Enthüllt! So viele Geheimnisse hütet jeder Mensch im Alltag 🤐

Na, wie viele Geheimnisse hast du? Weißt du gar nicht? Dann könnte es sein, dass es ein paar zu viele sind ...

Die WhatsApp vom Ex, ein Tattoo an der Hüfte, das peinliche Sonntagsritual – wir alle schleppen ständig irgendwelche Geheimnisse mit uns rum, ganz selbstverständlich. Aber warum eigentlich? Und was machen unsere Geheimnisse mit uns? Solche Fragen erforscht der New Yorker Psychologe Michael Slepian. Seit Jahren befragt er Menschen zu ihren Geheimnissen. Und was er in all der Zeit so unterm Teppich hervorgekehrt hat ... 😳

Geheimnisse belasten

Natürlich bietet es Vorteile, Geheimnisse zu haben, zumindest subjektiv. Sonst würden wir es ja nicht tun. So wollen wir oft uns oder andere Menschen schützen, indem wir etwas verbergen, zum Beispiel vor verletzten Gefühlen, Stigmatisierung oder Konsequenzen wie Strafe und Streit.

Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn Geheimnisse können uns ganz schön runterziehen, so Slepian. In einer anonymen Befragung von 1500 Personen fand er zum Beispiel heraus, dass jene, die ein schwerwiegendes Geheimnis hüteten (Partner betrogen), sich sogar im Alltag selbst dafür bestraften und Schmerzen zufügten. "Ehrliche" Fremdgänger taten das nicht, obwohl sie sich genauso schuldig fühlten.

Auch andere Studien legen nahe, dass Geheimnisse langfristig Depressionen und Ängste auslösen können. Das Gefühl, nicht offen und authentisch sein zu können, macht uns unzufrieden. 

Und sogar die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit können von Geheimniskrämerei eingeschränkt werden: In einem Versuch der Uni Berkely wurden Menschen zu ihren Dating-Gewohnheiten befragt, wobei sie ihre Sexualität verschweigen sollten. Anschließend mussten sie eine Denkaufgabe lösen und einen Gegenstand mit der Hand zusammenpressen. 

Das Ergebnis: Ihre Leistungen beim Denken waren 17 Prozent schlechter als die der Kontrollgruppe, ihre Press-Fähigkeit sogar um 30 Prozent. Die Begründung der Forscher: Geheimnisse wahren erfordert Aufmerksamkeit und schluckt Kapazität.

Jeder Mensch hat 13 Geheimnisse

Die negativen Folgen von Geheimnissen scheinen aber nicht besonders bekannt (oder abschreckend) zu sein: Laut Slepian schleppen wir alle im Schnitt 13 Geheimnisse überall und jeden Tag mit uns herum. Allerdings ist die Geheimhaltungsstufe nicht bei allen 13 gleich: Etwa fünf Geheimnisse seien so top secret, dass wir sie ganz und gar für uns behalten, den Rest teilen wir zumindest mit einer Person unseres Vertrauens.

Das durchschnittliche Geheimnis hüten wir für einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren, bis wir entscheiden, dass es nicht mehr "wichtig" genug ist, den Aufwand der Geheimhaltung zu betreiben, und offen damit umgehen.

Das Gute an Geheimnissen

Doch bei aller Kritik: Das Geheimnis hat durchaus auch Fans. So wird beispielsweise der Soziologe Georg Simmel (1858-1918) oft zitiert, der einst schrieb: "Das Geheimnis ist eine der größten geistigen Errungenschaften der Menschheit." Kinder benutzen zum Beispiel Geheimnisse vor ihren Eltern, um sich von ihnen abzugrenzen und emotional unabhängiger zu werden. Das kann durchaus gesund sein, sofern sie sich etwa Gleichaltrigen anvertrauen und dabei lernen, Beziehungen außerhalb des Elternhauses zu knüpfen.

Genauso können wir als Erwachsene Geheimnisse dazu einsetzen, Beziehungen zu vertiefen, Vertrauen zu signalisieren oder sogar auf die Probe zu stellen. Und ein Gefühl von Selbstsicherheit und Unabhängigkeit kann es uns auch geben, etwas geheim zu halten, zumindest, wenn wir es nicht übertreiben und uns selbst dazu entschließen und es nicht aus gesellschaftlichem Druck oder Angst tun.

Wichtig ist, dass wir unsere Geheimnisse kontrollieren und nicht sie uns. Oft, so Slepian, genügt schon eine Person, der wir uns anvertrauen, und schon fühlen wir uns besser und können aufhören zu grübeln. Und wenn uns drüber Reden für den Anfang noch überfordert: Es kann auch schon entlasten, Geheimnisse erstmal bloß in ein Tagebuch zu schreiben. Nur kann uns das natürlich keinen guten Rat geben!

                       

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