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Psychologie 3 Schlüsseleigenschaften, die ausgeglichene Menschen gemeinsam haben

Psychologie: Eine Frau balanciert über eine Mauer
© simona pilolla 2 / Shutterstock
Manche Menschen scheinen durch nichts aus dem Gleichgewicht zu bringen zu sein. Was sie miteinander verbindet, hat ein Forschungsteam aus der Schweiz mit einem neuen Ansatz untersucht.

Im Leben geht es manchmal drunter und drüber und vielen Menschen fällt es schwer, stets ihre innere Balance zu bewahren. Im Grunde kann es jederzeit schnell und leicht passieren, dass wir von äußeren Einflüssen und Vorkommnissen mitgerissen und von unserer seelischen Mitte fortgetrieben werden. So kann es beispielsweise schon genügen, dass fünf verschiedene Menschen gleichzeitig etwas von uns wollen und ihre Anliegen alle dringend erscheinen lassen, damit in uns das Gefühl entsteht, dass wir überfordert sind und unser Leben nicht im Griff haben. Indes ist nicht zu erwarten, dass die Welt um uns herum in absehbarer Zeit ruhiger und entspannter wird, im Gegenteil: Pandemie und Flutkatastrophe werden vermutlich nicht die einzigen Krisen bleiben, die wir gemeinsam zu bewältigen haben.

Nun gelingt es einigen Menschen besser, die kleinen und großen Herausforderungen des Lebens einigermaßen stabil, mit einer gesunden Pulsfrequenz, halbwegs klaren Gedanken und Gefühlen durchzustehen – und anderen schlechter. Warum ist das so? Was unterscheidet die Persönlichkeiten psychisch stabiler Menschen von weniger ausgeglichenen Personen? Mit dieser Frage beschäftigen sich zahlreiche Psycholog:innen tagtäglich und viele von ihnen haben bereits nützliche Antworten gefunden. Ein Forschungsteam aus der Schweiz hat nun in Frontiers in Psychology einen neuen Ansatz vorgestellt, der bisherige Theorien um Resilienz, Mental Wellness, positive Psychologie und psychische Stabilität ergänzen kann.

10 grundlegende Werte beeinflussen unser psychisches Gleichgewicht 

Anhand von eigenen Befragungen von mehr als 900 Menschen sowie Analysen weiterer Forschungsdaten ermittelten die Wissenschaftler:innen unter der Leitung von Anastasia Besika ein Set von grundlegenden Werten, die unsere psychische Balance maßgeblich zu beeinflussen scheinen. Diese sind:

  1. Selbstbestimmtheit: Ich entscheide, wie mein Leben verläuft.
  2. Stimulation: Ich bin aufgeschlossen, Neues im Leben zu entdecken.
  3. Hedonismus: Ich kann das Leben genießen.
  4. Erfolg: Ich bemühe mich, mein Bestes zu geben und in dem, was ich tue, erfolgreich zu sein.
  5. Macht: Ich bemühe mich, Mittel und Einfluss zu gewinnen.
  6. Sicherheit: Ich fühle mich grundsätzlich sicher, egal wo ich bin.
  7. Konformität: Ich halte mich aus Respekt gegenüber anderen Menschen an die sozialen Regeln.
  8. Tradition: Ich glaube an die Werte und Ideen meiner Kultur beziehungsweise Religion.
  9. Wohlwollen: Meine Familie, Freund:innen und andere mir nahestehenden Menschen sind mir wichtig und beschäftigen mich.
  10. Universalismus: Alles, was auf diesem Planeten passiert, bedeutet mir etwas.

"Alle zehn dieser universellen Werte sind wichtig und wirken sich in unterschiedlichem Grad auf unsere psychische Balance aus.", wird die Studienleiterin in Psychology Today zitiert. "Wir haben mehrere Werte und können unsere Prioritäten an verschiedene Situationen anpassen. Auch wenn wir unsere Werte immer unterschiedlich priorisieren, sind niedriger priorisierte Werte als Teil unseres Wertesystems stets genauso wichtig wie die anderen." 

3 Schlüsseleigenschaften ausgeglichener Menschen

Bei Menschen, die tendenziell psychisch stabil und ausgeglichen durch ihr Leben gehen, erkannten die Forschenden folgende Eigenschaften in Bezug auf die genannten Werte als besonders entscheidend an.

1. Sie haben Werte, die ihnen Halt bieten.

Bei psychisch ausgeglichenen Menschen stellten die Forschenden fest, dass sie einige besonders stark ausgeprägte Werte hätten, über die sie sich als Person identifizierten und die ihnen grundlegenden Halt gäben. Bei manchen mag es ihr religiöser Glaube sein, andere mögen einen stärkeren Fokus auf Eigenständigkeit legen, wieder andere auf Lebensgenuss oder die Beziehung zu ihren Liebsten. Entscheidend ist, dass die jeweiligen Kernwerte Stabilität und gegebenenfalls Trost spenden können, wenn nötig, dass wir uns, wenn wir uns auf sie konzentrieren, wohler und entlastet fühlen.

2. Sie sind flexibel in Bezug auf die Priorisierung ihrer Werte.

Zugleich seien psychisch ausgeglichene Menschen anpassungsfähig und flexibel im Hinblick auf die Priorisierung ihrer Werte. So wird etwa eine Person, selbst wenn es für sie persönlich sehr wichtig ist, erfolgreich zu sein, im Idealfall einen Gang herunterschalten und beispielsweise mehr den Lebensgenuss in den Vordergrund stellen, sobald ihr Körper ihr Signale gibt, dass er Ruhe braucht. Und auch der selbstbestimmteste Mensch wird, sofern er über eine gute psychische Balance verfügt, während einer Pandemie seine Konformität entdecken und priorisieren können, ohne dadurch in eine Persönlichkeitskrise zu geraten.

3. Sie investieren in etwa gleich viel in sich selbst und andere Menschen.

Ein weiterer Punkt, der den Forschenden aus Zürich als zentral erscheint: Menschen mit einer guten inneren Balance investieren ungefähr genauso viel Zeit und Energie für sich wie für andere. Dabei kann investierte Zeit in andere ein Abend mit Freund:innen sein, freiwilliges Engagement zu wohltätigen Zwecken, Zusammensein mit der Familie. Investierte Zeit in sich selbst bedeutet hingegen, eigenen Hobbys nachzugehen, sich alleine auszuruhen oder zu zerstreuen. Hält sich beides die Waage, wirke sich das offenbar positiv auf das psychische Gleichgewicht aus, besteht auf einer Seite ein Übermaß macht uns das offenbar leichter angreifbar.

Krisen können wir nicht üben

Letztendlich wissen wir im Vorfeld nie hundertprozentig, wie ein bestimmter Mensch mit einer bestimmten Krise fertig wird, bis er sie erlebt. Auf einige Herausforderungen können wir uns nicht vorbereiten, sondern sie nur auf uns zukommen lassen und dann improvisieren. Helfen werden uns sicherlich in jeder denkbaren Situation persönliche Beziehungen, die uns Halt und Stabilität geben können, wenn unsere innere Balance ins Wanken gerät. Sie zu priorisieren, ist daher, auch zur Krisenvorbereitung, niemals verkehrt. 

Verwendete Quellen: frontiersin.org, psychologytoday.com

Brigitte

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