Pippi Langstrumpf: die Akte

Name: Pippi Langstrumpf Adresse: Villa Kunterbund, Schweden Nächster Angehöriger: Ungewiss - wahrscheinlich ihr Vater, allerdings scheint der auf See verschollen Diagnose: Unspezifische Persönlichkeitsstörung Eine Leseprobe aus "Tigger auf der Couch" von Laura James

Auftreten und Verhalten

Pippi Langstrumpf wirkt körperlich gesund. Ihre Zähne sind in einem ausgezeichneten Zustand, was darauf schließen lässt, dass Pippi sie regelmäßig putzt. Ihr Haar trägt sie in ordentlichen Zöpfen. Auch hier scheint sie Sorgfalt walten zu lassen. Ihr Kleidungsstil hingegen ist exzentrisch. Sie behauptet sogar, ihre Kleidung selbst anzufertigen. Sie trägt einen gelbbraun-geringelten und einen schwarzen Strumpf sowie Schuhe, die ihr viel zu groß sind. Pippi ist außergewöhnlich stark. So vermag sie ein Pferd mit nur einer Hand hochzustemmen.

In diesem Alter sind sich Mütter & Töchter am ähnlichsten

Ernährung

Pippi bekocht sich selbst, allerdings auf eine sehr unkonventionelle Art. Sie liebt Pfannkuchen, deren Teig sie mit einer Badebürste schlägt.

Familiärer Hintergrund

Ihre Mutter starb, als Pippi noch ein Baby war. Ihr Vater Kapitän Efraim Langstrumpf verschwand auf einer seiner Fahrten. Pippi ist jedoch davon überzeugt, dass er noch lebt und eines Tages zu ihr zurückkehrt.

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Anmerkungen über die Patientin

Pippi Langstrumpf ist neun Jahre alt und lebt allein mit ihren beiden Tieren, einem kleinen Affen und einem Pferd, das auf der vorderen Veranda zu Hause ist. Sie geht nicht zur Schule und kennt auch keine elterliche Aufsicht. Pippi kann sich bestens allein beschäftigen. In gesellschaftlichen Situationen verhält sie sich oftmals unangemessen. Sie fühlt sich in Gegenwart von Autoritätspersonen nicht wohl und betrachtet gewöhnliche Dinge auf eine seltsame Weise. Ihre gesamte Annäherung an das Leben ist unkonventionell.

Pippi spricht viel mit sich selbst. Sie erzählt sich zum Beispiel, es sei Zeit ins Bett zu gehen. Daraufhin weigert sie sich und muss noch einmal, etwas schärfer, angewiesen werden. Nach einer längeren Diskussion geht sie schließlich ins Bett, wo sie mit den Füßen auf dem Kissen und dem Gesicht unter der Decke schläft. Pippi liebt phantastische Geschichten, die sie zum Teil erfindet. So behauptet sie, dass im Kongo niemand jemals ein wahres Wort spräche und dass die Menschen in Indochina immer und überall auf ihren Händen laufen. Darauf angesprochen, gibt sie jedoch ohne Zögern zu, gelogen zu haben. Pippi liebt es, nach Dingen wie Straußenfedern oder Gummibändern Ausschau zu halten. Allerdings kann sie es dabei zu weit treiben und nimmt zu wenig Rücksicht auf die Gefühle anderer. Als sie einen schlafenden Mann auf dessen Rasen erblickt, behauptet sie, ihn mitnehmen zu wollen. Sie wolle ihn in den Kaninchenstall sperren und Pippi Langstrumpf ist neun Jahre alt und lebt allein mit ihren beiden Tieren, einem kleinen Affen und einem Pferd, das auf der vorderen Veranda zu Hause ist. Sie geht nicht zur Schule und kennt auch keine elterliche Aufsicht. Pippi kann sich bestens allein beschäftigen. In gesellschaftlichen Situationen verhält sie sich oftmals unangemessen. Sie fühlt sich in Gegenwart von Autoritätspersonen nicht wohl und betrachtet gewöhnliche Dinge auf eine seltsame Weise. Ihre gesamte Annäherung an das Leben ist unkonventionell.

Pippi spricht mit anderen sehr autoritär, als sei ihre Methode, etwas zu tun, die einzig richtige. Ihr Problem mit Autoritätspersonen führt dazu, dass ihr Dinge entgehen, die gut für sie wären. Eine gute Ausbildung etwa würde ihr nicht schaden. Aufgrund ihres schlechten Betragens ist ihr der Schulbesuch jedoch verwehrt. Besorgte Nachbarn rufen bei einer Gelegenheit das Jugendamt an und beschweren sich darüber, dass kein Erwachsener Pippi beaufsichtigt. Das Jugendamt schreitet prompt ein und besorgt für sie einen Platz in einem Kinderheim. Als Pippi sich weigert, mitzugehen, wird die Polizei gerufen. Sie verspottet den Polizisten, gibt auf seine Fragen keine vernünftigen Antworten und entzieht sich dem Gewahrsam. Es gibt zahllose weitere Beispiele für ihr fehlangepasstes Verhalten in Gesellschaft. Als sie zu einer Teegesellschaft eingeladen wird, greift Pippi mit ihren Zehen nach den Kuchenstücken und tunkt sie in ihren Tee. Sie verstreut überall auf dem Boden der Gastgeberin Zucker, da sie es spaßig findet, über die knackenden Zuckerkörner zu laufen. Danach fällt sie in den größten Kuchen. Sie behauptet, er sei jetzt ruiniert, und verspeist ihn allein.

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Unspezifische Persönlichkeitsstörung

Diese Diagnose trifft auf jene zu, die nicht den Kriterien spezifischer Störungen entsprechen, aber dennoch das Betragen einer fehlangepassten Persönlichkeit aufweisen. Sie zeigen unter Umständen Verhaltensmuster, die verschiedenen Störungen zuzuordnen sind. Pippi Langstrumpf weist bestimmte Züge einer Störung auf, wie ihre seltsamen Ideen und Vorstellungen, die zumindest teilweise mit denen einer schizotypen Persönlichkeitsstörung übereinstimmen. Andere Verhaltensmuster gehören eher in den Bereich der narzisstischen Persönlichkeitsstörung, wie ihre Überlegenheitshaltung und der Mangel an Einfühlungsvermögen zeigen.

Prognose

Obwohl es ungewöhnlich ist, bei jemandem in Pippis Alter bereits eine Persönlichkeitsstörung zu diagnostizieren, so sprechen die Fakten doch dafür. Angesichts ihres Alters und solange sie entsprechende Behandlung erfährt, wird sie ein normales, erfülltes Leben führen. Zunächst allerdings muss sie an einen Ort mit angemessener Fürsorge gebracht werden. Da sie sich so gar nicht mit der Idee an ein Kinderheim anfreunden kann, sollte Pippi zu einer Pflegefamilie in die Obhut kommen. Es sollte sich dabei um freundliche und geduldige Menschen handeln, die gewillt sind, sie angemessenes Verhalten zu lehren. Sie sollte auch eine Schule besuchen, in der sie Disziplin lernt, gleichzeitig aber ihr bisheriges, unkonventionelles Heranwachsen berücksichtigt wird. Sie sollte dort ermutigt werden, sich Kindern ihrer Altersklasse anzuschließen und Anweisungen von Autoritätspersonen zu akzeptieren.

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