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Psychologie Studie zeigt: So viel Freizeit haben glückliche Menschen

Psychologie: Eine glückliche Frau beim Sport
© Zelma Brezinska / Shutterstock
Viele Menschen haben das Gefühl, zu wenig Zeit für sich zu haben. Aber wie viel Freizeit brauchen wir eigentlich, um glücklich zu sein? Diese Frage haben Psycholog:innen nun in einer neuen Studie untersucht.

Zeit gehört für die meisten Menschen zu den wertvolleren Dingen des Lebens. Die Zeit, die wir zur Verfügung haben, ist schließlich begrenzt, und wenn sie abgelaufen ist, gibt es nichts, das wir tun könnten, um doch noch einmal aufzustocken. So abstrakt und kompliziert das Konzept der Zeit an sich sein mag, so konkret und einfach ist das, was wir intuitiv damit verbinden: Gelegenheiten, Momente, Erfahrungen, Lachen, Tränen, Freude, Schmerz, Glück, Erkenntnis. Unsere Zeit ist unser Leben. Deshalb ist es für viele Menschen sehr schmerzhaft, wenn sie das Gefühl haben, ihre Zeit oder zu wenig davon zur freien Verfügung zu haben und selbst gestalten zu können.

Nun hätte man annehmen können, dass wir dank technischem Fortschritt an freier Zeit gewinnen. Wenn Maschinen und Programme unsere Arbeit erledigen, haben wir mehr Zeit, um Sprachen zu lernen, Vögel zu beobachten und uns mit Freund:innen zu treffen. Tatsächlich scheint das aber nicht so einfach zu sein. Um drei Tage Wochenende zu haben oder unter der Woche ausschlafen zu können, müssten jedenfalls die meisten Arbeitnehmer:innen in Teilzeit gehen und mit weniger Geld auskommen. In vielen Branchen führt der technische Fortschritt in erster Linie dazu, dass wir in unserer Arbeitszeit immer mehr schaffen und multi-tasken (müssen). Aber täte uns mehr freie Zeit überhaupt gut? Wären wir wirklich glücklicher, wenn wir mehr Stunden zu unserer freien Verfügung hätten? Diese Fragen, die wir vermutlich intuitiv alle recht leicht für uns beantworten könnten, haben US-Forscher:innen nun versucht, datenbasiert zu beantworten.

Wie viel Freizeit brauchen wir, um glücklich zu sein?

Auf der Grundlage von Angaben von mehr als 35.000 Menschen untersuchten die Wissenschaftler:innen einerseits, ob sie einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Menge an Freizeit und der Lebenszufriedenheit der Testpersonen erkennen können. Außerdem sahen sie sich an, ob es eine Rolle spiele, wie diese ihre freie Zeit verbringen. Als Freizeit galt für die Untersuchung generell Zeit, die mit Aktivitäten wie Nichtstun, Fernsehen, Spiele spielen, Sport, Sex, Kultur (Museumsbesuche, Theater) oder mit Familie und Freund:innen gefüllt ist. Nicht zur Freizeit gehörte Zeit, die für Beruf, Haushalt, Kinderbetreuung, Arztbesuche und Derartiges draufgeht. Aufgrund ihrer Analysen kamen die Wissenschaftler:innen zu folgenden Ergebnissen.

Zu wenig Freizeit, das heißt durchschnittlich weniger als zwei Stunden am Tag, führt offenbar dazu, dass sich die meisten Menschen gestresst und unzufrieden fühlen. Mehr freie Zeit zur Verfügung zu haben, würde aus Sicht der Betroffenen helfen und dazu führen, dass sie glücklicher sind.  

Zu viel Freizeit, das heißt durchschnittlich mehr als fünf Stunden am Tag, kann unter Umständen ebenfalls dazu führen, dass sich Menschen unzufrieden fühlen. Allerdings kommt es in diesem Fall darauf an, wie eine Person diese Zeit verbringt. Wer fünf Stunden oder mehr mit anderen Menschen zusammen ist (und mit ihnen interagiert) oder die Zeit für Tätigkeiten nutzt, die sich konstruktiv, produktiv, sinnvoll oder lohnend anfühlen, wird anscheinend nicht unzufrieden. Wer allerdings sehr viel Zeit allein und mit Aktivitäten verbringt, die vorwiegend die Stunden vertreiben (beispielsweise fernsehen oder durch Instagram scrollen), wird sich durch zu viel Freizeit offenbar unglücklich fühlen.

Was sagt uns das nun?

Dass es für unsere Lebenszufriedenheit wichtig ist, wie wir unsere Zeit verbringen, ist keine große Überraschung. Wenn wir Dinge tun, die uns erfüllen, oder mit Menschen zusammen sind, die uns inspirieren und die wir lieben, können wir gar nicht genug Freizeit haben. Wenn wir, was bei den meisten von uns zutreffend ist, einen Teil unserer Zeit für Tätigkeiten hergeben müssen, zu denen wir verpflichtet sind (beispielsweise unser Job), brauchen wir offenbar, um dennoch glücklich sein zu können, zum Ausgleich wenigstens eine gewisse Menge an Zeit, über die wir frei verfügen können. 

Allerdings: Wenn wir jeden Tag acht Stunden oder mehr einem Job nachgehen, der uns stresst, auslaugt oder anwidert, werden wir die restliche Zeit, die wir nicht mit schlafen, essen, Haushalt, Mobilität oder Arztbesuchen verbringen, vermutlich nur schwer aktiv gestalten können, weil wir keine Energie mehr dafür übrig haben. Ob sie uns dann trotzdem gut tut, ist fraglich.

Vielleicht werden uns irgendwelche Innovationen und Ideen in Zukunft ja doch noch einmal mehr freie Zeit bescheren. Doch bis es so weit ist, bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als mit der, die wir zur Verfügung haben, achtsam umzugehen.

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, Sharif, M. A., Mogilner, C., Hershfield, H. E. Having too little or too much time is linked to lower subjective well-being. Journal of Personality and Social Psychology: Personality Processes and Individual Differences (pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)

sus Brigitte

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