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"Tut mir leid, dass ich weine!" 7 Anzeichen dafür, dass du am Sorry-Syndrom leidest

"Tut mir leid, dass ich weine!": 7 Anzeichen dafür, dass du am Sorry-Syndrom leidest
© Wayhome Studio / Adobe Stock
"Hör auf, dich immer für alles zu entschuldigen!“ Na, hast du diesen Satz schon mal gehört oder wird er dir sogar häufig gesagt? Dann kann es sein, dass du, so wie viele andere, unter dem Sorry-Syndrom leidest.

Schon von klein auf lernen wir: wer einen Fehler machen, entschuldigt sich dafür. Meistens sind Entschuldigungen sogar etwas Schönes, zum Beispiel wenn nach einem Streit beide Seiten wieder zueinander finden und man einander wertschätzt und respektiert. Doch viele Menschen neigen dazu, sich übermäßig oft zu entschuldigen, teilweise für Dinge, für die sie gar nichts können. Das Sorry-Syndrom beschreibt genau dieses Verhalten.

Aber woher kommt das übermäßige Entschuldigen überhaupt?

Was dein Selbstwertgefühl mit dem Sorry-Syndrom zu tun hat

Das Verhalten kann viele Hintergründe haben, wie zum Beispiel eine sehr strenge Erziehung. Eine Entschuldigung kann uns manchmal als Fluchtmöglichkeit aus einer Situation erscheinen. Aber auch ein geringes Selbstwertgefühl, der Wunsch nach sozialer Akzeptanz, Mobbing oder das Geschlecht können eine Rolle spielen. So sind Frauen häufiger von dem Syndrom betroffen als Männer. Das liegt vor allem an erlernten Geschlechterstereotypen, nach denen Frauen für die Harmonie in der Gesellschaft verantwortlich sind und daher eher dazu neigen, sich zu entschuldigen.

Manchmal fällt uns das Sorry-Syndrom zuerst bei anderen – und dort sogar als eher anstrengende Angewohnheit – auf. Dabei hat das Syndrom aber vor allem für die sich entschuldigende Person negative Folgen: Wer sich für Dinge entschuldigt, für die keinesfalls eine Entschuldigung notwendig wäre, kränkt damit sein eigenes Selbstwertgefühl. Denn in dem Moment stellt man die Bedürfnisse anderer über die eigenen. Und damit tut man letztendlich niemandem einen Gefallen – und müsste sich, wenn überhaupt, eher bei sich selbst entschuldigen.

Ertappt? Diese sieben Anzeichen sprechen dafür, dass auch du vom Sorry-Syndrom betroffen bist:

1. Du entschuldigst dich für Dinge, für die du nichts kannst

Wenn du dich dabei ertappst, wie du dich für Umstände entschuldigst die außerhalb deiner Handlungsmöglichkeiten liegen, zum Beispiel wenn du ein Treffen absagst, weil du krank bist oder dich für andere Menschen entschuldigst, kann das ein erstes Anzeichen für das Sorry-Syndrom sein.

2. Du entschuldigst dich für unwichtige Dinge

Sich im Alltag zu entschuldigen, ist ganz normal, aber wenn dir bei jeder Kleinigkeit ein "Entschuldige!" rausrutscht, solltest du reflektieren, ob es hier wirklich notwendig war. Wenn das nicht der Fall ist, überlege, wieso du so ein Bedürfnis danach hast.

3. Du entschuldigst dich, um Konflikte zu vermeiden

Man sollte immer für seine eigenen Rechte und Werte einstehen. Leichter gesagt, als getan, wissen wir. Merkst du aber, dass du dich in Situationen zurückhälst, obwohl du Ungerechtigkeit erfährst und dich aus Konfliktscheu entschuldigst, übergehst du damit deine eigenen Grenzen – dabei ist es wichtig, diese dem Gegenüber durchaus aufzuzeigen.

4. Du entschuldigst dich für bei der Bitte um kleine Gefallen

"Kann ich mir kurz einen Stift leihen?“ Hast du bei so einer Frage schon den Drang ein "Sorry“ vorne anzustellen oder zögerst selbst bei Freund:innen um einen Gefallen zu bitten, dann aufgepasst: da ärgert uns das Sorry-Syndrom mal wieder. Hier ist keine Entschuldigung notwendig.

5. Du entschuldigst dich mehrmals

Hier gilt die Regel: Einmal reicht. Sieh es mal so: Zu häufige Entschuldigungen werden irgendwann nicht mehr ernstgenommen. Dann lieber einmal aufrichtig.

6. Du entschuldigst dich für dich selbst

Ein niedriges Selbstwertgefühl führt häufig dazu, dass wir uns egal wann und wo fehl am Platz fühlen. Jeder Mensch ist wertvoll, niemand sollte sich für sein  bloßes Sein oder seine Gefühle entschuldigen müssen.

7. Menschen sagen dir, dass du dich zu oft entschuldigst

Der wohl eindeutigste Hinweis, dass dich das Sorry-Syndrom gepackt hat, ist wohl, wenn es auch den Menschen um dich herum auffällt. Wenn dich Freund:innen oder Familie darauf aufmerksam machen, versuche es dir zu Herzen zu nehmen. Denn offenbar erwarten sie gar nicht, dass du dich so oft entschuldigst.  

Wenn du dich in den Punkten wieder erkennst, ist es vielleicht Zeit zu hinterfragen, was dich zu so übermäßigem Entschuldigen bringt. Aber wie? Erst einmal kannst du versuchen, darauf zu achten, in welchen Situationen es dir besonders oft passiert – und dich direkt stoppen, wenn es dir über die Lippen kommen will. Außerdem kann es hilfreich sein, die typischen Entschuldigungs-Phrasen durch andere zu ersetzen. Auch ein "Stimmt, da hast du Recht!“ kann deine Wertschätzung ausdrücken. Der letzte Tipp kann etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen und erfordert etwas Arbeit: Lerne "Nein“ zu sagen. Dein Selbstwertgefühl wird es dir danken!

Brigitte

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