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Paartherapeut verrät Braucht eine Partnerschaft Liebesbeweise? Und wenn ja: Welche?

Liebesbeweise: Mann schenkt seiner Frau rote Rosen
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Braucht eine Partnerschaft Liebesbeweise? Liebe ist die Antwort auf alle Fragen? Nicht ganz. Sie stellt auch ziemlich viele. Psychologe und Paartherapeut Oskar Holzberg beantwortet sie alle 

Ja. Doch Gefühle lassen sich nur bestärken, niemals beweisen.

Liebesbeweise sind wichtig. Sie sind nichts Außergewöhnliches. Denn eine Liebesbeziehung ist ja kein Ding wie ein Tisch, der einmal aufgestellt wird und dann unverändert stehen bleibt. Eine Liebesbeziehung ist ein Prozess, den wir am Leben halten. Sie ist ein ständiger Dialog der Gefühle.

Kleine Rituale als Liebesbeweis

Unbewusst überwachen wir unsere Liebesbeziehung wie den Patienten einer Intensivstation, dessen Zustand wir stabil halten wollen. Jede Veränderung wird wahrgenommen, auf alles reagieren wir. Um die Liebe lebendig zu halten, versichern wir einander stets unsere Zuneigung und Zugehörigkeit und halten all die kleinen Alltagsrituale aufrecht, die ja immer auch Liebesbeweise sind: den Abschiedskuss, die WhatsApp-Nachricht, den Tee, den wir einander morgens ans Bett bringen, sein oder ihr Lieblingsobst, das wir immer mit einkaufen, die Zärtlichkeiten während der Netflix-Serie, ja, das gemeinsame Schauen unserer Lieblingsserie selbst. In krisenfreien Zeiten laufen unsere gegenseitigen kleinen Liebesbeweise zumeist so unbemerkt ab, wie die Arbeiten hinter einer Theaterbühne, ohne die es keine Aufführung gibt.

Doch in Krisenzeiten reicht das nicht. Dann richten wir die Scheinwerfer auf die Bühne unserer Liebe und suchen sie nach Bestätigung ab. Sobald uns die Frage bedrängt, ob wir wirklich oder überhaupt noch geliebt werden, suchen wir bewusst nach Halt, nach Anhaltspunkten. Nach Liebesbeweisen. Nach Worten, die wir glauben können, nach Handlungen und Ereignissen, die uns zeigen, dass wir uns der Zuwendung, der Wertschätzung und Achtung unserer Partner*innen sicher sein können. Und angesichts der Unsicherheit versuchen auch wir, ihnen unsere Liebe zu beweisen. In der Hoffnung, sie zu berühren, damit ihre Gefühle für uns nicht erlöschen. So wie wir ein Feuer am Brennen halten wollen, indem wir in die Glut blasen. Wir geben uns Mühe und hoffen, dass unsere Liebesbeweise gesehen und geschätzt werden.

Ist ein Liebesbeweis erst dann einer, wenn er gleichzeitig auch eine Wiedergutmachung ist?

Ob aber etwas als Liebesbeweis gilt, entscheiden allein die, denen er entgegengebracht wird. Wir können unserem Lieblingsmenschen über die Wange streicheln oder ihm eine Reise auf die Malediven schenken, ihm einen Salat oder einen Heiratsantrag machen. Es kann wirklich all unsere Liebe drinstecken, aber ob etwas als Liebesbeweis anerkannt wird, liegt beim anderen.

Je ungewisser eine Beziehung geworden ist, umso strenger werden die Kriterien. Und wenn die Verunsicherung groß ist und unser Gegenüber sich ohnehin nicht für liebenswert hält, dann haben wir wenig Chancen. Selbst wenn wir ihre oder seine Wünsche erfüllen, ist das nur noch wenig wert. Was dann noch zählt, sind echte Opfer. "Ordeal" nennt man es im Englischen, wenn ein Mensch etwas auf sich nimmt, was ihm wirklich schwerfällt und wehtut, um damit "auszugleichen", womit er den oder die Partner:in verletzt hat: Liebesbeweise werden dann häufig nur noch anerkannt, wenn sie so ein Ordeal, eine Wiedergutmachung sind. Wenn ich spüren kann, dass ich dir wichtiger bin als dein persönliches Wohlbefinden. Eine Liebesbeziehung braucht immer die Bestätigung durch liebevolle Gesten und Handlungen. Nach Beweisen suchen wir immer nur dann, wenn die Liebe unter Verdacht steht.

Neu in den Partner verlieben: Oskar Holzberg
Oskar Holzberg, 67, berät seit über 20 Jahren in seiner Hamburger Praxis Paare und ist seit über 30 Jahren verheiratet. Sein aktuelles Buch heißt "Neue Schlüsselsätze der Liebe" (240 S., 11 Euro, DuMont).
© Ilona Habben
Brigitte

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