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Psychologie Laut Studie: Dieses Persönlichkeitsmerkmal haben begabte Menschen gemeinsam

Psychologie: Eine hübsche Frau mit grauem Pulli
© Ekateryna Zubal / Shutterstock
Einige Menschen verbinden mit Begabung und Hochbegabung Sonderbarkeit und Schwierigkeiten sich anzupassen. Doch trifft dieser Stereotyp auf die Realität zu? Nein. Laut einer aktuellen Studie haben begabte Menschen eher eine ganz andere Eigenschaft gemeinsam. 

Sheldon Cooper. Albert Einstein. Dieser Junge aus der Zeitung, der mit 14 seinen Elite-Uni-Abschluss mit Auszeichnung bestanden hat. Von solchen Persönlichkeiten, fiktiv oder nicht, wird zumeist das Bild geprägt, das viele Menschen von intellektuell überdurchschnittlich Begabten haben. Doch mit der Realität hat dieses Bild nur wenig zu tun. Die kognitive Begabung ist nur eine von vielen, vielen, vielen Eigenschaften und Facetten, die uns alle als Individuen ausmachen. Überdurchschnittlich Begabte sind genauso unterschiedlich im Hinblick auf Extro- oder Introvertiertheit, Leidenschaftlichkeit, Selbstvertrauen oder -zweifel und so weiter, wie durchschnittlich Begabte. Unsere beste Freundin kann hochbegabt sein, ohne dass wir davon wissen. Von Sheldon Cooper oder Albert Einstein können wir genauso wenig auf alle außergewöhnlich Begabten schließen wie von Penny oder Günther Jauch auf alle gewöhnlich Begabten. Und doch scheint laut einer Analyse, durchgeführt von Wissenschaftlern der University of Wisconsin-Stevens Point, bei überdurchschnittlich begabten Menschen ein Persönlichkeitsmerkmal auffällig häufig stark ausgeprägt zu sein.

Laut Studie: Begabte Menschen sind besonders aufgeschlossen

Für ihre Untersuchung bedienten sich die Psychologen Uzeyir Ogurlu und Adnan Özbey der Daten von 13 Studien über den Zusammenhang von Hochbegabung und Persönlichkeit, wobei sie insbesondere Big Five Charakterzüge in den Blick nahmen, das heißt Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus (mehr zu den einzelnen Eigenschaften und über die Big Five findest du in unserem Artikel). Insgesamt bezogen sie Angaben von 8.000 Menschen, darunter 3.244 überdurchschnittlich Begabte, in ihre Auswertung mit ein. 

Mithilfe statistischer Methoden verglichen die Wissenschaftler die Ausprägung der Big Five bei der Gruppe der gewöhnlich begabten Testpersonen mit der bei den höher begabten. In Bezug auf Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Neurotizismus fanden sie keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen, allerdings stellten sie fest, dass in der Testgruppe der überdurchschnittlich Begabten die Eigenschaft Offenheit signifikant stärker ausgeprägt war als in der anderen Testgruppe. Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Herkunft spielten bei dieser Korrelation zwischen Aufgeschlossenheit und Begabung keine Rolle.

Zufall oder logischer Zusammenhang?

Ob wir nun hochbegabt sind oder nicht: Als Menschen möchten wir am liebsten immer alles verstehen und suchen stets nach einem Zusammenhang. So schließt sich in diesem Fall die Frage an: Ist diese festgestellte Beziehung zwischen kognitiver Begabung und Offenheit allein eine statistische oder auch eine kausale? Und wenn ja, welcher Art: Fördert Aufgeschlossenheit Begabung oder umgekehrt?

Denkbar ist beides: Einerseits können Menschen, die neuen Erfahrungen und Informationen offen und aufgeschlossen begegnen, besser unterschiedliche Perspektiven einnehmen, aus einem größeren Schatz an Inspiration für Ideen und Lösungsansätze schöpfen. Sie sehen mehr Möglichkeiten und Zusammenhänge. Auf der anderen Seite sind begabte Menschen tendenziell neugierig und vielseitig interessiert, sie brauchen stets neuen Input und neue Herausforderungen – das scheint eine aufgeschlossene Persönlichkeit zu begünstigen. 

Möglicherweise können sich also Begabung und Offenheit bedingen, doch als zwangsläufig anzunehmen, ist ein Zusammenhang nicht – schließlich spielen noch unermesslich viele andere Faktoren in unsere Persönlichkeit mit hinein und wie wir mit unserer Begabung umgehen und sie sich im Laufe unseres Lebens entwickelt, ist ebenfalls vollkommen unberechenbar. Was uns diese Studie jedoch mit Sicherheit zeigen kann: Vielleicht könnten wir bei der nächsten Party offen für den Gedanken sein, dass nicht der stille, ernste Typ die hochbegabte Person ist, sondern die aufbrausende, witzige Kleine, die alle in Small-Talk verwickelt.

Verwendete Quellen: davidsonacademy.unr.edu, psychologytoday.com

sus Brigitte

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