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Entschleunigung So findest du zur Ruhe

Entschleunigung: Eine Frau trinkt Tee und legt die Füße auf den Tisch
© Cookie Studio / Shutterstock
In die Stressfalle getappt? Keine Sorge, es gibt einen Weg da raus: Entschleunigung! Wie du wieder Ruhe und Zeit zum Durchatmen findest, erfährst du hier.

Entschleunigung: Was ist das eigentlich?

Im buchstäblichen Sinn bezeichnet "Entschleunigung" das Gegenteil von "Beschleunigung" und bedeutet also:

  • "Tempo rausnehmen", "auf die Bremse treten" oder wie es im Duden heißt: "gezielte Verlangsamung einer (sich bisher ständig beschleunigenden) Entwicklung, einer Tätigkeit oder Ähnlichem".

Übertragen auf die Lebensgestaltung (die natürlich uns alle ganz besonders interessiert) ist mit Entschleunigung gemeint: 

  • Stressauslöser wie Leistungsdruck, Überangebote oder Social Media wahrnehmen und die persönliche Freiheit beziehungsweise freie Zeit zur eigenen Selbstentfaltung (oder auch Selbstoptimierung ) zur Priorität machen.

Das Ziel von Entschleunigung ist also ein bewusster, selbstbestimmter Umgang mit der eigenen Zeit. Wir versuchen dadurch inneren Stress zu vermeiden, um ein entspannteres, gesünderes und glücklicheres Leben zu führen.

Entschleunigung: Warum haben wir das Bedürfnis danach? 

E-Mails sparen Papier und das Auto erspart uns Zeit: Man sollte meinen, die zahlreichen technischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte schenkten uns mehr Zeit, doch die gefühlte (und die damit für uns entscheidende) Wahrheit ist das genaue Gegenteil. Die Digitalisierung macht alles schneller, vielfältiger und bunter – wir sind umgeben von zahlreichen Angeboten, die scheinbar ständig auf uns hereinprasseln.

Entschleunigung? Von wegen! Hektik, Druck, Stress, vollgepfropfte Terminpläne bis 2035 und natürlich unsere gute, alte Freundin Ungeduld sind immer überall dabei und bestimmen unser Leben. Wir richten uns zwar sowieso alle nach der Uhr, aber hätten wir ein Zeitgefühl, würde uns das wahrscheinlich ständig zurufen: "Mach schneller!" Wir wissen, wo das hinführen kann: Erschöpfung, Depression, Burnout. Und trotzdem machen wir weiter. 

Was rechnerisch zunächst paradox erscheint, hat eine einfache Erklärung:

Wir haben viel mehr zu tun!

  • Zum Teil liegt das daran, dass wir uns mehr aufhalsen beziehungsweise mehr wollen.
  • Zum Teil wird mehr von uns erwartet.
  • Zum Teil wollen wir nichts verpassen.
  • Und zum Teil sind wir vor lauter Möglichkeiten gelähmt, sodass sich unsere To- oder Wanna-Dos ansammeln, während wir versuchen uns zu entscheiden, ob wir durch Instagram scrollen oder uns nach 32 Versuchen doch entschließen, heute einfach mal kein Selfie zu posten.

Gefühle, bewusst wahrgenommene Sinneseindrücke, Ideen, Träume, Fantasien – für all das ist auf der Überholspur keine Zeit. Doch gerade das macht uns aus – das macht uns einzigartig und unersetzlich!

Der Weg aus diesem Dilemma? Entschleunigung – und wie du sie praktisch angehst, verraten wir jetzt!

Anzeichen, dass du dich selbst nicht liebst: Eine junge Frau versteckt sich unter ihrem Pulli

8 Tipps für weniger Stress

Der wichtigste Schritt, um das eigene Leben zu entschleunigen, ist die Entscheidung – schließlich setzt sie schon mal die Erkenntnis voraus, dass man ein Problem hat. Und das hat zur Folge, dass man sich bewusst mit dem eigenen Stress und seinen Ursachen auseinandersetzt. An welchen Stellen und in welchen Bereichen unseres Lebens wir im einzelnen genau entschleunigen können und sollten, ist zwar individuell und unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Folgende Tipps helfen aber fast allen bei der Entschleunigung! 

1. Lästige "Zeitfresser" einfach mal wertschätzen

  • U-Bahn knapp verpasst und die nächste fährt erst in vier Minuten.
  • Mal wieder an der Kasse angestellt, wo es ewig lange dauert.
  • Oder auch der absolute Horror: Stau, Sillstand, nichts geht mehr!

Lauter Situationen, die die meisten von uns tierisch stressen und unruhig machen. Doch was bringt's, sich darüber zu ärgern? Ändern können wir daran sowieso nichts. Warum sehen wir die Zeit nicht einfach als Geschenk?

Minuten, in denen wir nichts tun müssen (und können), als abzuwarten, bis es weitergeht. Bis wir wieder funktionieren und zu irgendetwas gut sein müssen. Wir können diese Minuten des Stillstands nutzen, um zum Beispiel bewusst zu atmen oder eine Atemübung zu machen. Wir können uns umschauen und unsere Umgebung zur Abwechslung mal aufmerksam wahrnehmen. Oder wir hören in uns hinein, fragen uns, was wir fühlen, uns wünschen, wofür wir dankbar sind. Probiere einfach mal etwas davon aus und du wirst sehen – auf einmal ist die U-Bahn da.

Tipp: Dieses Achtsamkeitstraining kannst du in jeder kleinen Wartepause einbauen!

2. Entschleunigung durch Journaling

Journaling, also Tagebuch schreiben, muss nicht viel Zeit kosten, um ganz, ganz viel zu bringen. Nimmst du dir nur drei Minuten am Tag, um ein paar deiner Gedanken aufzuschreiben, hilft dir das nicht nur in der Gegenwart, dich mental zu sortieren und klar(er) im Kopf zu werden, sondern kann auch in Zukunft interessant für dich sein. Zu sehen, was dich bewegt hat und wie du dich entwickelt hast, stärkt das Selbstbewusstsein und hilft dir zu erkennen, wer du eigentlich bist. Falls du (anfangs) nicht weißt, was du schreiben sollst, kannst du auch jedes Mal die gleichen Punkte abarbeiten, zum Beispiel:

  • "Ich sehe ..."
  • "Ich höre ..."
  • "Ich fühle mich ..."
  • "Ich möchte ..."
  • "Mich nervt ..."
  • "Ich bin stolz auf mich, weil ..."   

3. Prioritäten setzen

All die vielen Dinge, die unser Leben ausmachen sind nicht ansatzweise gleich wichtig! Gerade wenn wir uns gestresst fühlen, sollten wir eiskalt priorisieren (zum Beispiel nach dem Eisenhower-Prinzip oder der ABC-Methode) und uns von überflüssigen Stressfaktoren und Energiefressern konsequent verabschieden. Nicht vergessen: Ein Nein für andere ist manchmal ein Ja für sich selbst!

4. Entschleunigung durch Nein sagen

Wo wir schon beim Thema sind: Das Wort "Nein" gibt es nicht ohne Grund! Weder bringt es uns um, ein "Nein" zu hören, noch ist es ein Drama, es zu sagen. Soll heißen: Frag in Zukunft einfach, wenn du etwas brauchst, möchtest oder nicht weißt – und sag klar und deutlich "Nein", wenn du irgendwas nicht (auch noch) kannst! Vielen Menschen entsteht durch ihre Nein-Phobie unnötiger Ballast, der sie stresst und runterzieht. Doch wie bei so vielen Ängsten gilt auch hier: Die Vorstellung ist viel schlimmer als die Wirklichkeit.

5. Zeit für Nichtstun einplanen

Für viele wahrscheinlich eine Herausforderung und eine komische Vorstellung, doch um zu entschleunigen, ist es ratsam, sich auch mal völlig unverplante Zeiträume zu blocken. Im Idealfall nimmst du dir einen ganzen Tag, an dem du nichts vorhast. Keine Verabredung, kein Friseurtermin, kein Sport. Klar kannst du all das an deinem freien Tag dann letztendlich machen – wenn dir spontan danach ist! Vielleicht fällt es dir anfangs schwer oder ist ungewohnt, dein Gefühl überhaupt wahrzunehmen und zu spüren, wonach dir ist. Doch wenn du den Dreh einmal raushast, wirst du merken, wie schön diese Freiheit und Leere im Terminkalender sein kann – und wie viel daraus entsteht ...

6. Entschleunigung durch Digital Detox

Freunde informieren, dass du offline bist, Handy ausschalten und ab damit in die Schublade. Selbst wenn es nur ein Tag oder Nachmittag pro Woche ist – lass dich darauf ein und genieße deine Zeit! (Wie du eine Smartphone-Sucht erkennst und behandeln kannst, erfährst du in unserem Artikel).

7. Monotasking

Ein großer Stressfaktor im Alltag der meisten Menschen ist Multitasking, also die Tatsache, dass wir andauernd mehrere Dinge gleichzeitig tun (oder uns zumindest mental damit befassen). Klar fühlt es sich viel und stressig an, wenn wir, während wir am Schreibtisch sitzen und unseren Job machen, darüber nachdenken, was wir am Abend noch einkaufen müssen, einlaufende E-Mails lesen und mit uns hadern, weil wir's vermutlich nicht zum Sport schaffen – ist ja auch viel und stressig!

Zugegeben, hundertprozentig geht es leider fast nie, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren und alles andere auszublenden, aber wir sollten es zumindest immer probieren. Kleiner Tipp am Rande: Bei mehreren gleichwichtigen To-Dos ist es sinnvoll, was am schnellsten geht, zuerst zu machen und sich – Schritt für Schritt – zu den langwierigsten Tätigkeiten durchzuarbeiten.

8. Auszeit nehmen

Wenn gar nichts mehr hilft und du dich innerhalb deines gewohnten Rahmens nicht aus deiner Stressfalle befreien kannst, gibt's noch eine Möglichkeit, die ganz bestimmt hilft: Eine Auszeit! Klar, angesichts von Existenzängsten, Konkurrenz- und Leistungsdruck, dem wir in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind, ist es alles andere als leicht zu sagen "Ich mache jetzt mal ein Sabbatical" oder "ich gehe drei Monate zur Reha". Aber es geht um dein Leben und davon hast du nun mal nur eins. Außerdem: Du wirst überrascht sein, wie viele Menschen es verstehen, wenn du sagst, dass du es brauchst ... 

Du hättest gerne weitere Tipps, um zu entspannen? Wir verraten, wie du Frust abbauen, FOMO überwinden und JOMO entwickeln kannst. Außerdem haben wir Ratschläge für dich, wie du Optimismus lernen, Ängste überwinden, Gewohnheiten ändern und deine Gefühle verstehen kannst.

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Brigitte

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