Geschwister: So prägen sie unser Leben

Bruder, Schwester, Einzelkind – was die Forschung darüber weiß, wie (keine) Geschwister unser Leben prägen. Eine Auswahl wichtiger Studienergebnisse

Du durftest immer alles!

Wenn Erwachsene rückschauend das Erziehungsverhalten ihrer Eltern beurteilen, ergeben sich laut einer Leipziger Studie zwischen Geschwistern oft Unterschiede, vor allem, was die emotionale Wärme der Eltern betrifft. Erstgeborene nehmen eine strengere Erziehung wahr, jüngere Geschwister schildern ihre Eltern als liebevoller.

Zwei in eins

Eineiige Zwillinge, die getrennt voneinander aufwachsen, ähneln sich laut Forschungen aus den USA mehr, als wenn sie in der gleichen Familie groß werden. Einige Unterschiede entwickeln sich offensichtlich nur im direkten Kontakt, um sich von seinem Zwilling abzugrenzen und eine eigene Nische zu finden.

Späte Rebellen?

Historisch gesehen finden sich unter Erstgeborenen viele Mächtige wie Robespierre, Mussolini oder Stalin, weil sie, so US-Psychologe Frank Sulloway, durch ihren Vorsprung an Zuwendung mehr Selbstsicherheit entwickelten. Spätgeborene würden dagegen eher rebellisch und kreativ wie Darwin oder Marx. Allerdings sind Biografen heute weniger statisch, sodass aufgrund der Geschwisterfolge keine Persönlichkeitsunterschiede mehr bestehen.

Im Alter vereint

Statistisch gesehen haben Geschwister im mittleren Erwachsenenalter am wenigsten Kontakt, nähern sich später aber oft wieder einander an. Forscher sprechen von einem U-förmigen Beziehungsverlauf. Neun von zehn Menschen haben als Erwachsene Kontakt zu Bruder oder Schwester, zehn Prozent vermeiden diesen.

Allein und gemein?

Ein Viertel der Kinder wächst in Deutschland als Einzelkind auf, ein seit Jahrzehnten relativ konstanter Wert. Typische Vorurteile, wie etwa Egoismus, sind durch Studien nicht belegt. Im Gegenteil: Einzelkinder sind sozial aktiver als Geschwisterkinder, schneiden in IQ-Tests besser ab und können sich sprachlich besser ausdrücken. Diese Unterschiede sind aber recht klein.

Erster, ätsch!

Studien aus den USA sprechen von durchschnittlich 3000 Stunden qualitativ hochwertiger Zeit, die Eltern zwischen dem 4. und 13. Lebensjahr mehr mit ihrem erstgeborenen Kind als mit jedem später geborenen verbringen. Gegenüber dem oder der jeweils Älteren sinkt außerdem die Wahrscheinlichkeit, geimpft zu sein, für jedes neue Kind um 20 bis 30 Prozent. Dafür dürfen jüngere Geschwister länger mit ihren Eltern fernsehen.

Nicht ohne dich

Bereits im Alter von einem Jahr verbringt ein Kind etwa genauso viel Zeit mit Geschwistern wie mit der Mutter. Zwischen drei und fünf nimmt der Umgang der Kinder untereinander dann oft doppelt so viel Raum ein wie der mit den Eltern.

Streithammel

Bis etwa ins Schulalter zanken sich Geschwister 3,5-mal pro Stunde. Jede gemeinsam verbrachte Stunde beinhaltet statistisch gesehen zehn Minuten Zoff. Entspannter wird das Verhältnis erst bei mehr als fünf Jahren Altersabstand.

Geliebte Schwester

Laut einer britischen Studie sind Menschen, die mit mindestens einer Schwester aufgewachsen sind, als junge Erwachsene glücklicher und krisenfester. Vermutlich weil in ihren Familien mehr Gefühle gezeigt und über Probleme gesprochen wurde. Brüder wirken sich dagegen negativ aus.

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BRIGITTE 2/2019
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