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Persönlichkeit Bist du ein Egoist oder Altruist?

People-pleasing vs. Freundlichkeit: Glückliche Frau
© javi_indy / Shutterstock
Wenn jemand dich braucht, bist du sofort zur Stelle. Warum eigentlich? Tust du es tatsächlich, um einem Menschen, der dir am Herzen liegt, zu helfen oder steckt ein anderes Motiv dahinter? Den Unterschied zwischen wahrer Freundlichkeit und sogenanntem People-pleasing, erfährst du im Folgenden. 

Dein Telefon klingelt, es ist deine beste Freundin: Sie hat sich mit ihrem Partner gestritten und ist am Boden zerstört. Sie braucht ein offenes Ohr. Du überschlägst dich förmlich, um ihr zu helfen. Du hörst ihr zu, schlägst Lösungen für den Streit vor, bietest an vorbeizukommen. Wer würde das auch nicht tun? 

Dinge zu tun, die anderen Menschen guttun, ganz gleich ob in einer Freund- oder Partnerschaft, kann für Beziehungen förderlich sein – oder sie gehen nach hinten los und wirken sich störend auf die Beziehungen aus. Der Unterschied hängt nicht so sehr von der Handlung an sich ab, sondern vielmehr von der Motivation, die dahintersteckt. 

Wahres Mitgefühl – Altruismus

In der Philosophie wird seit Jahrhunderten diskutiert, ob Altruismus, die völlige Selbstlosigkeit, tatsächlich existiert. Wenn das Verhalten einer Person einer anderen nützt, ohne dass es auch dem eigenen Nutzen zugutekommt, ist von Altruismus die Rede. Der Begriff geht auf Auguste Comte, den Mitbegründer der Soziologie, zurück und ist für ihn die höchste aller Tugenden. Doch die Annahme, dass der Mensch von Natur aus selbstsüchtig ist, hat sich anscheinend immer stärker durchgesetzt, wodurch der Altruismus in seiner reinsten Form inzwischen eher ein ethisches Ideal als eine praktikable Handlungsweise darstellt.

Zugegeben, wenn wir einem Menschen helfen, löst dies in uns meist ein gutes Gefühl aus. Streng genommen handelt es sich dann schon nicht mehr um Altruismus, weil wir aus der Handlung einen eigenen Nutzen gezogen haben. Ein ethisches Ideal können wir vielleicht nicht erfüllen, selbstlose Handlungen hingegen schon. Im Alltag zeigen sie sich in Form von wahrem Mitgefühl und aufrichtiger Freundlichkeit. Wenn deine beste Freundin, nennen wir sie Maren, Kummer hat, dann überlegst du nicht lange: Du willst ihr helfen, weil dir ihr Wohlergehen am Herzen liegt. Du möchtest, dass sie glücklich ist und tust dein Möglichstes, um ihr beizustehen. Und dafür erwartest du keinen Dank, keine Gegenleistung.

People-pleasing – Was ist das?

People-pleasing ist vor allem eins: eine Abhängigkeit. Ein People Pleaser möchte es Menschen immer recht machen und kann nicht Nein sagen, wenn er um Hilfe gebeten wird. Das liegt allerdings nicht daran, dass diese Person ein Helfersyndrom hat – die Motivation hat einen eigennützigen Ursprung. Denn meist erwarten People Pleaser eine Gegenleistung für ihre Hilfe. So wird aus einem altruistischen Akt eine Transaktion. Du würdest Maren dann etwa zur Seite stehen, weil du weißt, dass du in naher Zukunft ihre Hilfe benötigen wirst – quid pro quo statt Mitgefühl und Freundlichkeit.

Eine weitere, sehr häufige Form dieser Abhängigkeit ist die Suche nach Bestätigung. Viele Menschen erhoffen sich durch ihre Hilfestellung nämlich Anerkennung. Sie benutzen es als Möglichkeit, anderen und sich selbst zu beweisen, dass sie gute Menschen sind. In diesem Fall erwartest du also von Maren, dass sie mit Sätzen wie "Ohne dich hätte ich das nie geschafft" oder "Auf dich kann ich mich immer verlassen" ihre Wertschätzung auch zum Ausdruck bringt. Vermutlich hoffst du sogar, dass es sich in eurem gemeinsamen Freundeskreis herumspricht, wie hilfsbereit und zuverlässig du bist. Das Verlangen nach Anerkennung kann für eine Beziehung jeder Art problematisch werden. Denn wenn People Pleaser die erwartete Wertschätzung nicht bekommen, werden sie wütend. 

Da sie aber Konflikten grundsätzlich aus dem Weg gehen, sprechen sie ihrn Zorn nicht aus. Stattdessen hegen sie einen stillen Groll gegen die Person, die ihnen die Anerkennung verwehrt hat. Das kann eine Freund- oder Partnerschaft enorm belasten: Maren würde beispielsweise gar nicht verstehen, was sie "falsch" gemacht hat, warum du auf einmal distanziert bist. 

Gesunder Altruismus

Eine Hilfestellung sollte nicht wie ein Vertrag mit entsprechender Gegenleistung angesehen werden. Allerdings ist es normal, sich auch auf sein Gegenüber verlassen zu können – so funktionieren gesunde, zwischenmenschliche Beziehungen. Eine Freund- oder Partnerschaft ist keine Einbahnstraße, sich gegenseitig aufzubauen, gehört dazu. Das sollte bloß nicht berechnend vonstatten gehen. Die gesündeste Form des Altruismus besteht, wenn der Nutzen für die helfende Person nicht von der Reaktion des*der Empfänger*in abhängt. Denn damit ist weder dem People Pleaser noch dessen Freund*in wirklich geholfen.

Verwendete Quellen: Eigenrecherche, psychologytoday.com

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