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Psychologie Macht Minimalismus uns wirklich glücklicher?

Frau liest Buch und trinkt Tee: Macht Minimalismus uns wirklich glücklicher?
© ASTA Concept / Shutterstock
Ein minimalistisches Leben ist nicht nur ein Gegenentwurf zu unserer schnelllebigen Konsum- und Leistungsgesellschaft, sondern kann auch glücklicher und zufriedener machen. Das bestätigen jetzt Forscher:innen in einer großen Untersuchung.

In unsicheren Zeiten wie diesen, zwischen Pandemien, Kriegen und der Klimakrise, sehnen sich viele Menschen nach einem einfacheren Leben. Es ist also kein Wunder, dass der Minimalismus in den vergangenen Jahren zu einer großen Bewegung geworden ist. Dabei geht es um die Reduktion auf das Wesentliche, darum, nicht immer mehr zu wollen, sondern sich auf das zu besinnen, was man wirklich braucht.

Damit ist der Minimalismus ganz klar als Antithese zum konsumorientierten Turbokapitalismus unserer Zeit mit immer stärkerem Wachstumsdrang zu verstehen. Minimalist:innen stellen sich und der Welt die Frage: Muss es wirklich immer mehr sein? Brauchen wir ständigen Konsum und Überfluss? Im Gegenteil: Wären wir mit weniger, mit einem einfacheren Leben nicht sogar glücklicher?

Studien zeigen: Ein einfaches Leben macht tatsächlich zufriedener

Auch viele Forscher:innen sind dieser Frage schon nachgegangen. Das "Journal of Positive Psychology" hat eine Meta-Analyse von 23 Studien zum Thema Minimalismus und Wohlbefinden veröffentlicht. Und die Untersuchung des Teams um Joshua Hook von der University of North Texas bestätigt tatsächlich: Mehr als 80 Prozent der untersuchten Studien konnten eine positive Verbindung zwischen einem bewusst einfachen Leben und einem erhöhten Wohlbefinden ausmachen. Sowohl Untersuchungen mit einer quantitativen Komponente, also einer zahlenbasierten Wertung, als auch solche mit einer qualitativen Wertung, also beispielsweise Interviews, bestätigten die These, dass ein minimalistisches Leben glücklicher macht.

Die Forschenden vermuten, dass dieser Zusammenhang darauf basiert, dass Menschen, die einen einfachen Lebensstil bevorzugen, ihr Konsumverlangen besser kontrollieren können als andere. Sie beschäftigen sich automatisch mehr mit den psychologischen Bedürfnissen, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen, etwa Unabhängigkeit oder Kompetenz.

Aber: Wohlhabende Menschen macht Minimalismus nicht zwangsläufig glücklicher

Eine weitere Erkenntnis der Untersuchung ist allerdings auch, dass diese deutliche Verbindung zwischen Minimalismus und Lebenszufriedenheit vor allem bei Menschen mit niedrigem Einkommen zu finden ist. Personen mit größeren finanziellen Mitteln finden im "Weniger ist mehr"-Ansatz nicht unbedingt mehr Zufriedenheit.

Das könnte damit zusammenhängen, dass Menschen mit einem höheren Einkommen sich schneller an einen gewissen Lebensstandard gewöhnen und es ihnen deshalb schwerer fällt, mit weniger Konsum und Wachstum erfüllt und glücklich zu sein.

Weniger ist mehr: Ist das der Weg zum Glück?

"Ich denke, diese Forschungsergebnisse wirken der generellen Tendenz unserer Gesellschaft, immer mehr zu wollen, entgegen", erklärt Joshua Hook. "Es ist eine der größten Lügen unserer Zeit, dass wir einfach mehr Geld, mehr materiellen Besitz und überhaupt mehr brauchen, um glücklich zu sein. Stattdessen sollten wir andere Wege suchen, um unsere Zufriedenheit zu erhöhen – und einfacher zu leben könnte etwas sein, das es sich auszuprobieren lohnt."

Ein minimalistisches Leben muss ja nicht bedeuten, dass wir wie der Schriftsteller Henry David Thoreau in eine Waldhütte ziehen oder nur noch 100 materielle Dinge besitzen dürfen. Aber sich die Frage zu stellen, was man tatsächlich braucht, kann schon helfen.

Frag dich doch bei Lebensentscheidungen wie einer größeren Wohnung, einem neuen Auto oder einer weiteren Handtasche zumindest, welches Bedürfnis wirklich dahintersteckt. Oft ist es nämlich der Druck unserer Leistungs- und Wachstumsgesellschaft, die uns vorgaukelt, dass wir uns vergrößern und unbedingt mehr wollen müssen. Etwas achtsamer im Umgang mit Konsum zu sein, schont nicht nur den Planeten, sondern macht uns auch nachhaltig zufriedener.

Verwendete Quellen: Journal of Positive Psychology, Psychologie Today

Brigitte

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