Was bedeuten Träume?

Kann ich im Schlaf schlauer werden? Und was bedeuten Träume eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Warum träumen wir?

Das ist die große Frage der Traumforschung. Bis vor wenigen Jahren wurden Träume als eine Art Müllabfuhr des Gehirns betrachtet, heute gehen Experten davon aus, dass sie uns helfen, das Tageserleben zu verarbeiten. Aber was bedeuten Träume? Welchen Zweck erfüllt das nächtliche Kopfkino? Wissenschaftler sagen: Träume können im Idealfall belastenden Erfahrungen die Schärfe nehmen, unsere Stimmung beeinflussen und die Sicht auf Erlebtes verändern.

Was passiert in erotischen Träumen?

Zehn Prozent der männlichen und drei Prozent der weiblichen Träume drehen sich um Sex. Messungen zeigen: Frauen haben im REM-Schlaf eine stärker durchblutete Vagina und Männer eine Erektion, manchmal auch einen Samenerguss. Ob allerdings die physische Erregung von erotischen Träumen begleitet wird, weiß man nicht genau. Es ist ein grundsätzliches Problem der Traumforschung, dass die Experten Abläufe im Gehirn zwar exakt messen können, die Inhalte jedoch nur aus den - subjektiven - Erzählungen der Probanden erfahren können. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Ebenen ist komplex.

Wann träumen wir?

Alle Menschen träumen, auch jene, die sich nie an einen Traum erinnern können. Nachts folgen drei bis vier etwa 90 Minuten lange Zyklen aus Leicht-, Tief- und REM-Schlaf aufeinander. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass nur in der REM-Phase geträumt werde. "Falsch", meint der Mannheimer Traumforscher Michael Schredl, "wir träumen immer, wenn auch in unterschiedlichen Intensitäten."

Träumen Frauen anders als Männer?

Frauen erinnern sich häufiger an ihre Träume, und sie erzählen öfter davon als Männer. Bei beiden Geschlechtern taucht der eigene Partner oder die Partnerin in 20 Prozent aller Träume auf. Ansonsten entsprechen viele Trauminhalte den Rollenklischees: Bei Männern geht es häufiger um Aggressionen, sie träumen von Waffen, von der Welt draußen und vom Job. Frauen dagegen beschäftigen sich im Schlaf mit zwischenmenschlichen Kontakten, mit Kleidung und ihrer häuslichen Umgebung. Aber die Trauminhalte verändern sich mit den gesellschaftlichen Entwicklungen: In einer Studie aus den 50er Jahren träumten nur wenige Frauen vom Job - weil die wenigsten einen Job hatten. In einer neueren Studie tummeln sich Chefs und Kollegen auch in weiblichen Träumen - ein Beleg dafür, wie konkret wir nachts die Dramen des Tages beackern.

Können uns Träume auf neue Ideen bringen?

Wie verbessern wir unseren Kundenservice? Was schenke ich meinem Liebsten zum Geburtstag? Wo machen wir Urlaub? Es lohnt sich, eine Nacht über solchen Fragen zu schlafen. Etwa acht Prozent aller Träume haben eine kreative Auswirkung auf das Wachleben. So hat der Chemiker August Kekulé die Ringstruktur des Benzols erträumt und Paul McCartney die Melodie von "Yesterday". Träume können neue Türen öffnen und so zu neuen Ideen beitragen. Wir lösen uns von eingefahrenen Denkmustern, die Anarchie des Traums erfindet neue Zusammenhänge. Auch wenn der Geistesblitz nicht immer dem strengen Blick im Wachzustand standhält - Träume können tolle Denkanstöße sein. Das kreative Potenzial des Traums lässt sich am besten nutzen, wenn man Wach- und Traumzustand vernetzt, und das lässt sich trainieren.

Kann man im Traum lernen?

Schlafende können Wissen abspeichern und Fähigkeiten trainieren, das hat der Neurowissenschaftler Jan Born nachgewiesen. So lassen sich im Klartraum komplizierte Bewegungsabläufe wie Skaten oder Hochspringen gezielt verbessern. Auch beim Lernen von Vokabeln zeigte sich: Beschäftigt man sich kurz vor dem Schlafengehen damit, dann schneidet man im Test besser ab.

Text: Claudia Kirsch Ein Artikel aus BRIGITTE 23/11 Foto: istockphoto.com
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