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Psychologie "Hate-Follow"-Phänomen: Warum wir Leute stalken, die wir hassen

Hate-Follow-Phänomen: Frau am PC
© Shutterstock/Jacob Lund
Hand aufs Herz: Wann hast du das letzte Mal deine:n verhasste:n Ex-Freund:in auf Facebook gestalkt? Das steckt hinter der verbreiteten Angewohnheit "Hate-Follow".

Ihr kennt sicher auch dieses Phänomen, dass man ständig beobachten muss, was die Menschen, die man nicht mag, so tun. Da wären zum Beispiel der:die Ex-Freund:in, der:die dich betrogen hat und jetzt fleißig Party-Bilder auf Facebook teilt, die Rivalin aus der Schulzeit, die erst letzte Woche geheiratet hat  oder der arrogante Promi, der ein Poser-Bild nach dem nächsten teilt.

Tja, aber warum nur sind wir so fasziniert von den Menschen, die wir nicht mögen? Warum beschäftigen wir uns nicht lieber nur mit jenen, die uns am Herzen liegen?

Hinter dem "Hate-Following", wie es genannt wird, steckt eigentlich ein ganz simpler psychologischer Mechanismus. Wir erhoffen uns, bei "Feind:innen" negative Inhalte zu finden: peinliche Schnappschüsse, Posts mit Rechtschreibfehlern, eine hässliche, neue Frisur oder ein paar böse Kommentare unter einem geteilten Link. Warum das Ganze? Damit wir uns besser fühlen! Letztlich tut es doch gut, sagen zu können: Na, ein Glück, dass es MIR nicht so geht, ICH es besser mache, MIR so etwas nie passieren würde ...

Müssen wir uns deshalb schlecht fühlen?

Nein, denn das Vergleichen liegt nun mal in der Natur des Menschen. Interessant: Forscher der Ohio State University haben herausgefunden, dass Menschen, denen es schlecht geht, eher zu Hate-Follower:innen werden als jene, die gerade glücklich sind. Sie suchen in sozialen Netzwerken überwiegend nach Leuten, die sie weniger attraktiv finden oder denen es schlechter geht als ihnen selbst. Klingt fies, schmeichelt aber der Seele.

Letzlich schaden wir den verhassten Personen damit auch nicht – es sei denn, wir hinterlassen Troll-Kommentare auf ihren Profilen (das geht übrigens gar nicht!). Aber: Oft tut uns das Hate-Following selbst nicht gut – denn sehen wir unsere "Feind:innen" auf perfekten Urlaubsbildern das Leben genießen, fühlen wir uns gleich doppelt schlecht.

Unser Rat deshalb: Mal gemeinsam mit der Freundin den oder die Ex zu stalken, ist ja kein Problem. Doch wenn es einem wirklich schlecht geht, sollte man den Laptop lieber zuklappen, die Jacke anziehen und spazieren gehen, zum Sport fahren oder feiern gehen. Sich einfach etwas Gutes tun. Und wer weiß, vielleicht kommen am Ende dabei ein paar Bilder heraus, die man stolz auf Facebook teilen kann. Und die oder der Fremdgeh-Ex wird sich denken: Wie konnte ich DIESE Frau nur betrügen ...?

as Brigitte

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