VG-Wort Pixel

FOBO Warum du Angst vor Entscheidungen hast – und sie unbedingt ablegen solltest

FOBO: Eine Frau sitzt grübelnd im Bett
© Connor Evans / Shutterstock
Entscheidungsschwierigkeiten? Wenn da mal nicht FOBO dahintersteckt ... Was damit gemeint ist, wieso Entscheidungsprobleme immer mehr Menschen betreffen und warum sie unser Leben ernsthaft beeinträchtigen, klären wir alles hier.

Ob bei der Wahl unseres Jobs, der Frage, was wir zu Abend essen, oder beim Shoppen: Das Leben stellt uns immer wieder vor Entscheidungen. Manche sind schwerwiegend und haben langfristige Folgen, andere sind weniger bedeutend und nach einem Tag schon wieder vergessen. Gemeinsam haben sie jedoch eins: Meistens entscheiden wir uns für sehr wenig – und dabei automatisch gegen sehr viel. Denn indem wir eine Option auswählen, verwerfen wir all die anderen, die uns zur Verfügung stehen, zumindest für den Moment. Das wiederum ist einer der Gründe, warum immer mehr Menschen FOBO in sich spüren, eine mitunter lähmende Angst davor, Entscheidungen zu treffen.

Was ist FOBO?

FOBO ist genau wie die nicht nur begrifflich, sondern auch inhaltlich verwandte FOMO ("Fear Of Missing Out") ein Akronym und steht für "Fear Of Better Options", also wörtlich übersetzt die "Angst vor besseren Optionen". Gemeint ist mit dem Begriff tatsächlich aber nicht die Angst vor den Optionen selbst: FOBO bezeichnet die Angst oder Unfähigkeit, eine Entscheidung zu treffen, weil dabei die Gefahr besteht, nicht die beste Option auszuwählen bzw. bessere Optionen zu verwerfen. Die sprichwörtliche "Qual der Wahl" stellt für FOBO-Geplagte somit ein unüberwindbares Hindernis dar.

Geprägt hat die Bezeichnung derselbe Mensch, dem wir bereits den Begriff FOMO verdanken, der Geschäftsmann und Autor Patrick McGinnis. 

Äußere Gründe für FOBO

1. Überschuss an Möglichkeiten

Ein wesentlicher Aspekt, der die Entstehung von FOBO begünstigt, ist unzweifelhaft die Tatsache, dass wir in einer Überschussgesellschaft leben, in der wir die Freiheit und den Luxus haben, zwischen vielen unterschiedlichen Möglichkeiten zu wählen. 

2. Das Leben der Millionen Anderen

Ein weiterer Treiber von FOBO ist – genau wie bei FOMO – das Internet, insbesondere die sozialen Medien. Denn dadurch, dass wir mit ein paar Klicks und Scrolls zu sehen bekommen, was Millionen von Menschen so treiben und was alles möglich ist, wissen wir natürlich um viel mehr Optionen, als wir es ohne Internet täten. 

Innere Gründe für FOBO

Nun empfinden allerdings nicht alle Menschen FOBO bzw. wir empfinden sie zum Teil sehr unterschiedlich stark, das heißt, die Ursachen der Entscheidungsangst können nicht nur im Außen liegen, sondern müssen auch individuell und psychologisch bedingt sein.

1. Unzulängliches Selbstbewusstsein

Bei vielen FOBO-Geplagten spielt sicherlich das Selbstbewusstsein eine große Rolle, genauer gesagt dessen Unzulänglichkeit. Ein Mensch, der sich nicht darüber im Klaren ist, wer er ist, was er will, was er kann, was ihn glücklich macht usw., kann nur schwer beurteilen, welche Option für ihn die beste ist. Zudem wird er sich häufiger Orientierung suchen, indem er sich mit anderen vergleicht, wobei er im Zweifel allerdings nur noch zerrissener und ratloser wird.

2. Misstrauen gegenüber dem eigenen Gefühl

Gerade bei komplexen Entscheidungen kommen wir mit unserem Verstand nicht wirklich weit und müssen uns auf unsere Intuition verlassen (mehr dazu erfährst du in unserem Artikel: Hirnforscher verrät, wie du kluge Entscheidungen triffst). Wer sehr vernunftfixiert ist und den eigenen Emotionen eher kritisch gegenübersteht, wird sich damit tendenziell schwertun und deutlich anfälliger für FOBO sein als gefühlsbetonte Menschen. 

3. Maximierungswahn

Nicht nur höher, schneller, weiter, sondern gleich am höchsten, am schnellsten, am weitesten – Leute mit einem hohen Anspruchsdenken, Ehrgeiz sowie Optimierungs- und Maximierungsdrang sind typischerweise prädestiniert FOBO zu entwickeln.

Folgen von FOBO

Eine übermäßige Angst vor Entscheidungen kann unser Leben stark beeinträchtigen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass es an uns vorbeizieht – ohne uns mitzunehmen. Denn wie eingangs erwähnt, kommen wir im Alltag ständig in Situationen, in denen wir entscheiden müssen.

FOBO veranlasst Betroffene generell dazu, vor einer Entscheidung lange zu grübeln, zu zögern und abzuwägen, welche Option sie wählen sollen. An wegweisenden Kreuzungen spricht natürlich nichts dagegen, sorgfältig zu überlegen. Doch unter dem Einfluss von FOBO kann daraus leicht eine Gewohnheit werden, also ein Verhaltensmuster, das wir irgendwann auch bei kleinen Entscheidungen anwenden, bei denen es unverhältnismäßig und Energieverschwendung ist. 

Außerdem hat FOBO meist zur Folge, dass Betroffene vor lauter Unsicher- und Hin- und Hergerissenheit Entscheidungen einfach aussitzen oder anderen überlassen. Damit vergeben sie nicht nur die Chance auf die beste Option (wer "nichts" wählt, wählt nämlich garantiert nicht das Beste), sondern lassen sich auch jede Menge wertvoller Erfahrungen entgehen, aus denen sie lernen und an denen sie wachsen könnten – und die ihnen Sicherheit und Souveränität für künftige Entscheidungen geben könnten.

Was du gegen FOBO tun kannst

Um FOBO abzubauen, ist es wichtig, erst einmal zu begreifen, dass wir keine falschen Entscheidungen treffen können. Wir handeln und wählen zu jedem Zeitpunkt im Rahmen unserer Möglichkeit (Gefühlslage, körperliche Verfassung, Erfahrungsschatz, Informationsstand ...) so, wie es uns am besten erscheint – das ist sicher objektiv betrachtet selten ideal, aber immer gut.

Jede unserer Entscheidungen hat Konsequenzen, mit denen wir leben und uns dann arrangieren, die also in gewisser Weise unseren künftigen Lebensinhalt bestimmen. Träfen wir keine Entscheidungen, würde unser Leben ausdünnen und leer, ließen wir wiederum andere für uns entscheiden, lebten wir fremdbestimmt. Im schlimmsten Fall lernen wir aus einer Entscheidung, dass wir beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation eine andere Option wählen. 

Folgende Schritte können dabei helfen FOBO abzubauen.

1. Lernen, mit "genug" zufrieden zu sein

Wenn etwas für uns genug ist, warum sollten wir dann noch nach etwas Besserem suchen? Statt auf das zu schauen, was uns fehlt, sollten wir unseren Blick bewusster auf die Dinge richten, die wir haben.

2. Selbstbewusstsein aufbauen

Ein stabiles, ausgeprägtes Selbstbewusstsein hilft dabei, der eigenen inneren Stimme zu vertrauen und weniger nach links und rechts zu den anderen zu sehen.

3. Social Media Konsum begrenzen

Fünf Minuten Instagram am Tag reichen, um sich auf Stand zu bringen. Je mehr Zeit wir damit verbringen, uns berieseln zu lassen, umso zerrissener, überforderter und von unserem eigenen Weg abgelenkter werden wir in der Regel.

Weitere Hilfe und Hintergründe zum Thema FOBO findest du in unseren Artikeln darüber, wie du dein Selbstbewusstsein stärken, deine Gefühle verstehen, Gewohnheiten ändern und Ängste überwinden kannst.


Mehr zum Thema