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Hell oder dunkel? Psychologe erklärt: Es gibt zwei Wege, erfolgreich zu sein – welchen wählst du?

Psychologe erklärt: Eine Frau mit Koffer
© Impact Photography / Shutterstock
Laut dem New Yorker Psychologieprofessor Glenn Geher stehen uns generell zwei Strategien zur Wahl, um in unserem Leben erfolgreich zu sein. Entscheidest du dich eher für die helle oder die dunkle?

Was es bedeutet, erfolgreich zu sein, ist abhängig von unseren persönlichen Werten und Überzeugungen. Für einige Menschen bedeutet Erfolg, eine eigene Familie zu gründen und Kinder großzuziehen. Andere empfinden sich als erfolgreich, wenn sie möglichst frei und unabhängig sind und viel von der Welt sehen können. Es kann ein Erfolg sein, toxische Verhaltensmuster zu durchbrechen, sich zu outen, mit dem eigenen Körper Frieden zu schließen oder einen Nachmittag auf der Couch zu verbringen. Erfolg ist relativ und somit ist auch der Weg zu unserem persönlichen Erfolg in der Regel individuell und auf keiner Karte zu finden.

Wenn wir aber mit Erfolg jenes allgemeingültigere Konzept verbinden, das darin besteht, sich gegenüber anderen Menschen durchzusetzen, zu siegen, an Macht und Reichtum zu gewinnen, Führung zu übernehmen und Ähnliches, so gibt es laut Glenn Geher, Psychologieprofessor an der State University of New York, im Allgemeinen zwei Ansätze, um zu diesem Erfolg zu gelangen: Den hellen und den dunklen. 

Der helle und der dunkle Weg zum Erfolg

Der helle Ansatz besteht darin, freundlich, mitfühlend, sensibel und bestärkend mit anderen Mitmenschen umzugehen. "Einige erfolgreiche Menschen sind dadurch an die Spitze gekommen, dass sie sich den Respekt und die Bewunderung von anderen verdient haben, indem sie sich altruistisch, ehrlich und anständig verhalten haben", schreibt der Psychologe in dem Magazin "Psychology Today". "Auf der anderen Seite haben sich viele erfolgreiche Menschen durchgesetzt, indem sie gelogen, betrogen, eingeschüchtert und gestohlen haben." Diesen zweiten Ansatz, den ich-bezogenen, rücksichts- und skrupellosen Weg, bezeichnet Glenn Geher als dunklen Ansatz.

Dass zwei so gegensätzliche Strategien ans Ziel führen können, ist höchst überraschend und absurd, wenn wir einmal darüber nachdenken. Doch schauen wir uns in der Geschichte menschlicher Macht oder in den Führungsetagen der Gegenwart um, stellen wir fest, dass an Glenn Gehers These durchaus etwas dran zu sein scheint. Und auch bei kleineren Alltagskämpfen stehen wir oft vor der Wahl zwischen diesen zwei Alternativen, dem hellen und dem dunklen Ansatz, die uns mit ähnlicher Wahrscheinlichkeit zum Erfolg verhelfen können.

Nehmen wir als Beispiel eine Situation, die wahrscheinlich viele von uns kennen: Wir stehen in der Schlange an der Kasse im Supermarkt unseres Vertrauens und plötzlich öffnet ein:e Mitarbeiter:in eine weitere Kasse nebenan. Nun haben wir die Wahl: Stürmen wir mit unseren Einkäufen hinüber und drängeln uns hektisch vor die Personen, die vor uns in der Schlange standen, jetzt aber auch an die neu geöffnete Kasse wechseln, oder behalten wir die bestehende Reihenfolge bei und stellen uns abermals hinter ihnen an. Die Vordrängel-Variante entspräche offensichtlich dem dunklen Ansatz und unser Erfolg bestünde darin, dass wir schneller dran sind als die anderen Kund:innen. Lassen wir ihnen den Vortritt, wählen wir den hellen Ansatz – und können damit rechnen, dass uns die Menschen, die wir vorließen, wohlgesonnen sind und uns vielleicht beim nächsten Aufeinandertreffen einen Gefallen tun. Es sei denn natürlich, sie sind auf dem stockdunklen Trip.

Welcher Weg ist der bessere?

Als Menschen haben wir ein Grundbedürfnis, zu urteilen und Verhaltensweisen in richtig und falsch oder gut und böse einzuordnen. In Bezug auf die zwei Erfolgsstrategien würden vermutlich die meisten Menschen den hellen Ansatz als richtig und den dunklen als falsch empfinden (sich aber trotzdem im Supermarkt vordrängeln ...). Doch dass in vielen Bereichen beide Wege zum Ziel führen und funktionieren, scheint nun einmal Realität zu sein und hat sicherlich mindestens einen Grund. Unser Urteil wird daran nichts ändern. Die Entscheidung, welchen Ansatz wir wählen, bleibt uns trotzdem zu treffen.

Der dunkle Ansatz geht augenscheinlich mit sehr viel mehr Kämpfen einher als der helle. Wenn ich mich prinzipiell für das Vordrängeln entscheide, werde ich immer auf der Hut sein, immer die erste sein müssen, die merkt, dass eine neue Kasse aufgemacht wird, damit ich stets vorne bleibe. Reihe ich mich hingegen anständig und freundlich ein, brauche ich nicht beziehungsweise weniger zu fürchten, dass mir andere Kund:innen böswillig ihre Einkaufswagen in die Hacken schieben. Mit dem hellen Ansatz gleiten wir eher zum Erfolg. Vielleicht nicht immer ganz so schnell und effizient wie mit dem dunklen, aber unter Umständen oft entspannter und nachhaltiger.

Wir müssen uns nicht ein für allemal entscheiden, welche Erfolgsstrategie wir grundsätzlich für den Rest unseres Lebens und in jeder Situation wählen. Ein Stück weit ist es sicherlich eine Typ- und Charakterfrage, mit welcher Variante wir ruhig schlafen können und uns wohler fühlen. Ein Stück weit mag es auch von unseren Erfahrungen abhängen, welchen Weg wir wann einschlagen. Aber ein Argument spricht doch generell dafür, zumindest hin und wieder den hellen Ansatz zu bemühen: Selbst der größte Erfolg verliert an Glanz, wenn wir ihn alleine feiern müssen. Und zu scheitern ist weitaus weniger schlimm, wenn uns anschließend jemand in den Arm nimmt und tröstet.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com 

sus Brigitte

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