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Liebe Mary J. Blige, ... Promis schreiben Briefe an ihr 16-jähriges Ich – und teilen darin intime Details

Mary J Blige
© Theo Wargo / Getty Images
Was würdest du deinem 16-jährigen Selbst schreiben, wenn du ihm einen Brief in die Vergangenheit schicken könntest? Diese Frage stellte die Journalistin Jane Graham zahlreichen weltbekannten Prominenten – die mit sehr viel Herz und Offenheit antworteten.

Wenn wir mit 16 Jahren schon wüssten, was wir mit 30, 40 oder 50 wissen – wahrscheinlich würden wir einiges anders machen. Oder zumindest anders sehen. Hätten wir nicht zum Beispiel weniger Angst davor, mit schwierigen Herausforderungen oder Lebensphasen konfrontiert zu sein? Weil wir wüssten, irgendeine Lösung finden wir schon, wenn es darauf ankommt, und irgendwann geht es garantiert wieder bergauf? Würden wir nicht viel gelassener damit umgehen, wenn wir mit Lehrkräften, Mitschüler:innen oder Eltern aneinandergeraten? Weil wir wüssten, dass es für unser späteres Leben keine Rolle spielt, ob wir in der zehnten Klasse eine vier in Deutsch hatten, zu den Außenseiter:innen gehörten und nur bis elf auf eine Party durften? 

Vielleicht wäre unser Leben nicht ganz so aufregend und interessant gewesen, hätten wir mit 16 schon gewusst, was wir jetzt wissen. Aber vermutlich wäre es leichter gewesen. Oder gerade nicht ...?

Weltstars schreiben ihrem 16-jährigen Selbst

Die Journalistin Jane Graham hat im Rahmen ihrer Arbeit für das Magazin The Big Issue zahlreiche weltbekannte prominente Menschen interviewt und sie gefragt, was sie ihrem 16-jährigen Ich sagen würden, wenn sie mit ihm kommunizieren könnten. Einen Teil der Beiträge hat sie nun in einem Buch mit dem Titel Briefe an mein jüngeres Ich herausgegeben, das in der deutschen Fassung im Piper-Verlag erschienen ist.

Liebe Mary J. Blige, ...: Promis schreiben Briefe an ihr 16-jähriges Ich – und teilen darin intime Details
© Piper / PR

Von Campino über Jamie Oliver und Billy Jean King bis hin zu Paul McCartney und Roger Moore – in dem Buch geben namhafte Weltstars äußerst intime Einblicke in ihre Biografie, ihr Leben und ihre Psyche. Ob Mel C, die sich wünschte, sie hätte mehr im Hier und Jetzt gelebt, Jane Lynch, die sich sofort die Fluppe aus der Hand genommen hätte, oder Denny DeVito, der gerne früher gewusst hätte, dass Körpergröße nicht alles ist, in diesen Briefen zeigen sich die Autoren verletzlich, authentisch und nahbar. 

Im Folgenden lest ihr drei kurze Auszüge aus den Briefen von Mary J. Blige, Viggo Mortensen und Ozzy Osbourne, die wie die meisten der Beiträge wunderbar illustrieren: Ob Weltstar oder nicht, letztendlich sind wir alle nur Menschen mit ähnlichen Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen.

Mary J. Blige

"Das Erste, was ich zu meinem sechzehnjährigen Ich sagen würde, wäre: 'Hör auf, dich so kleinzumachen, du wirst später mal geliebt und bewundert werden. Ja, das kannst du jetzt kaum glauben, aber vertrau mir. Stelle dich nicht dümmer, als du bist, nur um es den anderen recht zu machen, denn du wirst es nie allen recht machen können. Hab einfach Vertrauen. Glaub an dich selbst.' 

Ich war die typische Teenagerin, habe nicht auf meine Mutter gehört und alles so gemacht, wie man es nicht machen sollte. Mit sechzehn habe ich eigentlich über gar nichts nachgedacht, außer übers Singen. Das war mein Traum, aber zum damaligen Zeitpunkt blieb es ein Traum. Ich war wirklich einfach nur damit beschäftigt, irgendwie klarzukommen."

Viggo Mortensen

"Wenn sich ein Mädchen für mich interessierte, sorgte das bei mir für Panik – ich war kein Party-Typ und ziemlich ungesellig, deshalb machte ich mir Sorgen, dass ich mich peinlich benehme. Ich trug gern die Oberteile meiner Schlafanzüge als T-Shirt, weil sie so bequem waren – die Leute hielten mich bestimmt für total seltsam. Eine Zeit lang lief ich sogar mit Schlapphut herum. Mit vierzehn oder fünfzehn hatte ich nämlich meine Hippiephase, trug langes Haar und einen großen Schlapphut mit einer Fasanenfeder. Mit den Jahren wurde ich dann etwas impulsiver. Jedes Mal, wenn ich eine Freundin hatte, dachte ich, es sei für immer.

Könnte ich meinem jüngeren Ich erzählen, worauf er sich freuen darf, so wären das: sich verlieben, einen Sohn haben und reisen. Gibt es irgendetwas, das ich als Jugendlicher besser hätte meiden sollen? Drogen, auch wenn es bei mir nicht ganz so wild war. Nein, streichen Sie das besser. Ich bin nicht total dagegen. Natürlich bereue ich manche Dinge, die ich getan oder nicht getan habe, auch als Erwachsener, aber das geht wohl jedem so. Mit der Zeit habe ich gelernt, mehr im Hier und Jetzt zu leben, dazuzulernen und nach vorn zu schauen. Sonst wird man verrückt."

Ozzy Osbourne

"Ich möchte niemandem irgendetwas raten, schon gar nicht meinem jüngeren Ich. Wenn du mich bitten würdest, dir bei irgendwas weiterzuhelfen, von dem ich tatsächlich Ahnung habe – und da gibt es, ehrlich gesagt, nicht so vieles –, dann würde ich vielleicht etwas vorschlagen. Allerdings würde ich dazusagen: 'Wenn du das ausprobieren willst, dann los, aber denk dran: Auf jede Aktion folgt eine Reaktion.' [...] 

Ob ich mich für irgendetwas schäme? Jeden Tag. Als ich mich das letzte Mal abgefüllt hatte, kam ich ohne Ferrari zurück. Was für ein Glück, dass Sharon da ist und mir ordentlich die Leviten liest, auch wenn ich es früher manchmal gehasst habe. Dann dachte ich: 'Warum macht sie mich so fertig? Mir geht’s doch wieder gut.' Es gab aber auch Zeiten, da ging’s mir gar nicht gut, da habe ich alle drangsaliert. Total irre war ich da.

Wenn ich irgendeinen Tag in meinem Leben noch mal erleben dürfte, wäre das der Tag, an dem Sharon und ich heirateten. Ich war den ganzen Tag lang hackedicht und habe es nicht bis ins Schlafzimmer geschafft. Am Ende hat man mich mit dem Gesicht nach unten im Hotelflur aufgefunden, komplett ohnmächtig. Zu dem Tag würde ich gerne zurück und ihn damit beenden, dass ich mit meiner Frau ins Bett gehe."

Verwendete Quelle: Jane Graham, Briefe an mein jüngeres Ich. Außergewöhnliche Menschen über das, was im Leben wirklich zählt, Piper, 22 Euro

sus Brigitte

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