Erster Eindruck: Darauf kommt es an

Unser erster Eindruck von einer Person entsteht innerhalb von Sekundenbruchteilen. Wie genau das funktioniert und worauf wir dabei achten, liest du hier. 

Erster Eindruck: Was ist das eigentlich?

Ein Blick, eine Begrüßung, vielleicht ein Händeschütteln und schon steht er fest: der erste Eindruck. Wenn wir einen Menschen kennenlernen, entscheiden wir unbewusst innerhalb von Sekundenbruchteilen, ob wir ihn sympathisch, attraktiv und interessant finden – oder eben nicht. Und dieses Urteil, das wir uns während der ersten ca. 100 Millisekunden bilden, festigt sich in der Regel nur, je länger das Kennenlernen dauert, wie eine US-amerikanische Studie zeigte.

Insofern lässt sich kaum bestreiten: Der erste Eindruck ist extrem wichtig – denn er entscheidet offenbar darüber, ob wir eine Person weiter kennenlernen bzw. ihr eine Chance geben möchten.

Erster Eindruck: So entsteht das Blitz-Urteil

Der erste Eindruck basiert auf den Informationen, die unserem Gehirn beim ersten Kontakt über unsere Wahrnehmung zugespielt werden – also vor allem auf Äußerlichkeiten. Wie neurowissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben, spielt beim ersten Eindruck die Amygdala eine große Rolle, ein evolutionsbiologisch sehr alter Teil unseres Gehirns, der vor allem für die Verarbeitung von Emotionen zuständig ist.  

Das bedeutet: Vernünftig erklären lässt sich der erste Eindruck oftmals gar nicht, zumindest nicht komplett. Der erste Eindruck ist vorwiegend ein emotionales Urteil.

Psychologen gehen davon aus, dass Menschen sich so einen ersten Eindruck schon seit einigen Millionen Jahren bilden, und zwar bis heute nach einem ähnlichen Muster. Dafür spricht einerseits die Beteiligung der Amygdala, andererseits unser Wissen über das Leben unserer Vorfahren: Als das Überleben noch ein Kampf war und nicht für jeden Platz in der Höhle, mussten Menschen in der Lage sein, innerhalb eines Moments zu erkennen, ob jemand Freund oder Feind war. Das wiederum könnte ein Stück weit erklären, warum der erste Eindruck oft relativ zuverlässig ist – schließlich bot nur eine hohe Treffsicherheit einen Überlebensvorteil ...

Erster Eindruck: Darauf kommt es an

Die entscheidenden Kriterien, die unseren ersten Eindruck –  vermutlich schon seit Millionen von Jahren – bestimmen, sind

  • Vertrauenswürdigkeit
  • und Kompetenz.

Als erstes müssen wir wissen, ob wir einem Menschen vertrauen können, an zweiter Stelle interessiert uns, ob er unser Leben bereichert bzw. ob wir etwas mit ihm anfangen können. Egal, in welchem Kontext wir uns befinden – ob der erste Eindruck positiv oder negativ ausfällt, hängt stets an diesen beiden Fragen.

Klar: Bei der Partnersuche bedeutet "Kompetenz" etwas anderes als bei einem Vorstellungsgespräch (z. B. wie gut die Person ins eigene Beuteschema passt). Doch im Grunde bleiben die Kriterien stets dieselben – und zwar unabhängig von Geschlecht, Kultur, Alter oder Persönlichkeit (wobei sich natürlich Maßstab, Gewichtung etc. von Mensch zu Mensch unterscheiden). Das wiederum erklärt ein weiteres Phänomen, das Studien über den ersten Eindruck gezeigt haben: Bei den meisten Personen fällt der erste Eindruck von einem Menschen ähnlich aus ... 

Attraktivität: Zwei Menschen tanzen im Sonnenuntergang

Erster Eindruck: Diese Faktoren machen ihn aus

Stellt sich nun noch die Frage: Welche Infos zieht unser Gehirn denn zur Entscheidung zu Rate, ob ein Mensch vertrauenswürdig und kompetent ist? Wie gesagt, es sind vor allem Äußerlichkeiten ... und Kleinigkeiten!

1. Geruch 

Wenn eine Person unangenehm riecht, sind wir instinktiv alarmiert und gehen lieber auf Distanz. Empfinden wir ihren Duft dagegen als angenehm, hat sie direkt gute Karten. Auch dafür liegt die Ursache vermutlich weit zurück: Für unsere Vorfahren war der Geruchssinn wichtig, um giftige oder verdorbene Nahrung zu erkennen oder auch um Krankheiten "zu wittern". Somit spielte, was sie über die Nase wahrnahmen, eine überlebenswichtige Rolle – und das prägt bis heute unseren ersten Eindruck ...

2. Stimme 

Sprechmelodie, -lautstärke und Stimmfarbe stellen den Inhalt der Worte locker in den Schatten. Wer uns um 18 Uhr mit einer freundlich klingenden Stimme "Guten Morgen!" wünscht, hat also hundertprozentig bessere Karten als jemand, der uns in dominantem Ton ein "Guten Abend!" entgegen brüllt.

3. Mimik

Ein ehrliches Lächeln, eine authentische, natürliche Mimik und Gestik sind beim ersten Eindruck DIE Erfolgsgaranten schlechthin.

4. Händedruck 

Zu fest wirkt aggressiv und bedrohlich, zu sanft unsicher und inkompetent – ein gesundes Mittelmaß weckt automatisch Vertrauen.

5. (Kleidungs-)Stil

Menschen laufen heutzutage nun mal meistens angezogen durch die Gegend – daher sind Kleidung und Frisur das erste, was wir mit den Augen wahrnehmen. Aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes stecken wir Leute unwillkürlich in Schubladen und schreiben ihnen gewisse Eigenschaften zu. Nachlässig gekleidet? Sicher auch nachlässig in anderen Lebensbereichen z. B. in der Beziehung! Passend angezogen? Da gibt sich jemand Mühe und hat Taktgefühl! Dieses Phänomen, von einem Merkmal wie der Kleidung andere Eigenschaften abzuleiten, die davon eigentlich unabhängig sind, bezeichnet man auch als Halo-Effekt

6. Körperhaltung

Wenn eine Person aufrecht und entspannt vor uns steht, wirkt sie auf uns selbstbewusst und vertrauenserweckend. Ist sie dagegen sichtbar angespannt oder macht sich vielleicht klein, sind wir eher alarmiert und vermuten unterschwellig, dass mit ihr etwas nicht stimmt ... 

7. Vertrautheit 

Bei einigen der genannten Faktoren (z. B. Geruch, Kleidungsstil und Mimik) und generell spielt eines eine ganz wichtige Rolle: Unser Erfahrungsschatz! Wenn uns ein Mensch durch irgendetwas an jemanden erinnert, mit dem wir positive Erfahrungen verbinden, finden wir ihn auf Anhieb sympathisch. Werden durch ihn dagegen negative Erinnerungen in uns geweckt, hat er von vornherein einen schweren Stand. Verbinden wir mit einer Person dagegen keinerlei konkrete Erfahrungen, spielen unsere Wahrnehmungsgewohnheiten eine Rolle: Haben wir in unserem Leben immer nur glattrasierte Männer gesehen, wird der erste Bartträger, dem wir begegnen, zunächst vermutlich Misstrauen oder Vorsicht in uns hervorrufen. Es sei denn, wir sind besonders abenteuerlustig und er riecht ausgesprochen gut – dann könnte es sein, dass er extra großes Interesse bei uns weckt! Das nämlich ist, zumindest nach aktuellem Stand der Wissenschaft, ein weiteres Merkmal des ersten Eindrucks: Mit absoluter Sicherheit vorhersagen lässt er sich nie ...  

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