Meine Freundin ist "reiche Tochter" – und nervt mich damit nur noch!

Kann ein Mensch, der sich alles selbst erarbeiten muss, mit jemandem befreundet sein, der sich alles leisten kann, ohne dafür irgendetwas zu tun? Unserer Autorin fällt es jedenfalls zunehmend schwer ...

Eigentlich sollte man eine gute Freundin ja nicht beneiden. Und vielleicht ist es auch gar kein richtiger Neid, den ich für Ina* empfinde. Ich rege mich nur in letzter Zeit immer öfter tierisch über sie auf. Und dass ich ihr ihren Reichtum von Herzen gönne, kann ich ehrlicherweise gar nicht sagen. Aber vielleicht ist Ina ja auch gar nicht meine "gute Freundin" ...?

Ina und ich kennen uns seit dem Studium und ich mochte sie von Anfang an. Sie ist (meistens) eine wahnsinnig gute Zuhörerin und hat überdurchschnittlich viel Verständnis für meine Schrullen und Eigenarten. Ich habe das Gefühl, dass ich ihr wirklich alles erzählen und anvertrauen kann. Nur über eine Sache habe ich noch nie ehrlich mit ihr gesprochen: Dass es mich manchmal völlig fertig macht, wie selbstverständlich sie sich (vom Geld ihres Vaters) alles leistet, was ich mir wünsche. Und wie sie es mir dann auch noch unter die Nase reibt.

Es begann mit einem MacBook Pro

Das erste Mal, dass mir Inas "reiche-Tochter-Status" unangenehm aufgefallen ist, war vor zwei Jahren. Ich hatte damals mit dem Gedanken gespielt, mein altes Notebook von 2009 durch ein neues auszutauschen. Wochenlang las ich Testberichte, verglich Preise, hielt die Augen nach Sonderangeboten offen und informierte mich über wichtige Digital-Messen, bei denen neue Produkte vorgestellt werden, durch die wiederum die Preise für ältere Laptops fallen könnten. Bis heute habe ich mir kein neues Notebook gekauft, weil ich mein Geld letztendlich doch lieber für andere Dinge ausgeben wollte (z. B. Urlaub!). Doch meine Freundin Ina? Die hat sich damals prompt, zwei Tage, nachdem ich ihr von meinem möglicherweise Notebook-Kauf erzählte, ein neues gekauft, ein MacBook Pro mit Touch-Bar. Von Papis Kohle. Dass mich das getroffen hat, habe ich ihr nie gesagt und eigentlich dachte ich, darüber hinweg zu sein. Doch vor einigen Wochen riss die Wunde wieder auf.

Inas Zweitfahrrad

Als ich sie nämlich das erste Mal in ihrer neuen Wohnung besuchte (natürlich mit ganz viel neuem Kram drin ...), zeigte mir Ina erstmal ihr niegelnagelneues Zweitfahrrad. "Warum hast du ein Zweitfahrrad?", fragte ich – vermutlich erkennbar erstaunt –, woraufhin sie antwortete: "Ich habe zu Weihnachten ein bisschen Geld von meinen Eltern bekommen." "Aber du hast doch ein Fahrrad." "Ja, aber ich habe keinen Bock, ohne Rad dazustehen, wenn das mal einen Platten hat oder in der Reparatur ist." Ihr Zweitfahrrad ist quasi identisch mit ihrem Erstfahrrad: Selbe Marke, klassisches Damen-Stadtrad mit schräger Stange, nur ein neueres Modell und schwarz statt türkis.

Was Ina nicht wusste: Ich habe letztes Jahr weder zum Geburtstag noch zu Weihnachten von meiner Mutter etwas bekommen, weil sie es gerade alles andere als dicke hat. Was Ina aber wusste: Ich habe mir vor einem halben Jahr, weil mein altes geklaut wurde, ein neues Fahrrad gekauft, nachdem ich vier Wochen lang gesucht und überlegt hatte. Schließlich habe ich mich für eines entschieden, das ich schön finde, wirklich sehr liebe – und in zwölf Raten (ohne Zinsen!) abbezahlen kann.

Was ist nur los mit mir?

Ich weiß gar nicht genau, warum mir ein blödes Zweitfahrrad oder ein neuer Laptop so wehtut, schließlich fehlt es mir selbst an nichts. Ich liebe mein Leben (und das sogar schon verdächtig lange ...) und freue mich jeden einzelnen Tag über alles, was ich habe. Ina dagegen tut sich wahnsinnig schwer, ihr Glück zu finden. Gerade wurde ihr gekündigt – ein Job, den sie nur durch "Vitamin B", wie sie es nennt (also Beziehungen), bekommen hatte, von dem sie aber sowie gerade mal eben ihre Miete bezahlen konnte, auf den sie also keineswegs angewiesen ist.

Das Schlimme ist, um ganz ehrlich zu sein, würde mich das sogar ein bisschen trösten (und das macht mir ein mega schlechtes Gewissen!🙈) – wenn Ina mir nicht gerade geschrieben hätte, dass sie im Reisebüro war und von "ihrer eigenen Courage" ein bisschen erschrocken ist: Sie fliegt demnächst erstmal für drei Wochen nach Hawaii und macht auf dem Rückflug noch Station in Miami, um den Kopf frei zu bekommen und herauszufinden, was sie jetzt tun will. Ich habe zwar auch gerade meinen nächsten Urlaub gebucht, aber ihr ahnt es schon: Über ein Preisvergleichsportal, nachdem ich drei Wochen lang Preisentwicklungen beobachtet habe, und ich reise nur mit Handgepäck. Würde ich meinen Job verlieren, wäre ein Besuch im Reisebüro das letzte, was mir in den Sinn käme ...

Ina ist scheiße geizig!

Was die ganze Situation aber nochmals erschwert und mich vor Frust fast platzen lässt: Mir gegenüber ist Ina geiziger als alle meine Freundinnen, die in etwa genauso viel Geld haben wie ich. Einmal haben wir zu zweit Silvester bei mir gefeiert, ein Mädelsabend mit Wein, Sushi, Snacks und Horoskopen. Ich hatte Wein und Popcorn besorgt, gemeinsam haben wir Sushi geholt, das sie zunächst bezahlte (ca. 30 Euro). Am nächsten Morgen, bevor sie ging, bat sie mich, ihr noch die Hälfte des Geldes für das Sushi zu geben – für den Wein und die drei Tüten Popcorn gab sie mir natürlich nichts (ich habe sie auch nicht danach gefragt ...).

Als sie von Mannheim nach Hamburg zog und eine Wohnung suchte, ließ ich sie (gefühlt eine Woche, aber es waren wohl nur vier Tage) bei mir wohnen. Zum Dank bekam ich eine Karte – immerhin. Das sind nur zwei Beispiele. Ich habe Ina schon öfter mal auf einen Kaffee oder sowas eingeladen, sie mich noch nie zu irgendetwas. Dabei ist ihre Geldquelle unerschöpflich (ihr Vater hat Immobilien, die vermutlich Millionen wert sind), meine – offensichtlich – begrenzt.

Mein Maß ist voll 

Und nun? Bin ich definitiv an einem Punkt, an dem ich mir ernsthaft die Frage stellen muss, ob ich noch mit Ina befreundet sein kann! Einerseits habe ich sie zwar wirklich lieb und würde sie in meinem Leben vermissen. Aber wie soll es in Zukunft weitergehen, wenn sie nicht mehr "nur" mehr Geld als ich hat, sondern auch mehr Freizeit? Wenn ihre Tage darin bestehen, auszugehen, Sport zu machen, zu reisen und alles zu tun, worauf sie Lust hat? Kann ich ihr dabei zuschauen, ohne neidisch zu werden? Oder unzufrieden mit meinem wunderschönen Leben, das gerade genau so ist, wie ich es mir immer gewünscht habe???

Ich weiß es nicht, aber eines weiß ich bestimmt: Bevor ich Ina ghoste und von meiner Freundesliste streiche, werde ich ihr sagen, was ich fühle. Angefangen beim MacBook Pro bis zu meiner Sorge, wie es jetzt weitergeht. Bei dem Gespräch und an ihrer Reaktion werde ich schon sehen, ob sie eine gute Freundin ist, die Verständnis zeigt und sich in Zukunft ein bisschen zurückhält – oder eine Frau, die vielleicht weniger Platz in meinem Leben einnehmen sollte. Damit ich mich nicht mehr ständig einem Vergleich aussetzen muss, bei dem ich nur den Kürzeren ziehen kann.

*Name geändert

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Meine Freundin ist eine reiche Tochter: Zwei Frauen streiten
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