Ich bin eine Frau und Fußball-Fan! Hast du ein Problem damit!?

Anscheinend ist es auch im Jahr 2018 noch nicht selbstverständlich, dass Frauen sich für Fußball interessieren. Redakteurin Anna kann’s nicht fassen. 

„Hallo, ich bin Anna“ 

„Hi Anna, was machst du so?“ 

„Ich spiel’ Gitarre ... und schaue gerne Fußball.“

 „Fußball – echt??? Bist du so richtig Fan?“

 „Ja, Dortmund ...“ 

„Also du guckst richtig die Spiele und so?“ 

„Ja, wieso?“

 „Nee, nur so.“ 

„Ich hab auch mal Fußball gespielt.“ 

„Nicht dein Ernst!“

"Doch."

 „Stimmt es, dass da alle lesbisch sind?“ 

Puh – so oder so ähnlich habe ich schon Dutzende Unterhaltungen geführt. Eine Frau, die sich so richtig (also nicht nur zur WM) für Fußball interessiert, scheint auch im Jahr 2018 noch exotisch zu sein. Ich frage mich da: warum? In einer Zeit, in der mehr als eine Million Frauen selbst Fußball spielen (übrigens beliebter als Handball, Reiten oder Schwimmen!), wäre es ja geradezu komisch, wenn sich nicht mindestens die Hälfte davon für den Profisport interessieren würde, oder? 

Mit dem Freund Fußball schauen? Nee, wieso?

Glaubt mir's oder nicht: Es gibt mehr Frauen im Stadion als die leicht bekleideten Damen im Landesfahnen-Bikinitop, die das Fernsehen quasi bei jeder WM in Großaufnahme zeigt. Mich zum Beispiel. Ich steh nicht im Bikini im Stadion, hab die Wangen nicht mit Fanfarbe bemalt und spiele auch keine Vuvuzela – aber ich verpasse kein Spiel meiner Lieblingsmannschaft, auch abseits der WM. Ich bin durch und durch BVB-Fan, habe die Kicker-App installiert und kenne immer die aktuelle Tabelle der Bundesliga.

Ob ich mit meinem Freund gucke? Nö! Der macht währenddessen irgendwas anderes. Lesen, Kochen, Wäsche ... Und wenn ich wollte, dass er mir Bier und Schnittchen bringt, dann würde er das sicher auch mal machen. „Da ist bei euch zu Hause ja verkehrte Welt“, sagen viele – und zugegeben, mir huscht das auch manchmal über die Lippen. Umso schlimmer, denn eigentlich sollte es keine richtige oder verkehrte Welt geben, wenn es darum geht, welches Geschlecht Fußball guckt und welches Kuchen backt, oder? 

Ich erinnere mich noch an ein Fest, das ich mit meinem Ex-Freund und seinen Kollegen besuchte. Da gab es eine Torwand - und ich: Nichts wie hin, Ball am Fuß, zack rein das Ding! Als die Kollegen meines Ex’ sahen, dass ich getroffen hatte, machten sie sich laut über ihn lustig: „Ey, das gibt’s nicht – deine Freundin kann besser Fußballspielen als du!!!“ Ähm ja, wow, wie ungewöhnlich. Eine Frau, die seit 10 Jahren in einem Fußballverein spielt, trifft an der Torwand häufiger als ein Mann, der allenfalls mal am Strand ein bisschen kickt. Logik? Fehlanzeige!

Dürfen Fußballerinnen nicht sexy sein?

Apropos unlogisch. Als ich früher mal mit meinen Fußball-Mädels bei einem Ball in Abendkleidern unterwegs waren, fragte uns ein Typ: Wo kommt ihr her? Was macht ihr? Als wir sagten, wir seien eine Fußballmannschaft, checkte er uns einmal von oben bis unten ab und meinte: „Ähm, ich glaube nicht ...“. Offensichtlich waren wir zu sexy für Fußballerinnen. Auch da fragt man sich: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Dürfen Fußball spielende Frauen keine Kleider tragen? Keine langen Haare haben? Nicht zierlich sein? Wenn’s nach dem Klischee geht, offensichtlich nicht.

Was in den USA übrigens ein Frauensport ist, ist in Deutschland wohl noch nicht ganz als Unisex akzeptiert. Schade, denn ich hab wirklich keine Lust darauf, nächste Woche wieder die gleiche mühselige Diskussion um mein vermeintlich exotisches Hobby zu führen. Ach so und um die Frage noch zu beantworten: Nein, in einer Frauenfußballmannschaft sind nicht alle Mädels lesbisch ... 

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