"Soll ich nach der Scheidung den Namen ändern?"

Als sie heiratete, nahm BRIGITTE WOMAN-Autorin Anke Sierian den Nachnamen ihres Mannes an. Nach der Scheidung wollte sie ihn wieder ablegen, zögerte aber lange: Ist dieser Schritt wirklich der richtige?

Früher war es einfach. Ich sagte anderen, wie ich heiße, damit war klar, zu welchem Kind ich gehöre und welches Kind zu mir. Heute sage ich: "Ich bin Anke Sierian, die Mutter von ...", und dem Vornamen folgt ein anderer Nachname als meiner - der des Vaters, meines geschiedenen Mannes. Nach wie vor lösen solche Situationen in mir eine leise Traurigkeit aus.

"Anders zu heißen ist kompliziert, vor allem gefühlsmäßig"

Den Geburtsnamen nach einer Scheidung wieder anzunehmen ist alles andere als eine Formalie, vor allem, wenn man Mutter ist. Wie die Kinder zu heißen vereinfacht den Alltag. Anders zu heißen ist kompliziert, vor allem gefühlsmäßig. Aber man ist ja nicht nur Mutter, sondern auch Frau, und als Frau gibt es keinen Grund, weiter mit dem Namen eines Mannes durchs Leben zu gehen, mit dem man nicht mehr verheiratet ist. Außer, er gefällt einem viel besser, oder man hat damit im Beruf eine gewisse Bekanntheit erreicht.

Mir jedenfalls schien es der richtige Schritt, zu meinem Geburtsnamen zurückzukehren: Er gehörte die längste Zeit meines Leben zu mir, mit ihm würde ich einen wichtigen Teil meines alten Ich zurückbekommen. Abgesehen davon mag ich ihn sehr: seinen Klang, seine Seltenheit, den Hauch von Exotik. Ich war immer stolz auf den Namen, mit dem ich erwachsen geworden bin, und habe mich häufig gegrämt, ihn aufgegeben zu haben. Deshalb schmerzt es mich heute erst recht, dass meine beiden Söhne ihn weder selbst tragen noch eines Tages weitergeben können: Mein Name, er wird mit mir aussterben.

"Nur fünf Prozent der deutschen Männer tragen den Namen ihrer Ehefrau"

Erst im Nachhinein ist mir klar geworden: Als ich den Nachnamen meines Mannes annahm, tat ich das nicht aus Überzeugung, sondern aus Scheu vor Konflikten. Nur fünf Prozent der deutschen Ehemänner, habe ich irgendwann in der "Süddeutschen Zeitung" gelesen, tragen den Namen ihrer Ehefrau. Ich wusste, dass mein Mann zu den restlichen 95 Prozent gehört, für die das keine Option ist. Ich habe das nicht hinterfragt. Ich nahm seine Vorstellungen, vermutlich auch weil sie der gängigen Norm entsprachen, als unantastbar hin.

Genauso wenig kam ich auf die Idee, meinen Mädchennamen zu behalten, das war damals, als wir 2001 heirateten, schon lange erlaubt. Denn dann hätten wir uns einigen müssen, welchen Nachnamen unsere Kinder tragen sollen, seinen oder meinen - Doppelnamen sind für Kinder unzulässig: Auch das hätte Streit bedeutet. Außerdem gefiel mir die Idee vom gemeinsamen Familiennamen als einem sichtbaren Symbol der Einheit. Heiraten, Kinder kriegen, Flagge zeigen, Salzteigschildromantik: "Hier wohnt Familie ..." Und weil der Mann zum Namensopfer nicht bereit war, sah ich mich in der Pflicht. Die Tradition war schließlich auf seiner Seite. Und ich konnte Großmut zeigen, wenn auch nicht von Herzen.

"Für die Kinder bleibe ich Mama, egal wie ich heiße"

So leichtfertig ich meinen Namen bei der Heirat aufgeben hatte, so sehr habe ich mit der umgekehrten Entscheidung gehadert. Will ich das wirklich? Dass die Kinder weiter heißen wie ihr Vater, und ich werde zur namentlichen Familien-Außenseiterin? Könnte ein Gefühl entstehen, nicht mehr dazuzugehören? Solche Bedenken hatte ich, selbst wenn der Verstand " So ein Quatsch" brüllte. Irgendwann sagte ich mir: Für die Kinder bin ich "Mama", und das bleibe ich, egal wie ich heiße.

Anke Sierian, Brigitte Woman 2/2017
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

teaser_3
Neuer Inhalt