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Hirnforscher verrät Zwei Wahrheiten über deine Persönlichkeit, die vieles erklären

Neurologie: Eine Frau auf einem Feld im Sonnenuntergang
© differpp / Shutterstock
Machst du auch manchmal Dinge oder triffst Entscheidungen, bei denen du hinterher denkst "WTF?!"? Vielleicht helfen dir zwei Erkenntnisse aus der Hirnforschung, dich in Zukunft selbst ein bisschen besser zu verstehen.

Menschen sind im Allgemeinen vergleichsweise kompliziert. Wir pflegen Gewohnheiten, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht gut tun. Wir belügen andere, obwohl wir ihnen vertrauen. Wir fühlen uns unzufrieden, obwohl wir satt und gesund sind und jede Menge Gründe hätten, glücklich zu sein.

Bisher blickt niemand so weit durch, dass er unser Verhalten, Denken oder Fühlen immer und hundertprozentig erklären könnte. Das Gehirn, so viel weiß man mittlerweile dank moderner Wissenschaften wie Neurologie, ist jedenfalls waaaahnsinnig komplex und viiiiel krasser und leistungsfähiger als jeder Computer. Und da es einen großen Anteil daran hat, was wir tun, denken, fühlen – kurz: wer wir sind – ist davon auszugehen, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis wir verstehen, wie genau wir funktionieren.  

Ein bisschen konnten Hirnforscher*innen aber doch schon herausfinden, z. B. dass Gewohnheiten in einem anderen Teil des Gehirns "programmiert" sind als Sprache und Bewusstsein, weshalb es manchmal so schwer fällt, sie zu erklären (oder auch nur wahrzunehmen). Außerdem scheint unser Rechenzentrum zwei grundlegenden Prinzipien zu folgen, die bei vielen unserer Handlungen und Entscheidungen eine große Rolle spielen dürften und die der Hirnforscher Niels Bierbaumer in seinem Buch "Dein Gehirn weiß mehr, als du denkst" folgendermaßen beschreibt:

  1. "Das Gehirn will Effekte, die emotional positiv bewertet wurden" 
  2. "Das Gehirn ist offen für alles, sofern es nur einen erwünschten Effekt erzielt"

Was das wiederum für unsere Persönlichkeit bedeutet, schauen wir uns jetzt an.

Zwei Wahrheiten über deine Persönlichkeit, die vieles erklären

1. Du strebst stets nach Glück und Freude

Den meisten unserer Handlungen und Entscheidungen, wenn nicht in letzter Konsequenz sogar allen, liegt ein Ziel zugrunde: Dass wir uns dadurch gut fühlen. Um das zu erreichen, setzt unser Gehirn weitestgehend auf Erfahrungswerte: Was uns in der Vergangenheit positive Emotionen vermittelt hat, wiederholen wir oder nutzen es als Orientierung für neue Situationen.

Wenn wir zum Beispiel einer Konfrontation ausweichen und uns damit wohlfühlen, weil uns Harmonie wichtiger ist und zufriedener macht, als uns zu behaupten, werden wir bei der nächsten wahrscheinlich auch klein beigeben. Fühlen wir uns durch unser Ausweichmanöver dagegen hauptsächlich untergebuttert, klein und schlecht, nehmen wir uns vermutlich vor, beim nächsten Mal anders zu reagieren. Ob wir es dann wirklich tun und es klappt, ist allerdings eine andere Frage. 

Durch emotional positive Prägung, d. h. durch positive Erfahrungen, entstehen bzw. festigen sich unsere Handlungsmuster, Bewältigungsstrategien, Gewohnheiten und auch Süchte – unserem Gehirn ist nämlich völlig egal, was wir tun, solange wir uns dabei gut fühlen. Erst wenn wir mit unseren Vorgehensweisen mal so richtig auf die Nase fallen, werden wir sie wahrscheinlich reflektieren und versuchen zu ändern. Und Letzteres klappt am besten, indem wir sie durch Methoden ersetzen, die möglichst fix zu ebenso positiven oder sogar noch besseren Erfahrungen führen als die alten. Denn sonst müssten wir quasi gegen unser Gehirn arbeiten – und wie gesagt: Es ist krasser und leistungsstärker als jeder Computer ... (übrigens findest du in folgendem Artikel praktische Tipps, wie du deine Gewohnheiten ändern kannst).

2. Du bleibst niemals, wie du bist

Einmal durch die Selbstfindung durch und fertig? Sorry, so "einfach" ist das leider nicht. Laut Biermann verändert sich unsere Persönlichkeit ein Leben lang, da sich unser Gehirn immer an die neuen Umstände um uns herum anpasst. Werte, Standards, Prioritäten – wenn sich die Dinge ändern, stellt sich unser Gehirn darauf ein und wir reagieren darauf. So kann es passieren, dass ein an sich umsichtiger, rücksichtsvoller Mensch in einer Pandemie plötzlich hamstert. Auf einmal fühlt es sich besser an, ganz viel Toilettenpapier zu Hause zu haben, als an andere zu denken. Wer mit 20 ein ganz Lieber ist, muss es mit 40 nicht mehr sein. Du magst deine Gewohnheiten haben und Werte, denen du dich stets bemühst treu zu bleiben, doch deine Anpassungsbereitschaft ist eine mindestens genauso starke Kraft und macht dich unberechenbar – manchmal sogar für dich selbst. 


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