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Surface Acting 5 Anzeichen, dass ein Mensch seine Gefühle nur vortäuscht

Psychologie: Eine Gruppe von Frauen
© Nejron Photo / Shutterstock
Ist dein Gegenüber wirklich aufrichtig mit dir? Oder zeigt es dir nur vorgetäuschte Emotionen? An fünf Signalen kannst du Letzteres, sogenanntes Surface Acting, erkennen.

Unsere Emotionen haben grundsätzlich einen Sinn – und sie zu zeigen, ist im sozialen Miteinander häufig von Vorteil. Wenn uns ein Mensch zum Beispiel verletzt und wir darauf offensichtlich traurig oder wütend reagieren, kann die Person ihr Fehlverhalten erkennen, um Verzeihung bitten und sich in Zukunft besser auf uns einstellen. Strahlen wir aus, dass wir uns gestresst fühlen, verkneifen sich andere wahrscheinlich eher, uns um etwas zu bitten oder auf sonstige Weise zusätzlich zu belasten, als wenn wir gelangweilt oder tiefenentspannt wirken. Um es kurz zu fassen: Wer die eigenen Gefühle offen zeigt, verschafft anderen Menschen damit Klarheit und erleichtert es ihnen, sich auf die Situation einzustellen und sich angemessen zu verhalten.

Klingt erst einmal einleuchtend und einfach. Wird aber bei näherem Hinsehen doch noch etwas komplizierter.

Warum wir unsere Gefühle nicht immer ehrlich zeigen (möchten)

Zum Einen können wir nicht in jedem Kontext sicher sein, dass andere Menschen sorgsam mit uns umgehen, wenn sie unsere wahren Gefühle kennen. Ohne zu unterstellen, dass es böse Menschen mit bösen Absichten gibt, ist es in gewissen Kontexten denkbar, dass Personen die Macht, die ihnen zum Beispiel das Wissen um unsere wunden Punkte verleiht, zu ihrem Vorteil ausnutzen. Und uns damit schaden. Die eigenen Interessen stehen nämlich bei den meisten Menschen über denen einer anderen Person, besonders wenn keine tiefere Verbindung zu dieser Person besteht. So dient es manchmal unserem eigenen Schutz, uns im Hinblick auf unsere Gefühle bedeckt zu halten.

Zum Anderen gilt es in einigen Situationen als unhöflich oder unangebracht, emotional zu reagieren. So können wir unserer:m Vorgesetzten zum Beispiel durchaus kritisches Feedback geben, wenn es angemessen ist. Aber offen wütend zu werden, wenn er:sie in unseren Augen Mist gebaut hat, erscheint in den meisten Arbeitsverhältnissen wohl undenkbar. Vom Glück verfolgte Freund:innen beneiden wir tendenziell auch eher im Stillen als mit offensichtlichen Gesten, da wir in einer Freundschaft (von uns) erwarten, sich füreinander freuen zu können.

Surface Acting: Mit falschen Emotionen die echten überspielen

Aus diesen und einigen weiteren Gründen üben sich viele Menschen in ihrem Alltag immer wieder im sogenannten Surface Acting, das heißt, sie verbergen ihre wahren Gefühle und spielen andere vor. Der typische Fall dabei ist, dass wir unangenehme Emotionen wie Wut, Angst oder Enttäuschung für uns behalten und stattdessen Gelassenheit, Mut oder Freude vortäuschen. Umgekehrt kann es auch vorkommen, doch geschieht das deutlich seltener.

Das Fiese (oder Gute) ist nun: Wer genau hinschaut, kann Surface Acting meist relativ klar erkennen. Die Psychologin Susan Krauss Whitbourne hat bei Psychology Today typische Hinweise geteilt.

5 Anzeichen, dass ein Mensch seine Gefühle nur vortäuscht

1. Die Situation passt nicht zu dem gezeigten Gefühl

Wenn du in der Situation deines Gegenübers wärst, wie würdest du dich fühlen? Beziehungsweise wie fühlst du dich in der Situation, in der ihr beide gerade steckt? Wenn die Emotion, zum Beispiel das gelassene Lächeln, die ein Mensch zeigt, für dein Gefühl nicht zu der Situation passt, in der sie oder ihr euch befindet, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie nicht echt ist. Natürlich kann er die Situation auch anders wahrnehmen als du. Aber da ihr beide Menschen seid, sollte eure Einschätzung und Gefühlslage zumindest ähnlich sein – und nicht völlig gegensätzlich.

2. Du hast das Gefühl, dass etwas nicht stimmt

Da nur wenige Menschen begnadete Schauspieler:innen sind, weist die Darbietung der meisten Leute beim Surface Acting gewisse Mängel auf. Typisch ist etwa, dass sie die vorgetäuschte Emotion übertreiben. Dass sie sich zu überschwänglich freuen, zu laut lachen, zu sehr betonen, wie glücklich sie sind. Wenn das Verhalten deines Gegenübers unnatürlich auf dich wirkt, kann es also daran liegen, dass es sich gerade im Surface Acting versucht.

3. Die Person zeigt leichte Anzeichen von Stress

Ist das Lachen nicht nur zu laut, sondern hat auch einen nervösen Touch? Redet die Person plötzlich schneller als sonst? Oder wippt mit dem Fuß? Surface Acting ist für die:den Schauspieler:in meistens mit Stress verbunden und wenn du aufmerksam bist, kannst du ihn ihr:ihm anmerken.

4. Mit dem gezeigten Gefühl ist ein Vorteil verknüpft

Wie bereits gesagt dient Surface Acting normalerweise einer Funktion, wenn auch nur einer vermeintlichen. Fragst du dich also, welchen Vorteil die betreffende Person durch die an den Tag gelegte Emotion haben könnte – und welchen Nachteil von einer anderen –, und findest darauf eine plausible Antwort, spricht das dafür, dass sie sich strategisch klug oder sinnvoll verhält. Aber nicht unbedingt ehrlich.

5. Die Person beginnt abzudriften

In der Regel können Menschen eine gespielte Rolle nur für einen begrenzten Zeitraum durchhalten, schließlich kostet es Kraft, sich zu verstellen. Deshalb lässt sich meistens beobachten, dass eine Person nach einer Weile beginnt, aus der Rolle zu fallen oder sogar komplett aus der Situation abzudriften, wenn sie sich im Surface Acting versucht.

Surface Acting ist kein Verbrechen und die meisten Menschen täuschen gelegentlich andere Emotionen vor, als sie wirklich empfinden. Wenn dieses Verhalten allerdings zur Regel wird, kann das problematisch werden: Laut Studien schadet häufiges Vorspielen falscher Emotionen unserer Gesundheit sowie unserem Wohlbefinden. Wir fühlen uns unzufrieden, gestresst und können physisch wie psychisch krank werden. Außerdem kann es passieren, dass wir durch zu viel Surface Acting verlernen, authentisch und wir selbst zu sein. Das wiederum steht uns dabei im Weg, echte, tiefe persönliche Beziehungen einzugehen. Die wir in unserer Natur als Mensch aber dringend brauchen. Bei Personen, die uns nahestehen und denen wir vertrauen, können wir daher auf jeden Fall probieren, unsere Masken abzusetzen und ihnen ehrlich zu zeigen, was wir fühlen. Denn unterm Strich wappnen uns oft auch unsere aufrichtigen Beziehungen für Situationen, in denen uns Fremde beim Surface Acting erwischen, die uns besser nicht erwischt hätten.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

sus Brigitte

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