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Psychologie Laut Buddhismus: 5 mentale Verfassungen, die dir das Leben schwer machen

Psychologie: Eine Frau steht vor einem roten Schirm
© Kichigin / Shutterstock
Im Idealfall macht unsere Einstellung uns das Leben leichter – im ungünstigsten Fall schwerer. Wem diese mentalen Verfassungen bekannt vorkommen, könnte einmal überlegen, sich in bestimmten Momenten gezielt davon zu distanzieren.

Da passiert das Unwahrscheinlichste alles Unwahrscheinlichen – unsere Geburt – und dann das: Spätestens ein paar Monate nach Ende der Schulzeit müssen wir feststellen, dass das Leben gar kein Zuckerschlecken ist. Dass es uns ständig vor Herausforderungen stellt und frustriert. Spitze. Hätten wir auch eine andere Spermazelle vorlassen können. Doch immerhin liegt es an uns, wie wir mit diesen Herausforderungen und Frustmomenten des Lebens umgehen. Mit unserer Einstellung und Herangehensweise können wir sie entweder noch schlimmer und schwerer machen oder nicht. 

In der buddhistischen Philosophie gibt es ein Konzept, das beschreibt, welche Geisteshaltung hinderlich bei der Bewältigung dieser Life-Challenges ist: Die fünf Nivarana, also fünf Hemmnisse oder Hindernisse, erschweren uns demnach, angemessen und klug auf Schwierigkeiten zu reagieren. Bei diesen Nivarana handelt es sich um mentale Gewohnheiten beziehungsweise Verfassungen, die unseren Blick trüben und unsere Fähigkeit mindern, eine Lage klar und deutlich zu erfassen. 

Die fünf Nivarana: Mentale Gewohnheiten, die dir das Leben schwer machen

1. Sinnliches Begehren

Nichts gegen Sinnlichkeit und Genuss. Das Leben zu genießen, macht uns schließlich stark und schenkt uns den Willen und die Motivation, auch die Schattenseiten zu akzeptieren und zu überstehen. Aber machen wir uns nichts vor: Ein Problem löst sich leider in den seltensten Fällen dadurch, dass wir uns ein Glas Wein einschenken. Und unter Umständen macht es unseren Liebeskummer auch nicht besser, wenn wir weiterhin mit unserem Ex schlafen. Sinnliche Bedürfnisse generell zu unterdrücken, ist sicherlich ungesund, und es zu raten, wäre bei heutigem Wissensstandard einfach nicht zeitgemäß. Was aber durchaus stimmt: In der Regel hilft es nicht, sich mit sinnlicher Freude von einem Problem abzulenken, denn dadurch verschwindet es oft nicht. Im schlimmsten Fall wird es durch das Aufschieben am Ende noch größer.

2. Übelwollen, Ablehnung, Frust

Frust entsteht üblicherweise, wenn etwas nicht so ist oder passiert, wie wir es uns wünschen würden oder wie wir es für richtig halten. Doch sofern wir an der Situation nichts ändern können, hilft er uns abgesehen davon, dass er uns zeigt, dass etwas nicht nach unserer Nase läuft, nicht wirklich weiter. Je mehr wir uns unserem Frust und Ärger hingeben, umso größer und schlimmer wird zumeist der Gegenstand, über den wir uns ärgern. Atmen wir dagegen tief durch und schauen, was wir in dieser Situation tatsächlich tun können, stellen wir oft fest, dass die Lage doch gar nicht sooo dramatisch ist. Wobei: Ab und zu tut es schon auch mal gut, sich einfach richtig schön aufzuregen und seiner Wut Luft zu machen. Wer das Gefühl hat, dass Frust kurz und schmerzlos auszuleben befreit, macht sicher nichts verkehrt damit, den Ärger zuzulassen.

3. Stumpfheit, Apathie, Resignation

Diese verflixte Verlockung, sich einzureden, dass ja doch alles egal ist. Resignation und Empfindungslosigkeit lassen Probleme in der Regel weniger dramatisch erscheinen, doch natürlich verschwinden Probleme davon ebenso wenig wie von Dramatisieren. Und: Das Unwahrscheinlichste alles Unwahrscheinlichen (unsere Geburt) kann doch nicht passiert sein, damit uns alles egal ist. Oder?

4. Aufgeregtheit, Sorgen, Panik

Kurzfristige Aufregung und kurzzeitiger Stress haben durchaus Sinn und helfen uns in bestimmten Situationen, gut zu reagieren. Sie lassen uns besser fokussieren und steigern bedingt unsere Leistungsfähigkeit. Doch Aufregung verengt eben auch unseren Blick und langfristig macht sie müde und krank. Daher empfiehlt sich, wenn wir es eher mit einem Problembewältigungsdauerlauf zu tun haben als mit einem Sprint: Calm down and carry on.

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5. Skepsis, Zweifel, Selbstzweifel

Schaffe ich das? Tatsächlich keine Frage. Irgendwie schaffen wir alles. Und wenn nicht erfolgreich, dann eben erfolglos, aber um eine Erfahrung reicher. Solange wir leben, können wir uns nur wie in einer Sackgasse fühlen, allerdings niemals wirklich in einer sein. Als Menschen sind wir zäh, anpassungsfähig und kommen mit allem irgendwie klar, nicht immer wahnsinnig elegant und oft auch nicht schmerzlos, doch das muss uns nicht daran hindern, uneingeschränkt an uns zu glauben.  

Wie gehen wir mit diesen Nivarana um?

Für die meisten Menschen ist es ganz natürlich, zu einer oder mehreren dieser Nivarana zu neigen, wenn das Leben schwer wird. Das ist nämlich noch so ein Ärgernis an diesem wunderbaren und unwahrscheinlichen Geschenk, das wir mit unserer Existenz bekommen: Wir werden unvollkommen und mit lauter Schwächen und Widersprüchlichkeiten geboren. Ist aber halb so wild, solange wir darüber Bescheid wissen und eine Idee haben, wie wir damit umgehen können. Was die fünf Hemmnisse angeht, ist Erkennen im Grunde schon die halbe Miete. Wenn wir sehen, was wir tun, und erkennen, dass es uns in diesem Moment nicht weiterhilft, reduziert sich unser Frust oder unser Begehren oft bereits von selbst. Geschieht das nicht, kann es helfen, um davon abzulassen, das Nivarana als kurzfristigen Besucher zu betrachten, der spätestens nach einer guten Portion Schlaf gegangen sein wird, ohne sich verabschiedet zu haben. Und die dritte Maßnahme, die gegen ein hinderliches Nivarana und sowieso nie verkehrt ist: Verständnis und Selbstmitgefühl. Wir dürfen uns schwer damit tun, die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Denn meistens sind sie das nun mal.

Verwendete Quellen: palikanon.com, psychologytoday.com

sus Brigitte

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