Nur Mut! Warum wir gerade in der Krise besonders große Hoffnung haben sollten

Die Coronakrise hat uns alle erschüttert und schon jetzt jede Menge Kraft gekostet – doch es gibt einen guten Grund, auf Besserung zu hoffen.

Zugegeben: Es ist schwer, sich in einer Situation wie der Coronakrise auf das Positive zu besinnen. Wir wissen nicht, wie lange uns das Virus noch beschäftigen wird. Wir wissen nicht, wie groß der Schaden für uns alle ausfallen wird. Und wir wissen nicht einmal, ob wir alles richtig machen ... Dafür wissen wir, dass weltweit bereits mehr als 100.000 Menschen an dem Virus gestorben sind, mehrere Millionen ihren Job verloren haben und sicherlich ähnlich viele Träume geplatzt sind. Dummerweise gibt uns Verzweiflung keine Kraft – doch gerade die brauchen wir jetzt mehr denn je. 

Um der um sich greifenden Angst und Verzweiflung etwas entgegenzusetzen, hat die Autorin Sonja Schilf eine Sammlung von 17 Mutmachergeschichten zusammengestellt und als Buch herausgegeben. Unter dem Titel "Corona – nichts wird mehr, wie es war" erzählen unterschiedliche Menschen von der Krankenschwester bis zum Rentner, wie sie diese Krise erleben, was ihnen jetzt Kraft gibt und Mut macht. (Hier erfährst du mehr und kannst das Buch gratis herunterladen.)

Im Folgenden möchten wir daraus die Geschichte von Uwe Böschemeyer mit euch teilen, einem Psychotherapeut im Ruhestand. Einerseits, weil er gute Argumente anführt, um jetzt alles auf Hoffnung zu setzen. Andererseits, weil er uns auf etwas aufmerksam gemacht hat, was wir selbst nicht so auf dem Schirm hatten: Für die meisten von uns ist die Coronakrise zwar die erste echte Krise, die wir erleben (abgesehen von persönlichen Krisen ...). Und ja, so weit man weiß, hat es nie zuvor eine Pandemie dieser Art gegeben. Aber: Generell ist Corona ja nicht das erste riesen Schlamassel, das Menschen bewältigen müssen (und wird wohl nicht das letzte sein). Unsere Vorfahren haben schon so viele Katastrophen gemeistert – warum sollte uns das nicht auch gelingen ...? 

Der Grund für unsere Hoffnung

von Uwe Böschemeyer

In diesen seltsamen Tagen, in denen die Welt nur ein Thema zu kennen scheint, kam mir die Erinnerung an die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Ganz Deutschland lag in Schutt und Asche. Ich war sechs Jahre alt.

Die Bilder, die sich damals meiner Seele einprägten, bin ich nicht mehr losgeworden: nicht nur die der zerbombten Häuser und Straßenzüge, sondern auch jene anderen: Frauen mit ihren Kopftüchern, die Steine schleppten, von denen ich sogar als Kind dachte, die seien für sie viel zu schwer. Manchmal jedoch hielten sie einen Augenblick inne, wischten sich den Schweiß von der Stirn und lächelten der Nachbarin zu. Oder: Morgens wurde von Haus zu Haus mitgeteilt, am Abend sei ein Tanzfest angesagt. Wer etwas mitbringen wolle, könne das gern tun. Irgendjemand spielte Akkordeon, nicht konzertreif, aber mit großer Leidenschaft, zum Beispiel: "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern." Die Stimmung hätte nicht großartiger sein können.

Was hat das mit dem Thema unserer Zeit zu tun? Viel, ganz viel. Damals gab es Menschen, die sich angesichts der scheinbar aussichtslosen Situation (was für ein riesiges Maß an Zerstörung, und zwar in allen Bereichen!) überhaupt nicht vorstellen konnten, Deutschland werde wieder heilen können – und deshalb resignierten. Und dann gab es andere, die über das Ende des entsetzlichen Krieges heilfroh waren und sich entschlossen an den Wiederaufbau machten.

Sie ließen sich nicht "unterkriegen" und sangen mit Witz (ich erinnere mich gut und gern an den Schlager über die drei deutschen Zonen): "Wir sind die Eingeborenen von Trizionesien." Schließlich kommt mir auch die Erinnerung an meinen langen Fußmarsch mit einer schweren Aktentasche von der Schule zum Bus – durch die noch immer teilweise "kaputte" Stadt Osnabrück. Unglücklich war ich nicht.

Als ein inzwischen sehr alt gewordener Psychotherapeut habe ich die Erfahrung gemacht, dass der viel zu leicht dahingesagte Satz "Die Hoffnung stirbt zuletzt" so wahr ist wie der Klimawechsel in unserer Zeit – vorausgesetzt, wir richten uns auf die Hoffnung aus! Nicht illusionär oder gar schwärmerisch, sondern mit einer Mischung aus Nüchternheit, Zuversicht und Mut.

Gibt es denn für Hoffnung einen Grund auch in dieser Zeit? Aber gewiss! So wichtig es ist, sich auf die Bedrohung durch das Coronavirus mit allen Konsequenzen einzustellen, so wichtig ist es, das Angenehme, Schöne und Sinnvolle in diesen Tagen zu sehen, zu erkennen, wahrzunehmen und die Freude darüber zuzulassen. Denn die Freude ist neben der Hoffnung eine bedeutende Lebenskraft.

Darf ich Ihnen darüber hinaus meine persönliche Antwort zumuten? Ich glaube, dass mir selbst und allem anderen Leben letztlich nichts widerfährt, was die Zollstelle des großen Sinngebers passiert.

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