Wir sind so zufrieden wie noch nie – aber warum merken wir das nicht?

Der Glücksatlas 2019 der Deutschen Post zeigt es uns schwarz auf weiß: Die Deutschen sind so zufrieden wie noch nie mit ihrem Leben. Fragt sich nur: Warum merken wir davon im Alltag so wenig?

Hitzige Meinungsdebatten um Migranten, eine bei der Klimafrage gespaltene Gesellschaft, eine Regierung, die gefühlt nur noch um sich selber kreist und nichts auf die Reihe kriegt – diese und ähnliche Themen beherrschen unseren Alltag. Doch die gute Nachricht ist: Wir sind so zufrieden wie noch nie in unserem Leben. Stellt sich nur die Frage, warum wir trotzdem so viel nörgeln und jammern …

Das steht im Glücksatlas 2019

Der "Glücksatlas" wird Jahr für Jahr von der Deutschen Post in Auftrag gegeben und veröffentlicht. Ergebnis im Jahr 2019: Die Zufriedenheit liegt auf einer Skala von 0 bis 10 deutschlandweit auf 7,14 und damit so hoch wie nie. Am zufriedensten sind die Menschen in Schleswig-Holstein, am unzufriedensten in Brandenburg.

"Zum Spitzenwert in der Zufriedenheit tragen die anhaltend gute Beschäftigungslage und die positive Entwicklung der Haushaltseinkommen bei sowie eine solide Robustheit der Bevölkerung gegenüber medialen Schlechtwettermeldungen", sagt Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Universität Freiburg. Meint: Immer mehr Menschen haben einen Job, wir haben immer mehr Geld und wir wissen immer besser mit schlechten Nachrichten umzugehen.

Lifehacks, die glücklich machen

Merken wir unsere eigene Zufriedenheit nicht?

Hand aufs Herz: Hätten wir dich gefragt, wie du die allgemeine Zufriedenheit einschätzt – hättest du dann gesagt, dass wir bestimmt so zufrieden wie noch nie sind? Wahrscheinlich nicht, oder? Schließlich gibt es da so Sätze wie "früher war alles besser", außerdem leben wir doch in schlichtweg turbulenten Zeiten (und von Donald Trump oder der Syrienkrise wollen wir gar nicht erst anfangen).

Doch zur Wahrheit gehört auch: "Eigentlich" geht es uns immer besser! Die Wirtschaft brummt, die allermeisten Menschen haben Arbeit – und Krieg kennen wir nur noch aus dem Geschichtsunterricht und aus Auslandsberichten. Warum also sind wir "gefühlt" nie wirklich zufrieden, warum fehlt uns immer noch etwas zum perfekten Glück?

Was unseren Blick trübt

Sehen wir es so: Wenn wir uns über Führungskrisen in Regierungsparteien, gefeuerte Fußballtrainer oder unbedachte Äußerungen von Prominenten tagelang die Köpfe heißreden können, haben wir anscheinend wenig "echte" Probleme. Dazu kommt dann noch der Retro-Fehler, der uns die Vergangenheit immer rosarot sehen lässt.

Auch die Bing-Theorie sorgt dafür, dass wir uns immer nur auf das Schlechte fokussieren und uns selber erschweren, glücklich zu sein. Und so kämpfen wir ständig für unser Glück, streben stets nach dem nächsten Ziel und begehen dabei den Ankunfts-Fehler, der uns wieder nicht glücklich werden lässt.

Lasst uns unser Glück annehmen!

Die Lösung: Wir müssen uns dazu erziehen, uns bewusst zu machen, wie gut es uns wirklich geht. Wir haben mehr als genug Gründe, mit unserem Leben zufrieden zu sein – wir müssen nur hinschauen. Und ja: Diese Lösung ist einfach, aber nicht leicht! Schließlich haben wir uns so sehr daran gewöhnt, den Blick auf das zu richten, was noch nicht perfekt ist.

Lasst uns also den Glücksatlas zum Anlass nehmen, uns darauf zu besinnen, wie gut es uns geht und wie zufrieden wir sein können. Natürlich gibt es Ausnahmen, selbstverständlich gibt es auch Menschen, denen es nicht gut geht – aber wenn es einen Grund gibt, zufrieden und glücklich zu sein, dann lasst es uns auch endlich auskosten! Denn wenn wir es nicht genießen, ist letztlich jedes Glück wertlos …

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