Gefühle verstehen: Was sie bedeuten und wie du emotional ausgeglichener wirst

Wenn wir unsere Gefühle verstehen, sind wir ausgeglichener und kommen besser durchs Leben. Warum das so und wie's geht, erfährst du hier.

Auch wenn es bei einigen manchmal vielleicht nicht so aussieht – alle Menschen haben Gefühle! Und zwar nicht nur gelegentlich, sondern ständig. 

Emotionen sind quasi unser natürliches, ganz persönliches Navigationssystem. Sie zeigen uns unter anderem,

  • was uns wichtig ist, (z.B. Trauer, Sehnsucht, Eifersucht)
  • was wir brauchen und wollen, (Glück, Freude, Bewunderung, Neid)
  • was uns weh tut, (Traurigkeit, Schmerz)
  • was wir meiden sollten (Angst, Ekel)
  • wo unsere Grenzen liegen (Wut, Angst, Trauer)

Heißt: Je besser wir unsere Gefühle verstehen, umso leichter finden wir unseren Weg

Gefühle verstehen: Welche Emotionen gibt es?

Eine laaaange Zeit haben Psychologen nur sechs Grundemotionen unterschieden, und zwar:

  • Wut
  • Traurigkeit 
  • Ekel 
  • Überraschung
  • Glück
  • Angst

Mittlerweile sind sich aber die meisten einig, dass dieses Modell der Komplexität unserer Gefühlswelt nicht annähernd gerecht wird und dass man eigentlich deutlich mehr Emotionen unterscheiden müsste.

In einer Studie der Universität Berkeley von 2017 identifizierten Wissenschaftler zum Beispiel immerhin schon 27 verschiedene Grundemotionen, darunter Empfindungen wie Interesse, Romantik, Bewunderung und Erleichterung.

Allerdings dürfte auch das nicht unbedingt die komplette und für alle Zeiten finale Liste menschlicher Emotionen sein – zumindest wird zu dieser Frage immer noch fleißig geforscht und zum Teil sehr emotional diskutiert. 

Gefühle verstehen: Wie funktioniert unser Psycho-Navi?

Alles, was wir bewusst erleben, löst Emotionen in uns aus oder beeinflusst sie zumindest, und zwar so:

  1. Wir nehmen etwas wahrzum Beispiel nehme ich wahr, dass mein Freund nicht auf meine Nachricht antwortet
  2. Wir bewerten unsere Wahrnehmung und ordnen sie ein – toll! Ich bin meinem Freund mal wieder nicht wichtig genug
  3. Aufgrund unserer Bewertung fühlen wir etwasich bin stinksauer!
  4. Unser Gefühl wirkt sich auf unser Handeln und unsere Entscheidungen aus ich konfrontiere meinen Freund und frage ihn, was ihn davon abgehalten hat, mir zu antworten

Im Grunde sind Gefühle somit eine Art psychosomatische Reaktionen auf unsere Wahrnehmung. Sowohl körperlich als auch in unserer Stimmung machen sie sich bemerkbar und lenken unsere Aufmerksamkeit auf Dinge, die für uns relevant sind. Außerdem helfen sie uns beim Lernen und bei unserer Entwicklung, denn emotional aufgeladene Erfahrungen behalten wir besser im Gedächtnis als andere. 

Wie können wir unsere Gefühle kontrollieren?

Was in dem oben beschriebenen 4-Schritte-Plan auffällt: Wir können unsere Gefühle selbst beeinflussen – und das sogar in einem nicht unwesentlichen Maße! Der Knackpunkt liegt dabei in Schritt 2.

Denn dass mir mein Freund nicht antwortet, könnte ich ja auch ganz anders bewerten. Zum Beispiel könnte ich denken "Oh je, der Ärmste hat so viel zu tun, dass er mir nicht mal kurz ein '😘' schicken kann." Dann würde ich eher Mitleid empfinden als Wut und lieb und behutsam mit ihm umgehen anstatt konfrontativ.

Zwar hängt unsere Einordnung von Erlebnissen immer stark von unserem Wissen und Erfahrungsschatz ab, doch wenn wir smart mit unseren Emotionen umgehen und unsere Gefühle verstehen wollen, sollten wir uns vor allem mit Punkt 2 beschäftigen – und nicht, wie es viele handhaben, erst bei Punkt 4 unser Verhalten manipulieren ...  

Warum ist Gefühle verstehen manchmal so schwer?

Im Idealfall lernen wir automatisch, wie wir unsere Gefühle verstehen und unserem individuellen Psycho-Navi folgen. Doch den Idealfall – gibt's bekanntlich nicht. In der Realität

  • "kennt ein Indianer keinen Schmerz",
  • sind Tränen peinlich,
  • muss Wut beherrscht werden
  • erregt Freude Neid und Missgunst.

Und deshalb unterdrücken wir unsere Gefühle oft.

Außerdem können wir uns nach Erlebnissen, die besonders starke Gefühle auslösen, selten die Zeit nehmen, sie in angemessener Weise zu verarbeiten. (Stichwort: Ach, dein Vater ist gerade überraschend verstorben? Dann erhol dich gut an deinen zwei Tagen Sonderurlaub und sei zum Meeting am Mittwoch bitte pünktlich und gut vorbereitet!)

Diese und andere Gründe führen dazu, dass wir manchmal im Gefühlschaos versinken, emotional überfordert sind und am liebsten gar nichts fühlen würden. Oder dass wir  sogar Störungen wie Beziehungsangst und krankhafte Eifersucht entwickeln (wie du Eifersucht bekämpfen kannst, erfährst du hier).  

Gefühle verstehen mit nur zwei Fragen

Wenn wir mal in so einer Situation stecken, in der wir emotional überfordert sind, sollten wir uns einen Moment Zeit nehmen und uns zwei Fragen stellen:

  1. Was fühle ich? Die Emotionen so konkret und detailliert wie möglich benennen und beschreiben – aufschreiben hilft!
  2. Was hat meine Gefühle ausgelöst? Das Erlebnis identifizieren, das den Anstoß für die Gefühle gegeben hat und die eigene, subjektive Bewertung dessen überprüfen und hinterfragen!

Dabei kann es helfen, zusätzlich Abstand von der Situation zu suchen, die uns in das Gefühlschaos gestürzt hat. Denn aus der Distanz oder einer veränderten Perspektive sehen wir die Dinge immer etwas anders, was wiederum unsere Bewertung beeinflusst und damit auch unsere Gefühle.

Ansonsten ist es bei emotionaler Überforderung natürlich sinnvoll mit anderen darüber zu sprechen – ob mit Freunden, Familie oder Profis – denn auch dadurch bekommen wir eine andere Sichtweise auf unsere Lage aufgezeigt.

Doch egal, ob wir sie hassen oder lieben und wie wir im Einzelnen mit ihnen umgehen: Ignorieren sollten wir unsere Gefühle nie! Denn sonst kommen wir früher oder später mit Sicherheit von unserem Weg ab.

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