VG-Wort Pixel

Serendipity 3 Gewohnheiten von Menschen, die unverschämtes Glück zu haben scheinen

Psychologie: Eine fröhliche Frau
© pikselstock / Adobe Stock
Manche Menschen werden vom Pech verfolgt, andere scheinen als Glückspilze zur Welt gekommen zu sein. Zufall? Eine höhere Macht? Oder hat es vielleicht damit zu tun, wie die Betreffenden durchs Leben gehen? Letzteres – sagt der Psychologe Christian Busch.

Abflug verspätet. Gut 300 Passagiere warten zwei Stunden lang am Gate, bis es endlich losgeht. Für 100 von ihnen ist die Verspätung besonders bitter: Sie verpassen dadurch einen Anschlussflug, noch dazu den letzten an diesem Tag, der sie an ihren Zielort bringen würde. Sie müssen eine Nacht im Hotel verbringen und werden einen ganzen Tag später als geplant zu Hause ankommen.

So ein Pech. Allerdings nur für 98 der Betroffenen. Denn zwei der Passagiere verbringen zusammen auf Kosten der Fluggesellschaft einen lustigen Abend im Hotelrestaurant und schließen dabei eine Freundschaft fürs Leben. So ein Glück. Die Zwei sind sicherlich Sonntagskinder. Oder Auserwählte. Auf jeden Fall gehören sie offenbar zu diesen typischen Glückspilzen, bei denen sich nahezu jedes Problem früher oder später in Wohlgefallen auflöst und die ständig zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Die Welt ist eben ungerecht und Glück und Pech sind ungleich verteilt.

Oder tragen diese beiden Passagiere und all die anderen Gustavs Gans unseres Universums womöglich selbst etwas zu ihrem Glück bei? Der Psychologe Christian Busch zumindest geht ganz stark davon aus.

"Viele halten Serendipität für ein passives Glück, das uns oder anderen einfach so passiert", schreibt der Psychologe in einem Blog-Beitrag in "Psychology Today", "tatsächlich ist es jedoch ein aktiver Prozess des Registrierens und Verbindens von Punkten. Bei smartem Glück geht es darum, Brücken zu sehen, wo andere Schluchten wahrnehmen, und dann die Initiative zu ergreifen und zu handeln." Christian Busch zufolge spielen unsere Herangehensweise, Denk- und Wahrnehmungsmuster eine Rolle dabei, wie empfänglich wir für glückliche Zufälle sind. Insbesondere folgende drei Gewohnheiten seien nach seiner Ansicht ein Grund dafür, dass Menschen, denen sie zu eigen sind, scheinbar außerordentlich viel Glück haben. 

3 Gewohnheiten von Menschen, die unverschämtes Glück zu haben scheinen

1. Sie rechnen mit dem (erfreulichen) Unerwarteten.

Wir können einiges im Leben planen, doch unerwartete Zwischenfälle ereignen sich nun einmal. Für die meisten Menschen nichts Neues, deshalb kalkulieren viele außerplanmäßige Vorkommnisse mit ein und bereiten sich so gut es geht darauf vor – allerdings weitestgehend auf negative. So haben einige bei Vorträgen stets einen Ausweichplan oder Sprüche zur Zeitüberbrückung parat für den Fall, dass die Technik nicht funktioniert. Andere nehmen lieber einen Bus, der sie ohne Stau und Verspätungen zwei Stunden früher ans Ziel bringen würde, als den, der bei reibungslosem Ablauf perfekt passen würde. Solche Maßnahmen wappnen uns für die Unwahrscheinlichkeiten des Lebens – zumindest für die negativen. Glückspilze hingegen stellen sich auf das Eintreten positiver Zwischenfälle genauso ein wie auf das Eintreten von Komplikationen. Und dadurch sind sie offenbar tatsächlich empfänglicher für unwahrscheinliches Glück. Zumindest deutet folgendes Experiment darauf hin.

Forschende beobachteten zwei Personen in einer identischen, gestellten Situation. Die eine verstand sich selbst als Glückspilz, die andere hielt sich eher für einen Pechvogel. Die Versuchsleitenden baten beide Menschen nacheinander, in ein Café zu gehen, um einen Kaffee zu trinken. Vor dem Café platzierten sie einen Fünf-Euro-Schein, drinnen saß ein Geschäftsmann direkt neben der Kasse. 

Der Glückspilz sah den Schein beim Betreten des Cafés und steckte ihn ein, außerdem setzte er sich neben den Geschäftsmann und unterhielt sich mit ihm. Dem Pechvogel fiel weder das Geld auf, noch schien er Notiz von dem anderen Cafégast zu nehmen. Am Ende des Tages berichtete der vom Glück verfolgte Mensch, er habe einen tollen Tag gehabt: Erst habe er Geld auf der Straße gefunden, dann ein interessantes Gespräch mit einem Geschäftsmann geführt. Die glücklose Person erzählte, ihr Tag sei ohne besondere Vorkommnisse gewesen. 

Gewiss ist dies nur ein Beispiel und keine repräsentative Studie mit Beweiskraft. Doch ebenso, wie wir mit negativen Zwischenfällen besser umgehen können, wenn wir uns der Möglichkeit, dass sie eintreten, bewusst sind, erscheint es durchaus plausibel, dass es sich mit positiven Zwischenfällen ähnlich verhält. Tatsächlich ist positives Unwahrscheinliches genauso wahrscheinlich wie negatives Unwahrscheinliches. Und wenn uns das nicht so vorkommt, liegt es vielleicht daran, dass wir das positiv Unwahrscheinliche oftmals übersehen.

2. Sie akzeptieren die Grenzen ihrer Kontrolle und die Bedeutung von Zufällen.

Gerade wenn wir zurückblicken, neigen wir dazu, alles, was uns passiert ist, als eine konsequente Abfolge unserer Handlungen wahrzunehmen. Aus Schritt A folgte X, woraufhin wir mit Schritt B reagierten, der wiederum Y nach sich zog und so weiter. Tatsächlich blenden wir dabei oftmals eine ganze Reihe von Zufällen aus, die die Abfolge unserer Handlungen in hohem Maße beeinflusst haben. Verständlich, denn unser Gehirn liebt Klarheit, Kontrolle und Kausalität. Das eigene Leben und Geschick nicht komplett selbst lenken zu können, ist für viele Menschen eine beängstigende Vorstellung. Allerdings handelt es sich bei dieser Vorstellung um eine Tatsache. Und sie zu leugnen, kann den Blick auf die Chancen versperren, die uns der Zufall vor die Füße spült. 

Glückspilze erkennen typischerweise an, dass Zufall und Glück eine sehr große Rolle für ihren Lebensweg spielen und das macht sie offen und empfänglich für unvorhergesehene Möglichkeiten.

3. Sie lassen sich auf Experimente mit offenem Ausgang ein.

Die meisten Menschen fühlen sich am wohlsten, wenn sie bekannte Methoden und Strategien anwenden können, um Herausforderungen und Aufgaben zu bewältigen. Zurecht. Was sich in der Vergangenheit bewährt hat, kann schließlich nicht verkehrt sein. Doch woher wollen wir wissen, ob eine Strategie die beste ist, wenn wir keine andere ausprobiert haben? Vielleicht schmecken uns die Erdbeeren ja noch besser, wenn wir ein wenig Pfeffer darüber streuen. Oder schwimmen macht uns genauso viel Spaß oder sogar mehr als Zirkeltraining. Die Wahrscheinlichkeit, Glück zu haben, steigt typischerweise mit der Bereitschaft, Neues auszuprobieren, auch wenn damit manchmal Risiken verbunden sind. Glückspilze verfügen meist über diese Bereitschaft. Allerdings nicht durch einen höheren Zufall, sondern weil sie sich dazu entschieden haben.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

Mehr zum Thema