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Gute oder schlechte Angst? 3 Merkmale, an denen du den Unterschied erkennst

Gute oder schlechte Angst: Eine verängstigte Frau
© Roman Samborskyi / Shutterstock
Angst ist grundsätzlich kein schönes Gefühl, trotzdem ist sie nicht immer nur schlecht. Wann und wozu Angst gut ist und woran wir das erkennen, erfährst du hier. 

Manchmal stehen sie uns im Weg, oftmals belasten sie uns und meistens geben sie uns Rätsel auf – doch so gut wie immer haben unsere Gefühle einen Sinn. Sowohl die angenehmen als auch die unangenehmen. Wie zum Beispiel Angst.

Ursprünglich erfüllt Angst vor allem eine Schutzfunktion und soll uns beim Überleben helfen. So war sie etwa für unsere Vorfahren eine sehr wertvolle Emotion, als diese noch in der Wildnis lebten und dort allen möglichen Gefahren wie Raubtieren, Wintern und Knochenbrüchen, die mangels medizinischer Versorgungsmöglichkeiten zum Tod führen konnten, ausgesetzt waren: Ihrer Angst folgend mieden sie bedrohliche Situationen und lernten Vorsicht und Vorausschau. 

Heutzutage lauert zwar nicht mehr hinter jeder Ecke eine Lebensgefahr, doch einen Sinn hat unsere Angst trotzdem nach wie vor: Mal dient sie unserem Schutz (z. B. Höhenangst oder Angst, sich oder andere mit Corona anzustecken). Mal zeigt sie uns, wer oder was uns besonders wichtig ist oder was unsere wunden Punkte sind (Angst vor dem Tod von Angehörigen, Angst vor Zurückweisung). Und mal bringt sie uns "nur" dazu, unsere Wahrnehmung und Lage zu überdenken und zu dem Schluss zu kommen, dass wir uns eigentlich doch nicht fürchten müssen (Angst zu widersprechen, etwas Neues auszuprobieren und viele, viele, viele mehr). 

Allerdings kann uns Angst gelegentlich auch fehlleiten oder im Weg stehen, wenn wir eigentlich fröhlich pfeifend weiter schlendern sollten. Angst kann nicht nur schützend, konstruktiv und gut sein, sondern auch zerstörerisch, destruktiv und schlecht. Und folgende Merkmale sprechen meistens dafür, dass Letzteres der Fall ist.

3 Typische Merkmale von schlechter Angst

Schlechte Angst lähmt, statt zu navigieren.

Schlechte Angst lässt uns typischerweise erstarren. Sie umgibt uns wie ein unsichtbares Gefängnis, aus dem es keinen Ausweg zu geben scheint. Schlechte Angst macht uns unfrei und hindert uns am Vorankommen, während gute Angst uns die Richtung weist.

Schlechte Angst macht einsam.

Wenn uns Dinge Angst machen, die für die meisten anderen Menschen kein Problem zu sein scheinen, ist das ein starker Hinweis darauf, dass es sich um schlechte Angst handelt – nicht immer, schließlich kann auch die Mehrheit mal irren, aber doch sehr oft. So führt schlechte Angst häufig in letzter Konsequenz zu Einsamkeit und Isolation.

Schlechte Angst nimmt uns die Kontrolle.

Schlechte Angst entwickelt oft eine Eigendynamik, die sich schwer stoppen lässt. Sie vereinnahmt unsere Gedanken und Vorstellungen, lässt uns nachts wachliegen und uns tagsüber nicht konzentrieren. Weil die Auslöser von schlechter Angst nur selten greifbar sind – häufig sind es abstrakte Produkte unserer eigenen Fantasie –, ist sie meist kaum zu entkräften. 

Wichtig: Wir alle empfinden manchmal gute wie schlechte Angst, schließlich müssen wir alle unser Leben lang lernen, mit der Welt und unseren Gefühlen konstruktiv umzugehen. Zum Teil können wir toxische Angst rechtzeitig erkennen und uns selbst davon befreien. Solltest du allerdings die beschriebenen Phänomene an dir oder anderen beobachten oder sonstige Hinweise sehen, dass du oder Menschen in deinem Umfeld eine Angststörung haben könnten, solltest du unbedingt Rat bei einer Therapeutin suchen oder in einem ersten Schritt die Telefonseelsorge kontaktieren.Denn manchmal haben unsere Gefühle auch diesen Sinn: Uns darauf aufmerksam machen, dass wir Hilfe brauchen.

sus

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