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Mirroring Die Körpersprache verrät, wer dich wirklich mag

Mirroring: Mann und Frau im Gespräch
© Dragon Images / Shutterstock
Was hat Körpersprache mit Sympathie zu tun? Eine Menge, wenn es nach dem psychologischen Konzept namens Mirroring geht. Wir erklären, was dahintersteckt.

Ist es Höflichkeit oder echte Sympathie? Steht er auf mich oder ist es nur Freundschaft? Im Job, beim Date, unter Bekannten – oft sind wir uns nicht sicher, was andere wirklich von uns halten. Das verunsichert manchmal. Denn so viel steht fest: Wir können Menschen leider nicht ins Herz gucken. Aber wir können ihre Körperhaltung interpretieren! Ein spannendes psychologisches Konzept namens Mirroring verrät jetzt, wie du erkennst, was andere dir gegenüber empfinden – ohne sie zu fragen! 

Warum Körperhaltung mehr zählt als Worte

Unser Unterbewusstsein steuert einen Großteil unserer Bewegungen, deshalb ist die Körperhaltung ein gutes Indiz für echte Gefühle. Worte können wir leicht bewusst steuern, das ist bei der Körpersprache deutlich schwerer – wer denkt schon bewusst darüber nach, den Kopf zu senken, sich durch die Haare zu fahren, ein Bein vors andere zu setzen oder sich an der Nase zu kratzen. Wissenschaftler:innen schätzen außerdem, dass rund 80 Prozent (!) der Kommunikation zwischen zwei Menschen nonverbal abläuft. Auf diesem Wissen basiert auch das sogenannte Mirroring, zu Deutsch "Spiegeln". 

Spieglein, Spieglein an der Wand…

…wer dich mag, zeigt dies mit seiner Hand! Oder mit einem anderen Element, das zur Körpersprache zählt. Denn Forscher konnten ermitteln, dass Menschen die sich sympathisch sind, bei Gesprächen die gleiche Körperhaltung einnehmen. Dieses Verhalten bezeichnen Psychologen als Mirroring. Das Spiegeln der Körperhaltung verrät dir recht zuverlässig, was Menschen von dir halten. Beim Mirroring wird dein eigenes Körperverhalten von der anderen Person "gespiegelt“. Hebst du den Arm, hebt dein Gegenüber den Arm. Verschränkst du die Arme, verschränkt dein Gegenüber die Arme – und so weiter.

Es gibt allerdings eine Voraussetzung fürs Mirroring: Sympathie! Nur wer dich wirklich mag, spiegelt deine Körperhaltung. Dies passiert ganz unterbewusst: Bei Sympathie strebt unser Körper Gleichheit und Ähnlichkeit an. Das Phänomen kennst du sicher schon vom Gähnen: Oft müssen wir gähnen, weil wir eine andere Person gähnen sehen. Wissenschaftler:innen vermuten, dass dies an sogenannten Spiegel-Neuronen liegt, die sich im Gehirn befinden. Sie helfen uns dabei, Empathie zu empfinden, Verständnis zu entwickeln und Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Wichtig: Beim Mirroring geht es nicht darum, dass wir eine ganz bestimmte Körperhaltung einnehmen, wenn wir jemanden mögen. Das ist nochmal ein ganz anderes Thema. Schon allein das Spiegeln jeglicher Körpersprache ist ein Indiz für Sympathie!

Vorsicht vor einem falschem Spiegel!

Mirroring passiert natürlich. Aber leider kann das Spiegeln der Körperhaltung auch manipulativ eingesetzt werden. Es gibt zum Beispiel Dating-Ratgeber im Netz, die Mirroring ganz gezielt empfehlen, um beim Dating besser anzukommen. Dein Date würde dann bewusst deine Körperhaltung spiegeln, damit du dich unterbewusst wohler und sicherer fühlst. Das grenzt schon an Manipulation und ist ziemlich fragwürdig.

Authentisches Mirroring unterscheidet sich allerdings oft von diesem forcierten Spiegeln. Folgende Merkmale sprechen für „echtes“, natürliches Mirroring:

  • Spiegeln findet in Gesprächen ganz abwechselnd statt. Mal spiegelst du, mal spiegelt dein Gegenüber, wenn echte Sympathie herrscht. Wirst du die ganze Zeit gespiegelt, ist etwas faul.
  • Spiegeln läuft zeitversetzt ab. Lehnst du dich nach vorne, lehnt sich die andere Person erst ein paar Minuten später nach vorne. Schließlich muss die Botschaft erstmal beim Unterbewusstsein ankommen – und das passiert nicht augenblicklich. Es ist ungewöhnlich, wenn Spiegeln quasi zeitgleich passiert.
  • Spiegeln beeinflusst den Gesprächsfluss nicht. Da Mirroring ganz unterbewusst abläuft, hast du beim Sprechen keine Benachteiligungen. Es kommt dadurch nicht zu Verzögerungen oder Pausen. Bewusst zu spiegeln und parallel ein Gespräch zu führen, ist ganz schön anstrengend – dies könntest du am abgelenkt sein deines Gegenübers merken.
  • Nicht alles kann gespiegelt werden. Kommen wir nochmal aufs Gähnen zurück: Diese Bewegung kann nicht bewusst ausgelöst werden, selbst wenn du es versuchst. Probiere es doch mal selbst – gähne! Es klappt nicht.

Mein Gegenüber spiegelt mich nicht – ist das definitiv Antipathie?

Mirroring verrät dir etwas über die Beziehung zwischen zwei Personen. Beobachtest du dich und eine andere Person beim Gespräch und merkst, dass Spiegeln nicht vorkommt, heißt das aber nicht, dass dich dein Gegenüber gleich furchtbar findet. In manchen Situationen wird trotz Sympathie nicht gespiegelt.

Zwei Beispiele:

  • Starke Nervosität bringt uns dazu, unsere Gefühle zu unterdrücken. Auch die Körperhaltung ist dann eingeschränkt. So verstecken wir zum Beispiel die Hände zwischen den Beinen oder in den Jackentaschen, wenn wir nervös sind und unterdrücken dadurch auch die Gestik. Wer extrem unruhig ist, spiegelt deshalb oftmals nicht – zum Beispiel beim Bewerbungsgespräch.
  • Bei Tätigkeiten klappt das Spiegeln weniger gut. Beim Beginn des Abendessens sind wir zum Beispiel sehr fokussiert aufs leckere Gericht. Besonders gut kannst du Mirroring beobachten, wenn du jemandem gegenübersitzt und es wenige Ablenkungsmöglichkeiten gibt.

Keine Frage, Mirroring ist ein interessantes Konzept. Bei deinem Partner beziehungsweise deiner Partnerin oder bei guten Freunden kannst du Mirroring selbst beobachten – hier weißt du schließlich, dass ihr euch definitiv sympathisch seid. Achte beim Gespräch doch einfach mal auf das Verhalten von deinem Gegenüber oder auf dein eigenes Verhalten. Hast du unterbewusst deine Körperhaltung angepasst? Das ist Mirroring!

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Verwendete Quellen

Pfeifer, Jennifer H et al. “Mirroring others' emotions relates to empathy and interpersonal competence in children.” NeuroImage vol. 39,4 (2008): 2076-85. scientificamerican.com, scienceofpeople.com, wsj.com/

Brigitte

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