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Perspektivwechsel Ist weniger wirklich mehr? Zwei Erfahrungsberichte

Perspektivwechsel: eine Frau liegt mit Kleidungsstücken auf dem Boden
© Karin Lacher / Adobe Stock
Minimalismus hat seinen Charme, aber es ist gar nicht so einfach, sich zu beschränken. Zwei Redakteurinnen über ihren Versuch, mit weniger zu leben.

Sina Teigelkötter, BRIGITTE WOMAN-Redakteurin, versucht, Ballast abzuwerfen, und stellt fest: gar nicht so einfach.

Minimalistin, das wär’s doch. So wie Felicia, die ich aus dem Fernsehen kenne. Zusammen mit Marcus, ihrem Minimalisten-Freund, besitzt sie nicht mehr, als in vier Taschen und zwei Kisten passt. Flexibel und frei fühlen sich die beiden, sagen sie. Überzeugend. Und bei der Weltrettung geht ja eh nichts am bewussten Konsumieren vorbei. Dummerweise stehen meinem erfolgreichen Minimalistinnen-Dasein ein paar kontraproduktive Tatsachen im Weg: 1. Meine Kinder. 2. Mein Flohmarkt-Faible. Und 3. mein Barbie-Trauma.

Minimalistinnen-Dasein mit Kindern – wie soll das gehen?

Das mit den Kindern ist selbsterklärend, schlimmere Dinge-Magnete gibt es kaum. Bei Punkt 2 bin ich wirklich auf einem guten Weg. Dann kommt dieses Juli-Wochenende, an dem die Schwabinger Hofflohmärkte stattfinden – und ich bin wieder voll drauf. Und was die Barbie angeht: Meine Mutter hätte mich fragen müssen! Sie einfach so zu verschenken an die Nachbarstochter! Erst als sie weg war, wurde mir klar, wie dringend ich sie noch gebraucht hätte. Und wer weiß schon, ob mir das mit dem fünften Paar Sneaker oder der "Boypower"-CD nicht eines Tages auch so geht? Eben.

Alexandra Busse-Richter, Beauty-Redakteurin, ist eigentlich eine Aufheberin, lernt aber gerade, loszulassen.

Mein Mann und ich haben in unserer Beziehung eine klare Rollenverteilung: Er ist der Wegschmeißer, ich bin die Aufheberin. Vor allem wenn es um alte Briefe, Fotos oder die Babyklamotten unserer Kinder geht. Ich hänge nun mal an dem Kram, und ich liebe es, in alten Kisten zu stöbern. Was ich allerdings nicht liebe, sind vollgestopfte Schränke und Unordnung. Deshalb bleibt mir eigentlich nur eins übrig: weniger Neues einzukaufen.

Zwar streife ich nach wie vor gern online und offline durch Läden und lege Wunschlisten an. Ich habe jedoch einen Trick entdeckt, wie ich mir Spontankäufe abgewöhnen kann: Wenn ich etwas wirklich, wirklich gut finde, schlafe ich ein paar Nächte darüber, dann kühlt meine Begeisterung meist von allein ab,

Mein Trick: ein paar Nächte darüber schlafen

und ich merke, dass ich vermutlich doch ganz gut ohne die grüne Vase oder das rote Kleid weiterleben kann. Und noch etwas habe ich mir angewöhnt: Ich achte auf Qualität. Denn was mich wirklich fertigmacht, sind Dinge, die kurz nach dem Kauf in der Tonne landen, weil sie kaputt oder aus der Form geraten sind. Und was lange schön aussieht, kann ich dann auch lange aufheben.

Brigitte

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