, dass du offline bist, Handy ausschalten und ab damit in die Schublade. Selbst wenn es nur ein Tag oder Nachmittag pro Woche ist – lass dich darauf ein und genieße deine Zeit! (Wie du eine Smartphone-Sucht erkennst und behandeln kannst, erfährst du in unserem Artikel).

7. Monotasking

Ein gaaaaanz großer Stressfaktor im Alltag der meisten Menschen ist Multitasking, also die Tatsache, dass wir andauernd mehrere Dinge gleichzeitig tun (oder uns zumindest mental damit befassen). Klar fühlt es sich viel und stressig an, wenn wir, während wir am Schreibtisch sitzen und unseren Job machen, darüber nachdenken, was wir am Abend noch einkaufen müssen, einlaufende E-Mails lesen und mit uns hadern, weil wir's vermutlich nicht zum Sport schaffen – ist ja auch viel und stressig! Zugegeben, hundertprozentig geht es leider fast nie, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren und alles andere auszublenden, aber wir sollten es zumindest immer probieren. Kleiner Tipp am Rande: Bei mehreren gleichwichtigen To-Dos ist es sinnvoll, was am schnellsten geht, zuerst zu machen und sich – Schritt für Schritt – zu den langwierigsten Tätigkeiten durchzuarbeiten.  

8. Auszeit nehmen

Wenn gar nichts mehr hilft und du dich innerhalb deines gewohnten Rahmens nicht aus deiner Stressfalle befreien kannst, gibt's noch eine Möglichkeit, die ganz bestimmt hilft: Eine Auszeit! Klar, angesichts von Existenzängsten, Konkurrenz- und Leistungsdruck, dem wir in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind, ist es alles andere als leicht zu sagen "Ich mache jetzt mal ein Sabbatical" oder "ich gehe drei Monate zur Reha". Aber es geht um dein Leben und davon hast du (wahrscheinlich) nun mal nur eines. Außerdem: Du wirst überrascht sein, wie viele Menschen es verstehen, wenn du sagst, dass du es brauchst ... 

Du hättest gerne weitere Tipps, um zu entspannen? Wir verraten, wie du Frust abbauen, FOMO überwinden und JOMO entwickeln kannst. Außerdem haben wir Ratschläge für dich, wie du Selbstliebe lernen, Ängste überwinden, Gewohnheiten ändern und deine Gefühle verstehen kannst.

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel