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Psychologie Die 12 Archetypen des Unbewussten – welcher herrscht in dir?

Psychologie: Eine Frau von hinten mit Hut
© eva_blanco / Shutterstock
Der Psychologe Carl Gustav Jung beschrieb zwölf Archetypen, die unser Unterbewusstsein prägen und unser Handeln beeinflussen. Welche sind in dir besonders dominant?

Oft ist unser Handeln und Entscheiden ebenso schwer zu berechnen wie zu erklären. Neurowissenschaftler:innen suchen und finden in den Untiefen unserer Hirnwindungen und -regionen zwar immer mehr Gründe dafür, dass wir ticken, wie wir ticken, und sind, wie wir sind, doch viele unserer Motive liegen nach wie vor im Verborgenen – und werden dort möglicherweise noch lange bleiben. 

Für den Moment können wir davon ausgehen, dass uns mitunter sehr unterschiedliche innere Stimmen zureden, denen wir selten wissentlich zuhören, aber dennoch folgen. Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung prägte in diesem Zusammenhang das Modell der zwölf Archetypen, die unser kollektives Unbewusstes ausmachen: Urtypen, die in uns allen angelegt sind, jedoch in unterschiedlich starker Ausprägung zum Vorschein kommen. Carl Gustav Jung leitete diese Archetypen aus einer Sammlung von Märchen, Erzählungen und Legenden unterschiedlicher Kulturen ab, erhob dabei jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit – wahrscheinlich schlummern noch viele weitere Archetypen in uns.

Jeder der Archetypen verfolgt in gewisser Weise eine eigene Agenda und verleiht einem oder mehreren in uns angelegten Bedürfnissen Ausdruck. Wie stark ein Archetyp in unserem Handeln, Denken und Entscheiden zum Vorschein kommt, hängt unter anderem von unserer Erfahrung, also unserem Lebenslauf, unserem Umfeld, also der Situation, in der wir uns befinden, und vermutlich auch von unseren Genen ab. Die Archetypen lassen sich grob vier Bereichen zuordnen, die sich aus der Ähnlichkeit ihrer Anliegen ergeben.

Die zwölf Archetypen des kollektiv Unbewussten

Ordnung – Struktur geben

Herrscher (Kontrolle)

Der Herrscher-Archetyp ist in zahlreichen Geschichten zu finden und wird beispielsweise in der griechischen Mythologie durch den Gott Zeus verkörpert. In diesem Archetyp ist ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Macht und Kontrolle manifestiert, durch sein starkes Selbstbewusstsein befähigt er dazu, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen – auch für und über andere Menschen.

Schöpfer (Innovation)

Der Schöpfer-Archetyp repräsentiert unsere kreative, fantasievolle Seite. Ihn treibt maßgeblich das Bedürfnis an, Neues zu erschaffen und Grenzen zu überwinden. Ein starkes Verlangen nach Freiheit und Innovation zeichnet ihn aus, zudem ist er risikofreudig, unabhängig und selbstsicher.

Pfleger (Fürsorge)

Dem Pfleger-Archetyp liegt das Empfinden zugrunde, stärker und belastbarer zu sein als gewisse Mitmenschen und aus diesem Grunde für sie da sein zu können. Er äußert sich in Mitgefühl, Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit und entspringt in erster Linie unserem Bedürfnis nach Kontrolle und Einfluss. In der griechischen Mythologie repräsentiert diesen Archetyp am besten die Göttin Hera.

Erfüllung – Sehnsucht nach dem Paradies

Unschuldiger (Reinheit)

Der unschuldige Archetyp möchte stets an das Gute und an eine höhere Gerechtigkeit in unserem Universum glauben. Ihn prägt das Bedürfnis nach Harmonie, Zufriedenheit und Frieden. Wenn dieser Archetyp unser Handeln bestimmt, gehen wir Konflikten meist aus dem Weg, sind angepasst, bemühen uns, es anderen recht zu machen – und lassen uns von Optimismus, Mut und Zuversicht leiten.

Weiser (Wissen)

Der weise Archetyp zeichnet sich durch Neugier und Wissensdrang aus. Zusammenhänge verstehen, Erkenntnisse gewinnen, Informationen sammeln und miteinander in Beziehung setzen – so versucht dieser Archetyp, dem ihm eigenen Bedürfnis nach Verständnis und Klarheit zu entsprechen.

Entdecker (Freiheit)

Der Entdecker-Archetyp sucht immer wieder nach Abenteuer und Abwechslung. Ihm wohnt ein ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis inne, das ihn mutig und experimentierfreudig macht. Bei vielen Menschen wird dieser Archetyp in Phasen von Stillstand und Eintönigkeit getriggert, zudem rufen ihn meist Regeln und Einschränkungen auf den Plan.

Veränderung – Spuren hinterlassen

Rebell (Revolution)

Der rebellische Archetyp lehnt sich gegen Prinzipien, Regeln und besonders Traditionen auf. Er möchte weder Grenzen noch Konventionen und Vorgaben akzeptieren, schon gar nicht ohne gute Argumente. Dieser Archetyp ist von unterschiedlichen Bedürfnissen motiviert, unter anderem einer Sehnsucht nach Freiheit, Kontrolle, Veränderung, Sinn und Weltverbesserung. Überflüssig zu erwähnen, dass Menschen, deren rebellische Seite am Steuer sitzt, öfter mal anecken und Schwierigkeiten haben können sich anzupassen und zu integrieren. Nichtsdestotrotz sind meist sie es, die wichtige und positive Veränderungen anstoßen.

Magier (Transformation)

Der Magier-Archetyp gleicht einem Visionär, der in allem und jedem Potenziale sieht – und Wege, diese Potenziale zu verwirklichen. Dieser Archetyp lässt sich von Erfahrungen inspirieren und entwickelt seine Umwelt, inklusive Mitmenschen, mit Wort und Tat beständig weiter. Den Magier-Archetyp treibt vorrangig das Bedürfnis an, zu wirken und sich in diesem Wirken und den daraus entstehenden Werken selbst zu verwirklichen

Held (Leistung)

Den Taten des Helden-Archetypen liegt in erster Linie das Bedürfnis zugrunde, sich zu beweisen. Er will sich beweisen, dass er ein guter Mensch ist, dass er fähig und kompetent ist, über sich hinauswachsen und strahlen kann. Typischerweise äußert sich dieser Archetyp in Integrität, Zuverlässigkeit und Mut. Menschen, bei denen er stark ausgeprägt ist, nehmen oft eine Vorbildfunktion ein und haben einen positiven Einfluss auf ihre Umwelt.

Verbindung – Beziehungen zu anderen pflegen

Liebhaber (Sinnlichkeit)

Der Liebhaber-Archetyp hat eine ausgeprägte Genussfähigkeit. Er empfindet die Schönheit der Liebe, das Wunder menschlicher Beziehungen als großartiges Glück und kann sich voll und ganz sinnlichen Freuden beispielsweise durch Berührung, Düfte, Geschmäcker und Ästhetik hingeben. In diesem Archetyp kommt vor allem das Bedürfnis nach Präsenzerfahrung und Hingabe zum Tragen.

Narr (Geselligkeit)

Wenngleich der Begriff Narr einen negativen Touch für uns hat, handelt es sich bei diesem Archetyp um eine sehr schöne und menschliche Seite unseres Unbewussten, die unserem Bedürfnis nach Gesellschaft und Geselligkeit entspricht. Der Narr-Archetyp spürt die eigene Verbundenheit zu anderen Menschen, erkennt Gemeinsamkeiten, bringt Verständnis und Liebe für Fehler und Unzulänglichkeit auf. Dank dieses Archetypen können wir uns selbst in unserem Gegenüber und unser Gegenüber in uns selbst sehen. Bei wem der Narr besonders stark ausgeprägt ist, ist typischerweise großzügig, offen, selbstironisch, dabei jedoch wertschätzend und tolerant.

Jedermensch (Zugehörigkeit)

Den Jedermensch-Archetyp treibt ein sehr wichtiges und grundlegendes Bedürfnis an: Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Diese Seite unseres Unbewussten hilft uns dabei, uns anzupassen und anderen Menschen gegenüber freundlich und umgänglich zu verhalten. Wie sich der Jedermernsch-Archetyp ausprägt und im Laufe unseres Lebens entwickelt, hängt in hohem Maße von unseren frühen sozialen Erfahrungen ab, ob wir beispielsweise in der Klassengemeinschaft gut integriert und akzeptiert wurden, in einem harmonischen, stabilen Elternhaus aufgewachsen sind und so weiter.  

Verwendete Quellen: gedankenwelt.de, sortlist.de, meyerjark.de

sus Brigitte

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