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Ildikó von Kürthy Warum Frauen so viel lügen – wenn es um ihr Geld geht

Ildikó von Kürthy: Frauen und Geld
© Wallenrock / Shutterstock
Schade: Über Geld spricht man nicht, und wenn, dann sagen die meisten nicht die Wahrheit.
Ildikó von Kürthy

Beim Geld hört die Freundschaft auf – und fängt die Liebe an. Frauen lieben ihr Geld weniger als ihre Männer. Aber das ist nicht so romantisch, wie es klingt. Eine Studie der Uni Basel kam jüngst zu diesem erstaunlich traurigen Ergebnis: Eine auffällig hohe Zahl der befragten Frauen gab an, weniger als ihr Mann zu verdienen – obschon das nicht stimmte. Während die Männer dazu neigten, ihr Gehalt an den Tatsachen vorbei um zehn Prozent nach oben zu korrigieren, machten sich Frauen kurzerhand zur Schlechterverdienenden, wenn es darum ging, die wackelige Würde ihres Partners und das eigene überkommene, aber hartnäckige Rollenverständnis zu retten.

Gestörtes Gleichgewicht in der Beziehung 

In unseren Köpfen hausen sie wie Schaben in den Tiefen der Küchenschränke: die Vorstellungen vom Versorger, Ernährer und von Männlichkeit. Seit ich vor 20 Jahren meinen ersten Bestseller schrieb und somit für alle sichtbar zu den "Besserverdienerinnen" generell, aber auch zu den "Besserverdienerinnen als ihr Partner" gehöre, werde ich nicht müde, Anteil nehmende Fragen nach dem Befinden meines Mannes und dem vermutlich empfindlich gestörten Gleichgewicht in unserer Ehe zu beantworten.

Geld bedeutet Status und Macht. Geld ist männlich. Bedauerlich vorsintflutlich.

"Schuld an der Misere sind längst überholte, aber umso hartnäckigere Stereotype", sagt Henrike von Platen, Ökonomin und Autorin des Buches "Über Geld spricht man". "Die Klischees in unserer aller Köpfe sind extrem wirkmächtig. Nicht umsonst kennen wir zwar den ,Familienvater‘ und die ,Working Mom‘, nicht aber den ,Working Dad‘ oder die ‚Familienmutter‘."

Freiheit durch wirtschaftliche Unabhängigkeit

Zementiert wurde diese Schräglage in den Köpfen und im deutschen Wirtschaftsgefüge dadurch, dass es uns zu gut ging. Der Gender Pay Gap, also die Tatsache, dass Frauen in Deutschland für die gleiche Arbeit 21 Prozent weniger verdienen als Männer, ist im wahrsten Sinne des Wortes das "Luxus-Problem" eines Landes, in dem es viele Jahre finanziell gesehen nicht nötig war, dass beide Partner arbeiten.

"In Ländern, wo wenig verdient wird, gibt es auch kleine Gaps", sagt Henrike von Platen und rät dringend: "Seien Sie das Sandkorn im Getriebe. Reden Sie über Geld, fordern Sie Transparenz. Wenn Sie fair bezahlt werden wollen, müssen Sie auch fair bezahlen. Warum sind wir bereit, für eine Stunde Autoreparatur mehr zu bezahlen als für eine Stunde Pflege unserer Oma? Warum gibt es eine Zulage für schweres Heben von 50 Kilo Zement, aber nicht von 50 Kilo Mensch? Finden Sie heraus, wie gut oder wie schlecht Sie im Vergleich verdienen. Es geht nicht um unfaire Gleichheit, sondern um faire Ungleichbehandlung. Und darum zu erkennen, egal, ob als Mann oder Frau: Nichts im Leben schenkt Ihnen so viel Freiheit wie wirtschaftliche Unabhängigkeit."

Ach, und übrigens, danke an alle, die sich Sorgen machen: Meinem Mann geht es bestens. Er kommt heute später nach Hause. Muss arbeiten. Der Arme.

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