Esoterik: Aura

Fragte sich BRIGITTE-Redakteurin Beatrix Gerstberger sehnsüchtig, nachdem sie ihre Aura fotografieren ließ. Das Ergebnis deutete zunächst auf eine wenig facettenreiche Ausstrahlung hin.

Farbfeder um den Kopf

"Auf einem Aurafoto", sagt der Aurafotograf Ralf Marien-Engelbarts, "wird der aktuelle Energiezustand eines Menschen sichtbar. Farbe, Klarheit, Größe und Form der Aura, das sind die Informationen über den Zustand eines Menschen. Die Farben unserer Aura machen sichtbar, was wir sind, wer wir sind und wie wir uns gerade fühlen. Und sie können sich im Lauf eines Tages verändern, auch wenn ein bestimmtes Farbmuster, ein Grundmuster, das unser Leben zur Zeit bestimmt, darunter liegen kann."

Aura, das ist das Energiefeld, das einen Menschen umgibt, erklärt er noch, alles, was eine atomare Struktur hat, hat auch eine Aura, ein Energiefeld, also auch Bäume, Pflanzen, Tiere. Angeblich ist die Auraschicht, die einen menschlichen Körper umgibt, zweieinhalb bis dreieinhalb Meter dick. Es soll aber auch Menschen geben, die ihre Aura kilometerweit ausdehnen können. Und dann gibt es noch die anderen, die Kümmerlinge, die einen Raum betreten, und niemand bemerkt sie, und jeder vergisst sie sofort. Aura-Loser sozusagen.

Ralf Marien-Engelbarts nimmt 30 Euro pro Aurafoto. "Setzen Sie sich", sagt er ruhig, "legen Sie die Hände auf die Metallplatten mit den Sensoren." Ich spüre das Herz pochen, oh Gott, was mag er sehen. Kann die Kamera wirklich meine Aura erkennen? Darüber wird auch in Esoterikerkreisen gestritten, einig ist man sich nur, dass geschulte Menschen die Farbfelder um den Kopf auch ohne Kamera sehen können. "Hui", sagt Ralf Marien-Engelbarts und schaut auf mein Polaroid. "Alles rot."

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Rote Aura: Energie und Unruhe

Ich nicke ergeben. Mein Ich also. Nur rot, rot, rot, ausuferndes, raumfüllendes Rot. Sowohl auf der inneren Seite, der Herzseite, die meine tiefen Gefühle zeigt, als auch auf der rechten, der äußeren Seite, die meine abgebende Seite zeigen soll, auf der angeblich auch körperliche Belastungen und äußere Einflüsse zu erkennen sein sollen. Und oben über dem Kopf auch nur Rot, mein gegenwärtiges Erleben, mein Bewusstsein, ein einzig roter Ozean.

Nix von dem schicken Weiß-Lila der Kollegin Dinklage, die spirituell demnach über uns allen schwebt und zu den Menschen gehört, die Kinder oder Tiere anziehen. "Rot", sagt Ralf Marien-Engelbarts, "das heißt Aktivität, Energie, Kraft. Es bedeutet aber auch innere Unruhe, Stress, Veränderung. Sie sollten mehr ins Grüne fahren. Das ist Ihre Komplementärfarbe."

Energie zapfen aus dem Universum

"Es gibt Persönlichkeitsfarben, die werden in 100 Bildern immer wieder auftauchen", sagt Ralf Marien-Engelbarts. "Aber mit ein bisschen Übung kann man die Frequenz seiner Aura verändern." Sehen wir an Oskar Holzberg, unserem Hauspsychologen. Oskar kommt angehetzt, alles rot und gelb-orange in der Aura bis auf ein Quäntchen Blau-Grün in der Herzecke. "Können Sie meditieren?", fragt Ralf Marien-Engelbarts, und Oskar kann. Nach zehn Minuten ist seine Aura weiß-lila, blau und grün, der Mann hat Energie gezapft aus dem Universum, und mindestens drei von uns denken jetzt doch über einen Yoga-Kurs nach.

"Auf jeden Fall haben Sie eine starke Aura", sagt Ralf Marien-Engelbarts mit Blick auf mein Polaroid. Ich bin erleichtert. Denn eine mickrige, hauchdünne Aura, so viel hatten wir mittlerweile gelernt, macht uns manipulierbar, krankheitsanfällig und ruft in uns Versagergefühle hervor.

Die Aura verändert sich im Austausch mit anderen

Treten wir mit einem anderen Menschen in Kontakt, tauschen sich unsere Energien aus, und unsere Aura verändert sich. Die Kollegin Dinklage ließ nach einem beratenden beruflichen Gespräch ein zweites Foto von sich machen: alles Grün, helfendes, soziales Grün. Krankenschwestern, Ärzte und Sozialarbeiter sind übrigens auch meistens grün.

Wir können aber auch abfärben, nehmen dann Eigenschaften eines Menschen an, der sich lange in unserer Nähe aufhält: Sie sind bestens gelaunt, und dann kommt er nach Hause, miesepetrig, nörgelnd - und schon sinkt Ihre Laune gen null.

Ich trainiere neuerdings anhand einschlägiger Ratgeber, wie man dichtmacht gegenüber diesen Aura-Saugern. Ab jetzt gibt es keine Gespräche mehr, die das Letzte aus mir herausholen und mich am Ende eines Tages mit einer schlabbrig braunen Aura zurücklassen. Braun: Schwäche, Erschöpfung, Fremdenergien. Nicht mehr mit mir.

Foto: Ralf Marien-Engelbarts
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