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Psychologie Inneres Kind: Laut Expertin gibt es 7 Archetypen – welcher bist du?

Psychologie: Eine Frau auf einer Schaukel
© Juice Flair / Shutterstock
Unser inneres Kind nimmt Einfluss auf unser Verhalten und unsere Wahrnehmung, daher ist es von Vorteil, wenn wir uns mit ihm auseinandersetzen und vertragen. Die Psychologin Nicole LePera unterscheidet sieben Archetypen im Hinblick auf das innere Kind – welchen davon erkennst du in dir?

Wie wir uns als erwachsene Menschen verhalten, ist in hohem Maße von den Rollen geprägt, die wir als Kinder innehatten. Waren wir die große Schwester, die stets auf die Kleinen aufpassen musste? Oder das Nesthäkchen, das stets zu den Älteren aufgeschaut hat und ihnen nacheifern wollte? Haben wir eine Schule besucht, in der viel Konkurrenz- und Leistungsdruck herrschte? Oder eine, in der die Persönlichkeitsentwicklung im Vordergrund stand? Meist ist uns gar nicht bewusst, wie sehr die Muster und Glaubenssätze, die wir als Kinder angenommen haben, unser Leben beeinflussen und lenken. Und wie wichtig es ist, diese Muster und Glaubenssätze zu erkennen, zu verstehen und gegebenenfalls aufzulösen, sofern sie uns schaden und hinderlich sind. Denn nur indem wir mit unserem inneren Kind Frieden schließen, können wir frei und selbst bestimmen, wer wir sein wollen.

Die Psychologin Nicole LePera stellt in ihrem Buch How to Do the Work sieben unterschiedliche Archetypen des inneren Kindes vor, die ihr zufolge besonders verbreitet und prägend sind. Generell können wir Anteile von unterschiedlichen Archetypen in uns tragen, wobei oftmals einer als besonders dominant hervorsticht. 

Inneres Kind: Laut Expertin gibt es 7 Archetypen – welcher bist du?

The caretaker: Der selbstaufopfernde Typ

Menschen, deren inneres Kind in erster Linie diesem Archetyp entspricht, kümmern sich mehr um ihre Mitmenschen als um sich selbst. Sie erscheinen überaus fürsorglich, stellen oft ihre eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer Personen zurück und beziehen ihren Selbstwert in hohem Maße daraus, dass sie sich um andere kümmern. In der Regel mussten Menschen dieses inneren Kind Archetyps sehr früh in ihrem Leben Verantwortung für eine nahestehende Person übernehmen beziehungsweise sich verantwortlich fühlen. Dagegen fehlt ihnen zumeist die Kindheitserfahrung bedingungsloser Liebe von den Eltern sowie der Sicherheit, dass Erwachsene da sind und die Lage im Griff haben. 

The overachiever: Der ehrgeizige Typ

Entspricht unser inneres Kind zu großen Teilen diesem Archetyp, haben wir stets das Gefühl, Hochleistung vollbringen und andere überbieten zu müssen, um etwas wert zu sein und um unseren Platz auf dieser Welt zu verdienen. Nicht erfolgreich zu sein, löst bei Menschen dieses Typs Scham aus und sie leben mit einem ständigen inneren Leistungs- und Preformancedruck. Oftmals lag bei Betroffenen in ihrer Kindheit ein starker Fokus auf Leistung und Erfolg, ob im schulischen Umfeld oder im familiären.

The underachiever: Der leistungsverweigernde Typ

Bloß nicht auffallen, ja niemandem in die Quere kommen, niemals herausstechen oder sich mit anderen messen – das sind Anliegen, mit denen Menschen des leistungsverweigernden inneren Kind Archetyps durchs Leben gehen. Sie vermeiden jegliche Prüfungen und Herausforderungen, da sie riesige Angst vor dem Scheitern und vor Kritik haben, wodurch sie viele ihrer Potenziale unausgeschöpft lassen. Auch bei Personen dieses Typs kann ein übermäßig hoher Fokus auf Leistung während der Kindheit der Grund für ihre Prägung sein. 

The rescuer/protector: Der rettende/ beschützende Typ

Menschen mit einem inneren Kind dieses Archetyps versuchen stets, anderen zu helfen, sie zu beschützen und zu retten – und glauben, dass sie das können. Dieser Glaube gibt ihnen ein Gefühl von Macht und Kontrolle, das einen großen Teil ihres Selbstwerts ausmacht. Ohne es böse zu meinen, unterstellen Personen des rettenden Typs ihren Mitmenschen, alleine nicht klar zu kommen und abhängig zu sein. Häufig überkompensieren Betroffene mit dieser Prägung ihres inneren Kindes frühe Erfahrungen des eigenen Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit. Entsprechende Ereignisse können etwa psychisch labile Eltern oder eine konfliktreiche Trennung mit Sorgerechtsstreitereien sein.

The life of the party: Die Partymaus

Menschen mit einem inneren Partymaus-Kind zeigen sich stets nur von ihrer fröhlichen, lustigen, starken Seite. Sie kann scheinbar nichts verletzen oder betrüben, dafür bringen sie immer andere zum Lachen. Meist haben betroffene Personen in ihrer Kindheit Ablehnung erlebt, wenn sie Wut, Trauer oder andere unbequeme Emotionen gezeigt haben, weshalb sich in ihnen die Überzeugung gebildet hat, nur geliebt und akzeptiert zu werden, wenn sie fröhlich sind und gute Stimmung verbreiten.

The yes-person: Der Ja sagende Typ

Dieser Archetyp weist viele Parallelen zum selbstaufopfernden inneren Kind auf: Meist gerieten Betroffene schon sehr früh in eine Rolle, in der sie für andere da sein und dafür ihr eigenes Wohlbefinden zurückstellen mussten. Ihr Archetyp veranlasst sie dazu, alles stehen und liegen zu lassen, sobald jemand sie um etwas bittet. Ehe sie ihren Mitmenschen etwas ausschlagen, verwehren sie sich lieber selbst, was sie brauchen oder wollen. Dahinter steckt die tief verwurzelte Überzeugung, sich auf diese Weise Liebe verdienen zu müssen.  

The hero-worshipper: Der Held:in verehrende Typ

Menschen mit einem inneren Kind dieses Archetyps suchen sich meist eine Person, die sie übermäßig bewundern und verherrlichen, für die sie alles tun würden, um von ihr akzeptiert und wertgeschätzt zu werden. Sie fühlen sich ihrer:m Held:in eigentlich unwürdig und empfinden es als großes Glück oder Gnade, wenn diese:r ihnen Zeit und Beachtung schenkt. Dieser Archetyp kann sich als inneres Kind besonders gut ausprägen, wenn wir keinerlei Ermutigung zur Selbstständigkeit während unserer Kindheit erfahren, dafür aber extreme Fürsorglichkeit behandelt und verwöhnt werden.

Unsere Rollen- und Verhaltensmuster zu erkennen, ist der erste Schritt, um daran etwas zu ändern, wenn wir das möchten. Im zweiten Schritt gilt es in der Regel, zu verstehen, welche Werte und Überzeugungen hinter diesen Mustern stecken und wie wir zu diesen Werten gekommen sind. Gerade wenn sie aus unserer Kindheit stammen, werden wir im Erwachsenenalter oft feststellen, dass sie eigentlich gar nicht mehr zu uns und unserem Leben passen. Diese Erkenntnis ist meist die Voraussetzung für Veränderung und Heilung, was jedoch ein sehr langer und mitunter nicht allein zu bewältigender Weg sein kann.

Verwendete Quellen: heholisticpsychologist.com, wysteriaedwards.com

sus Brigitte

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