Warum sind uns Komplimente peinlich?

Wir tun viel dafür, um Komplimente zu bekommen. Aber warum sind sie uns dann oft unangenehm? Und wie reagieren wir gekonnt darauf?

Wir tun einiges dafür, um Komplimente einzusammeln: Morgens vor dem Kleiderschrank wählen wir sorgfältig unseren Look aus, geben uns später besonders große Mühe beim Verfassen der Präsentation und versuchen, die Runde beim Abendessen ordentlich zum Lachen zu bringen. Vorm Schlafengehen tragen wir eine sündhaft teure Anti-Aging-Creme auf, damit wir hoffentlich lange jung aussehen. Und für all die Mühen wollen wir bitteschön auch ein klein wenig Anerkennung bekommen.

Nur warum sind wir dann eigentlich oft so peinlich berührt, wenn wir das ersehnte Kompliment bekommen? Fünf Gründe für die Betretenheit, die ein Lob bei uns auslösen kann:


1) Eigenlob stinkt (... ach ja, Fremdlob auch)

Von klein auf wird uns beigebracht, dass Angeben sich nicht gehört. Manchmal entwickelt sich aus dieser Lektion eine Abneigung gegen alles, was als Überhöhung der eigenen Person wahrgenommen werden könnte. Wenn man dann durch das Lob oder Kompliment eines anderen Menschen „überhöht“ wird, hat man nur die Wahl zwischen Pest und Cholera: Entweder man akzeptiert das Kompliment und bricht mit der Norm, immer schön bescheiden zu sein; oder man weist das Kompliment zurück und negiert damit die Aussage des anderen. Beide Varianten sind für viele Menschen unangenehm. "Eigenlob stinkt!", haben wir gelernt. Und damit leider ebenfalls: "Fremdlob auch!"


2) Du hältst das Kompliment für unaufrichtig

Besonders heikel wird es, wenn man einem Kompliment nicht traut. Das erklärt auch, warum Menschen mit wenig Selbstvertrauen durch ein Lob besonders unangenehm berührt werden: Sie glauben nicht, dass es zutreffend ist. Manche fürchten, dass sie veräppelt werden oder dass das Kompliment nur Mittel zum Zweck ist – und der andere damit ein eigennütziges Ziel verfolgt.

3) Das Kompliment setzt dich unter Druck

Komplimente können Menschen unter Druck setzen, wenn sie das Gefühl bekommen, dass sie ihm auch in Zukunft gerecht werden müssen. Sagt jemand zu dir: „Du bist so eine starke Persönlichkeit!“, kann es passieren, dass du das Gefühl bekommst, diesem Kompliment entsprechen zu müssen, um den anderen nicht zu enttäuschen – auch dann, wenn du dich schwach fühlst.

4) Der andere kommt dir zu nah

Ein Kompliment drückt Intimität aus. Denn es impliziert, dass der, der es ausspricht, dich gut genug kennt, um dein Handeln oder Aussehen zu kommentieren - und dass das Lob eine Bedeutung für dich haben könnte. Zusätzlich unangenehm kann in diesem Fall auch das Gefühl sein, kein Kompliment zurückgeben zu wollen.


5) Du fühlst dich bewertet

Manche Menschen mögen es nicht, beurteilt zu werden – weil sie fürchten, dass der positiven Bewertung eines weniger schönen Tages eine negative folgen könnte.


Kompliment bekommen? Das solltest du nicht tun

Manche Menschen neigen dazu, ein Kompliment wie eine heiße Kartoffel zu behandeln - und es umgehend zurückzugeben, um die Aufmerksamkeit von sich abzulenken.

Doch das sollte man sich dringend abgewöhnen, rät James O. Pawelski von der University of Pennsylvania laut der Website "The Cut". Denn erstens bringst du dich um die Freude, die ein Kompliment trotz aller Peinlichkeit mit sich bringt. Und zweitens verstärkst du damit die Betretenheit, denn nun ist dein Gegenüber ebenfalls peinlich berührt.

Und das solltest du tun

Stattdessen empfiehlt Pawelski folgende Strategie: Kompliment “akzeptieren, verstärken, daran wachsen.” Heißt: Akzeptiere das Kompliment, indem du dich dafür bedankst; verstärke es, indem du es bewusst in dich aufnimmst und es auskostest; und dann gehe weiter, indem du Fragen stellst. Etwa: "Was fandest du denn so gut an meinem Vortrag?"  Dann kannst du die neuen Erkenntnisse dafür nutzen, um deine Vorträge in Zukunft noch spannender zu gestalten.

Übrigens: Auch Komplimente für Männer kommen häufig zu kurz - wir zeigen dir, wie du das ändern kannst.

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Komplimente sind peinlich -warum eigentlich?
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