Nein sagen

Sie wollen nicht, haben keine Zeit oder keine Lust, trotzdem können Sie nicht Nein sagen. Vielen Frauen geht es so. Wir nennen die Gründe und zeigen Ihnen Alternativen.

  • Nein sagen tut weh: Schon als kleines Mädchen haben Sie gelernt, sich um das Wohl Ihrer Umgebung zu kümmern. Sie möchten niemanden enttäuschen,
  • kränken oder verletzen. Tun Sie es doch, plagen Sie Schuldgefühle.
  • Nein sagen stört das Ego: Sie sehen sich gern als treue Freundin, gute Mutter, loyale Kollegin, fantasievolle Geliebte. Dazu passt es schlecht,
  • eine Bitte abzuschlagen oder sich zu verweigern.
  • Nein sagen macht unbeliebt: Ihr Image bekommt Kratzer. Am Ende schätzt oder liebt man Sie weniger, weil Sie so abweisend sind.
  • Nein sagen ist gefährlich: Wer ablehnt, schafft sich Feinde. Das könnte sich negativ auf Ihre Karriere, das Familienklima oder die Nachbarschaft auswirken.

Klar, dass Sie Harmonie wollen und ein harsches Nein lieber vermeiden. Also sagen Sie entweder Ja und ärgern sich hinterher über sich selbst. Oder Sie erfinden Notlügen und Ausreden. Dadurch verschaffen Sie sich zwar kurzfristig Luft, geraten auf Dauer aber noch mehr unter Druck. Ihr Nein ist nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Sagen Sie sich doch einfach mal: Nein sagen tut gut! Es stärkt Ihre Selbstachtung, schützt Sie, spart Ihnen Zeit und Kraft. Und die Folgen sind meist weniger schlimm, als Sie es sich vorstellen. Vor allem dann, wenn Sie die Psycho-Tricks kennen, mit denen Sie eine mögliche negative Wirkung weitgehend neutralisieren können.

Zehn Möglichkeiten, Nein zu sagen

Zehn Möglichkeiten, auf diplomatische Art Nein zu sagen, die sich leicht auf ähnliche Situationen übertragen lassen:

  1. In der Kantine fragt jemand: "Darf ich mich dazusetzen?"- "Normalerweise gern, aber wir besprechen gerade etwas Persönliches. Dafür haben Sie gewiss Verständnis." Sie bekunden generell Zustimmung und appellieren in diesem speziellen Fall an Rücksicht.
  2. Ein Fremder bittet Sie am Strand, ihm den Rücken einzuölen. "Sorry, aber meine Mutter hat mir verboten, fremde Männer anzufassen." Sie verweigern mit Witz und Humor. Auf diese Weise wirken Sie trotzdem nicht zickig.
  3. Der Chef lädt seine Mitarbeiterin, die ihn mittelsympathisch findet, zum Essen ein. "Vielen Dank für die Einladung. Aber ich habe es mir zur Regel gemacht, Berufliches und Privates strikt zu trennen. Davon möchte ich nicht abgehen." Sie sprechen keine persönliche Ablehnung aus, sondern verweisen auf eine allgemein gültige Norm.
  4. Eine nur sehr locker verbundene Freundin, mit der man alle Vierteljahr einen prächtigen Klönabend in der Kneipe hat, fragt: "Wollen wir nicht diesen Sommer mal zusammen verreisen?" - "Das kann ich dir nicht antun. Schließlich möchte ich dich als Freundin behalten. Du hast mich noch nicht auf Reisen erlebt. Da muss immer alles nach meinem Kopf gehen." Sie schrecken ab.
  5. Eine Kollegin, mit der Sie lieber auf Distanz bleiben, bietet Ihnen das Du an. "Vielen Dank, ich finde das Angebot sehr schmeichelhaft. Aber ich tu mich mit dem Duzen immer furchtbar schwer. Deshalb fühle ich mich wohler, wenn wir beim Sie bleiben." Sie tun so, als hätten Sie ein Problem.
  6. Der Ex-Partner verlangt zum x-ten Mal eine Aussprache. "Da gibt es nichts mehr zu sagen. Du bist ein toller, kluger, gut aussehender Mann, aber wir passen einfach nicht zusammen." Sie versüßen die Ablehnung mit einem Kompliment.
  7. Man hat die besten Konzertkarten der Welt, und die Vorgesetzte bittet einen, länger zu bleiben. "Natürlich geht für mich der Job vor. Aber diesmal habe ich einen sehr wichtigen privaten Termin, den ich schwer absagen kann. Sehen Sie eine Möglichkeit, die Arbeit zu einem anderen Zeitpunkt zu machen? Ich könnte heute Nacht etwas vorbereiten oder morgen früher kommen." Sie bleiben auf der Profi-Ebene und zeigen Engagement. Damit stimmen Sie Ihre Chefin wohlwollend. Auf dieser Basis appellieren Sie dann an ihre Großzügigkeit.
  8. Eine junge Mutter bittet Sie zu helfen, den Kinderwagen die Bahnhofstreppe hochzutragen. Sie wissen, dass das den nächsten Bandscheibenvorfall auslösen kann. "Tut mir Leid, ich habe eine Rückenverletzung. Aber ich frag mal den jungen Mann da hinten, ob der Ihnen helfen kann." Sie tun so, als hätten Sie ein Problem.
  9. Eine Kollegin, von der man recht froh ist, dass sie eine Etage entfernt sitzt, fragt: "Wollen wir morgen zusammen in der Kantine essen?" - "Ich habe zur Zeit so viel zu tun, dass ich gar nicht weiß, ob und wann ich überhaupt zum Essen komme. Deshalb möchte ich mich nicht verabreden." Sie nutzen die Nebeltaktik. Auf vage Angaben lässt sich keine(r) gern ein.
  10. Man hat von jemandem ein richtig hässliches Geschenk bekommen. Er/sie fragt: "Gefällt es dir?" - "Ich bin wirklich ganz gerührt, wie lieb du an mich gedacht hast! Sie loben die Absicht, nicht das Ergebnis.

Weigerung taktisch vorbereiten

Sie wissen ja: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben (unter Umständen mit einem Ja). Darum: Vorsorge ist angebracht. Andernfalls können Sie sich nicht ohne Schaden aus der Affäre ziehen. Überlegen Sie deshalb rechtzeitig, was eventuell auf Sie zukommt und wie Sie die Dinge zu Ihren Gunsten arrangieren. Wie etwa hier:

Ihnen wird eine unsympathische Kollegin beim Fortbildungsseminar aufs Doppelzimmer zugeteilt. Verabreden Sie schon vor Beginn des Seminars mit Ihrer Lieblingskollegin, dass Sie gemeinsam ein Zimmer belegen. Dann können Sie der anderen vor Ort ehrlich sagen: "Tut mir Leid, aber ich habe mich schon fest mit X abgesprochen, und ich möchte sie nicht enttäuschen. Dir macht es doch sicher nichts aus, mit Y ein Zimmer zu teilen?" Oder: Ein streng riechender Kollege lädt sich selbst zur Mitfahrt im Auto ein. Sorgen Sie rechtzeitig dafür, dass Ihr Auto schon voll besetzt ist, dass Sie die Fahrt bei Freunden unterbrechen, Kinder, den Hund oder sperrige Gegenstände mitnehmen müssen. Sonst hilft nur noch eine große Spraydose Raumduft.

In den sauren Apfel beißen

Es gibt Situationen, in denen auch das eleganteste Nein fehl am Platze ist - wenn Sie sich dadurch in Gefahr begeben, unnötig Feinde machen oder grob unhöflich sind.

Wie zum Beispiel in diesem Fall: Der unsympathische Chef fordert Sie beim Betriebsfest zum Tanzen auf. Wenn Sie mit anderen tanzen, dann auch mit ihm. Bringen Sie es also mit Charme und Anstand hinter sich. Sollte er Ihnen dabei allerdings zu nahe kommen oder ständig mit Ihnen tanzen wollen, nutzen Sie wieder die bewährten Nein-Techniken: "Seien Sie mir nicht böse, aber ich bekomme bei engem Tanzen immer Beklemmungen" oder "Vielen Dank, aber ich will Sie auf keinen Fall von Ihren Verpflichtungen abhalten. Die anderen möchten gewiss auch mit Ihnen tanzen".

Keine Diskussion!

Wenn etwa die Freundin beteuert: "Mir macht das gar nichts aus, dass du auf Reisen schwierig bist", oder die Kollegin vorschlägt: "Ich warte gern auf dich, sag doch einfach spontan Bescheid, wenn du zum Essen gehst", oder wenn der Chef schmeichelt: "Aber für mich könnten Sie doch sicher mal eine kleine Ausnahme machen."

Lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein, denn dann haben Sie schon verloren! Halten Sie an Ihrer Position fest. Und so gelingt Ihnen das garantiert:

  • Zeigen Sie, dass Sie das Argument der anderen Seite verstehen und als persönliche Meinung akzeptieren: "Ich glaube dir, dass du tolerant bist." "Es ist nett von dir, dass du auch auf mich warten würdest." - "Ich verstehe, dass Sie mein Prinzip, Berufliches und Privates zu trennen, etwas streng finden."
  • Wiederholen Sie dann Ihr eigenes Nein-Argument, eventuell mit leichter sprachlicher Variation: "... aber wie gesagt möchte ich nicht das Risiko eingehen, dich durch meine Launen als Freundin zu verlieren." "... aber es setzt mich wirklich zur Zeit unter Druck, mich zum Essen zu verabreden." "...aber ich habe es mir nun einmal zur Regel gemacht und möchte dabei bleiben."

Fast immer ist der Fall damit erledigt. Sollte aber jemand tatsächlich hartnäckig bis zur Schmerzgrenze gehen, dann bleibt Ihnen immer noch das klare, pure Nein!

Psycho-Training: Dr. Eva Wlodarek

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