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Es liegt gar nicht am Geld Zwei Gründe, warum Superreiche glücklicher sind als du

Macht Geld glücklich? Eine reiche Frau in einem Café am Meer
© Arminateam / Shutterstock
Über die Frage, ob Geld glücklich macht, kann man laaaange streiten – oder es sich sparen. Denn psychologische Erkenntnisse legen nahe, dass der Kontostand im Hinblick auf unsere Zufriedenheit nur bedingt eine Rolle spielt.

Liebe können wir uns von Geld nicht kaufen – wissen wir durch die Beatles –, aber Glück? Das ist schon ein strittigeres Thema. Allein die Vorstellung, sich alles leisten zu können, was man will, in einer Eigentumswohnung in bester Lage in Hamburg, Wien oder einer anderen hippen Stadt zu leben, im Winter Business Class in die Ferienvilla nach Neuseeland vor der Kälte zu flüchten ... bei wem löst so eine Fantasie nicht den Gedanken aus, mit dem Lotto spielen anzufangen?

Tatsächlich legen psychologische Untersuchungen allerdings nahe, dass großer finanzieller Reichtum nicht unbedingt der Schlüssel zu echtem Glück ist und letztlich nicht der übertriebene Kontostand im Rücken das, was Millionär*innen – wenn sie es denn sind – zufriedener macht als Durchschnittsverdiener. Zugegeben: Wer am Existenzminimum lebt, ständig fürchten muss, dass etwas kaputt geht, weil er die Reparatur nicht bezahlen könnte, oder sich nicht einmal Lebensmittel leisten kann, für dessen Lebenszufriedenheit spielt Geld eine Rolle. Diese Person würde man mit einem höheren Einkommen glücklicher machen. Wer jedoch genug hat, um die eigene Lebenshaltung zu finanzieren und noch einen Puffer für Notfälle und Sonstiges, muss sich, so der Psychologe Dr. Mark Travers in "Psychologytoday", wahrscheinlich nicht fragen, "wie komme ich an mehr Geld, um glücklicher zu sein?", sondern "wie kann ich glücklicher sein?" 

Superreiche leben ähnlich wie wir ...

Denn Überraschung: Wie sich herausstellt, gestalten Superreiche (die selbst für ihr Geld arbeiten) Analysen zufolge ihr Leben im Prinzip ähnlich wie wir "Normalos". Sie verbringen in etwa genauso viel Zeit am Handy, mit ihrer Familie, mit Schlafen, Arbeiten und Entspannen. Ja, sie fliegen vielleicht Business Class und ja, sie können sich jede Kette, jeden Sneaker und jedes Auto kaufen, das sie wollen. Doch für das grundlegende Zufriedenheitsgefühl spielen solche kurzfristigen, materiellen Glücksbooster kaum eine Rolle.

Im Gegenteil: Ihre ständige Verfügbarkeit kann unter Umständen den subjektiven Wert vieler Dinge, die eigentlich Freude bereiten sollten, herabsetzen und das Gefühl eines Mangels hervorrufen. Anders formuliert: Wer alles haben kann, für den ist irgendwann womöglich nichts mehr besonders. Und dann verliert das Leben seinen Zauber.

... machen jedoch diese zwei Dinge anders

Aber zurück zu den Superreichen und ihrem Alltag: Auch wenn der unserem verblüffend ähneln mag, gibt es Beobachtungen zufolge zwei wichtige Unterschiede und die sind laut Travers dafür ausschlaggebend, dass Millionär*innen dann doch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht selten glücklichere Menschen sind als Otto-Normal-Verbraucher, und zwar:

  • Superreiche verbringen tendenziell mehr Zeit mit aktiven Freizeitbeschäftigungen (ehrenamtliche Tätigkeiten, Sport ...) als mit passiven (Fernsehen, nappen ...)
  • Superreiche arbeiten meist in Jobs mit einem hohen Grad an Autonomie, sind quasi ihr eigener Chef

Das war's. Das sind dem Psychologen zufolge die entscheidenden Glückstreiber, die sehr viele Superreiche uns voraus haben. Und im Prinzip ist das für uns Nicht-Superreiche (und in den meisten Fällen nicht einmal Reiche) eine gute Nachricht, denn an diesen beiden Schrauben können wir unabhängig und aus eigener Kraft viel leichter drehen, als an unserem Kontostand. Klar: Wir können uns nicht einfach von heute auf morgen zu unserem eigenen Chef erklären. Die meisten Menschen arbeiten schließlich für irgendwelche Arbeitgeber, Vorgesetzte, Auftraggeber oder Sonstiges. Doch innerhalb unserer Arbeit haben wir wahrscheinlich alle Aufgaben, für die wir die Verantwortung tragen und bei denen wir einen gewissen Gestaltungs- oder Ausführungsspielraum haben. Diesen zu erkennen, kann ein erster Schritt sein, ein Autonomiegefühl im Job zu entwickeln und uns zufriedener machen. Das wiederum stärkt vielleicht unser Selbstvertrauen und ermutigt uns, eigene Projekte zu verfolgen. Und wenn wir das dann erstmal tun, ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis wir selbst Business Class fliegen – und vielleicht feststellen, dass es wirklich nicht der hohe Kontostand ist, der uns glücklich macht ...

sus

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