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Omotenashi Diese Lebensphilosophie macht glücklicher!

Omotenashi: Zwei Frauen schütteln Hände.
© fizkes / Shutterstock
Omotenashi lautet die Philosophie, nach der Japaner leben. Rücksicht und Respekt für andere spielen dabei eine große Rolle. Was können wir davon lernen?

Hierzulande gibt’s oft nicht mal eine Entschuldigung, wenn du im Bus angerempelt wirst. In Japan sieht das anders aus: Dort warnt der Busfahrer selbst während der gesamten Fahrt vor scharfen Kurven, unebenen Wegen und kurzen Erschütterungen, damit alle gut vorbereitet sind. Soviel Umsicht im Umgang – das sind wir nicht gewohnt. Aber bei Japanern ist dies Gang und Gäbe. Dort lebt man nämlich nach Omotenashi – einer Lebensphilosophie, die das Miteinander eines ganzen Landes prägt. Und auch wir können uns etwas davon abgucken.

 Omotenashi: Wie aufmerksam bist du?

Omotenashi lässt sich auf Deutsch am besten mit Gastfreundlichkeit, Service oder gute Behandlung übersetzen. Tatsächlich geht dieses japanische Prinzip aber über den Umgang mit Kunden hinaus. Du entdeckst das Omotenashi-Prinzip in Japan auch unter Freunden und im Berufsleben. Dahinter steckt das große Thema Aufmerksamkeit.

Omotenashi basiert auf der Frage: Wie aufmerksam gehen ich mit anderen Menschen um? Es geht also um ein bewusstes und respektvolles Auftreten. Gebe etwas vom Herzen, ohne eine Rückleistung zu erwarten – das ist Omotenashi, die höchste Form der Aufmerksamkeit. 

Woher kommt Omotenashi?

Die Ursprünge gehen weit zurück und liegen in der traditionellen japanischen Teezeremonie. Bei dieser Zeremonie gibt es bestimmte Regeln, bei der ein Gastgeber oder eine Gastgeberin den Gästen Tee und Speisen serviert. Das Ziel ist hier, den Gästen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten. Die Teezeremonie, auch Teeritual bezeichnet, dient dazu, zur Ruhe zu kommen und Entspannung zu finden. Dafür gibt der Gastgeber die volle Aufmerksamkeit – der Ursprung von Omotenashi.

Omotenashi: So wird Aufmerksamkeit in Japan gelebt

Den bemühten japanischen Busfahrer haben wir bereits anfangs vorgestellt. Aber es gibt noch viele weitere Situationen, in denen sich das Prinzip offenbart. Zum Beispiel diese:

  • In Japan ist Trinkgeld nicht üblich – bzw. Trinkgeld wird von Kellnern und Kellnerinnen nicht angenommen. Der gute Service muss nicht belohnt werden.
  • Taxifahrer öffnen und schließen für dich die Tür, dafür gibt es einen eigenen Mechanismus im Auto, wodurch der Fahrer nicht aussteigen muss. Es gilt sogar als unhöflich, wenn du die Tür selbst betätigst.
  • Im Bahnhof verbeugen sich Reinigungskräfte vor einfahrenden Zügen – ein freundlicher Gruß an den Fahrer.
  • In vielen Restaurants stehen neben dem Tisch kleine Körbe, in die man die eigene Tasche stellen kann, damit sie nicht dreckig wird (das sollte es doch wirklich in jedem Land geben!)
  • Die Züge in Japan sind extrem pünktlich, so sollen keine Unannehmlichkeiten entstehen.
  • Speisen sind oft außerordentlich schön angerichtet, auch in günstigeren Restaurants. Genauigkeit und Details sollen das Gefühl von Respekt und Mühe reflektieren.
  • Öffentliche Toiletten dürfen zu einem Großteil in Japan überall umsonst benutzt werden, wobei Sauberkeit und Hygiene natürlich an erster Stelle stehen.
  • In Restaurants kommen Kellner nicht selbst, wenn sie nicht gerufen werden. Um auf sich aufmerksam zu machen, gibt es oft sogar einen eigenen Knopf am Tisch. Dies soll sicherstellen, dass Kellnerinnen und Kellner kein Gespräch unterbrechen oder den Gast unter Druck setzen, denn das gilt als unhöflich.
  • Heuerst du in Japan Umzugshelfer an, werden sie jedes Mal ihre Schuhe ausziehen, bevor sie dein Zuhause betreten, um bloß nichts dreckig zu machen.

Dies sind nur ein paar Beispiele, die das rücksichtsvolle Omotenashi-Prinzip verdeutlichen. 

Omotenashi: Was wir uns für den Alltag abgucken können

Geben ist wichtiger als nehmen – Omotenashi erinnert uns daran. Diese Lebensphilosophie basiert auf Dankbarkeit für und Respekt vor anderen. Diese zeigen Japaner durch kleine Gesten. Im Alltag sind wir selbst oft so sehr mit eigenen Gedanken und To-Do’s beschäftigt, dass wir genau diese Gesten vergessen, die so bereichernd für zwischenmenschliche Kontakte jeder Art wären. Und davon profitieren nicht nur Beziehungen – sondern auch unser eigenes Wohlbefinden und Glücksgefühl.

Hier kommen einige Aspekte, die wir uns vom Omotenashi-Prinzip abgucken können:

  • Aufmerksam bleiben: Gehe  bewusster durch den Alltag, grüße Mitarbeiter in Geschäften und bedanke dich für einen guten Service. Kleine Gesten zählen!
  • Hilfe anbieten: Tue etwas Gutes, einfach, weil es das richtige ist. Nicht, weil du etwas dafür zurückbekommst.
  • Höflich bleiben: Verpacke ein Nein so freundlich wie möglich, denn Absagen tun anderen immer weh.
  • Umsichtig sein: Behandele andere so, wie du selbst behandelt werden möchtest, ob im Job oder beim Einkaufen im Geschäft. 
  • Grenzen respektieren: Entscheidungen, Verhalten und Ansichten anderer akzeptieren. 
  • Ego loslassen: Sei die freundliche Person, auch wenn keiner sonst freundlich ist. Die eigene Würde bewahren, statt zurückzuzicken! Nur so können wir die Welt ein Stückchen besser – und freundlicher – machen.

Jetzt weißt du, was sich hinter der japanischen Lebensphilosophie Omotenashi verbirgt. Jedes Land hat seine ganz eigenen Sitten – hier findest du mehr über Sisu heraus, die Lebensphilosophie der Finnen und hier erfährst du, warum Niederländer aufs sogenannte Niksen schwören.

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Brigitte

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