Warum es uns so schwer fällt, uns selbst zu lieben

Mit sich selbst im Reinen sein - nur wenigen Menschen gelingt das. Schuld daran könnten unsere Vorstellungen über unser ideales Leben sein, sagt Buchautorin Ulrike Wischer.

Wir kennen alle Sätze wie diesen: "Bevor Du jemand anderen lieben kannst, musst du erst mal dich selbst lieben". Gute Sache. Würden vermutlich 99 von 100 Personen so unterschreiben. Die Sache ist nur die: Was in der Theorie total überzeugend klingt, fällt vielen von uns in der Praxis verdammt schwer: Selbstliebe.

Oft sind wir stattdessen selbst unsere schärfsten Kritiker. Mäkeln, stochern, unken. Entschuldigen uns ständig für all das, was wir vermeintlich nicht gut genug hinbekommen. Nur selten hört man jemanden sagen: "Also, ich finde mich eigentlich ziemlich in Ordnung so wie ich bin."

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Warum ist das so? Warum fällt es uns so schwer, uns selbst zu lieben? Die Autorin Ulrike Wischer sagt: unsere eigenen Vorstellungen haben einen großen Anteil daran. "Wir haben Vorstellungen, wie die Dinge zu sein haben, wie sie sein sollten." Die Probleme beginnen dann, wenn wir unser reales Leben an diesen Vorstellungen messen und versuchen, es anzupassen.

In ihrem Buch "Zusammen leben frei von Angst" nennt Wischer als Beispiel den Mann, der seit seiner Kindheit das Bild der perfekten Familie mit sich herumträgt. Mit seiner realen Familie versucht er nun, unbewusst dieses Ideal zu erreichen. Die Folge nicht selten: Frust und Enttäuschung. "Es liegt etwas Tragisches darin, dass er nie sieht, wie seine wirkliche Familie ist", so Wischer. Ähnlich sei es in vielen Beziehungen. "Entwickelt sich der Partner nicht zu dem 'Bild', das der andere von seinem Ideal hat, entfernt er sich von ihm."

Trugbilder entlarven

Was das alles mit Selbstliebe zu tun hat? Wischer sagt, der Schlüssel sei, diese "Trugbilder" zu entlarven. Das erreichen wir, indem wir innehalten und uns ehrliche Fragen stellen. Im Fall des Mannes wäre das die Frage: "Was verbindet mich wirklich mit meiner Familie?" Im Fall von Beziehungsfrust könnte man sich fragen: "Ist mir eine bestimmte Eigenschaft wirklich so wichtig oder glaube ich nur, dass andere Menschen mich danach beurteilen?"

Nicht das Äußere und irgendwelche Vorstellungen eines idealen Lebens sollten die Richtschnur sein, an der wir uns orientieren. Stattdessen sollten wir in uns hineinhören, ganz ehrlich zu uns sein. "Wir erkennen unserer Bilder, unsere selbst attestierte Minderwertigkeit und unsere Bindungsängste. Wenn wir das sehen und fühlen können, dann sind wir frei zu entscheiden, wie wir mit der Situation umgehen. Dann haben wir viele Möglichkeiten", so die Autorin. Auch die, uns so zu lieben, wie wir sind.

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