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Psychologie Dieser Tapeten-Trick hilft, wenn dir alles zu viel wird

Psychologie: Nachdenkliche Frau
© Pcess609 / Shutterstock
Die Psychologie hilft uns, uns selbst besser zu verstehen – vor allem, wenn in unserem Kopf mal wieder Chaos herrscht. Der Tapeten-Trick legt unsere Gefühle Schicht für Schicht frei und schafft uns damit Erleichterung, wenn wir überfordert sind.

Ein Freund hat Liebeskummer, die Tante Geburtstag, die Waschmaschine ist kaputt und das Auto TÜV-reif, auf der Arbeit stehen Präsentationen an und apropos, du wolltest eigentlich vor diesem wichtigen Call noch den Internetanbieter gewechselt haben. Als du all diese Dinge gedanklich durchgehst, beginnt der Rauchmelder zu piepsen und das Handy zu klingeln. Du hast die Nudeln mit Pesto und das ewig verschobene Telefonat mit der alten Freundin vergessen. 

Und während du versuchst, den Nudelbrand zu löschen, ereignet sich vor der Tür ganz nebenbei eine Jahrhundertpandemie. Dein Kopf fühlt sich an wie ein einziges Chaos-Knäuel. Du lässt dich auf die Matratze fallen und denkst nur daran, dass du deren Bettlaken wohl auch mal wieder wechseln solltest.

Es ist okay, wenn dir alles zu viel wird

Es ist okay. Wenn du dich jetzt fragst, ob es nur dir so geht und ob du nicht eigentlich viel besser mit den To-dos des Alltags klarkommen solltest, lautet die Antwort schlichtweg: Nein. Jeder Mensch hat von Zeit zu Zeit viel auszuhalten. Und dieses "viel" kann auch einfach nur ein überfälliger Haushalt bedeuten.

Nach einem Jahr Pandemie haben wir uns in Jogginghose und Hoodie äußerlich schon so den Gegebenheiten angepasst, dass wir schnell unser Inneres vergessen. Wir befinden uns nach wie vor in einer absoluten Ausnahmesituation. Und es ist völlig normal, in dieser Zeit schneller an seine Grenzen zu kommen – und okay, sich überfordert zu fühlen.

Das Zulassen eines Gefühls hilft uns zwar langfristig mit unserer Überforderung umzugehen. Im Akutfall hätten wir dann aber doch gern eine Zauberformel, die unser Chaos im Kopf entwirrt und unsere innere Unruhe abdämpft. Die könnte es tatsächlich geben. Denn im Magazin "Psychology Today" hat der Psychiater A. Chris Heath Strategien veröffentlicht, die helfen, wenn einem alles zu viel wird.

Psychologen-Tricks gegen das Chaos im Kopf

Diese Ratschläge gliedern sich in mehrere Einheiten, im Kern kristallisiert sich für uns jedoch ein ganz bestimmtes Bild heraus: Und das sind wir, wie wir Tapeten abreißen. Schicht für Schicht bis zum Beton. Und dabei automatisch immer ruhiger werden … 

Keine Sorge hinter dem Sinnbild steckt eine konkrete Strategie. Wenn du das Gefühl hast, dein Kopf explodiert vor Gedanken und Gefühlen, geh in drei Schritten vor:

  • 1. Reiß die Tapete ab: Schau dir deine Gefühle an – und benenne sie. Wir nehmen sie in Zeiten der Überforderung meist nur noch als Knäuel wahr, entwirren hilft.
  • 2. Schau dir den Baugrund an: Wer bist du, wenn du dich einmal völlig unabhängig von all diesen Baustellen betrachtest? Was hast du bereits geschafft, was sind deine Stärken und worauf bist du stolz? Dieser Schritt erinnert dich daran, dass du nicht von äußeren Einflüssen definiert wirst, sondern selbst die Kontrolle hast.
  • 3. Streiche ihn in der Farbe, die dir guttut: Die größte Konstante ist in dir selbst, nun such dir externe Quellen der Stabilität, die dich entlasten. Das kann ein Anruf bei Mama sein, um alles zu entladen. Eine Yoga-Sequenz, auf die du dich verlassen kannst; ein Essen, ein Lied, ein Duft, der dich immer an zu Hause erinnert. Versuche, dir Orte der Sicherheit zu schaffen und aus ihnen Kraft zu schöpfen.

Befreie dich von dem Gefühl, alle Stressfaktoren sofort lösen zu müssen – und werde erst einmal zum Beobachter. Löse jedes Gefühl, jeden Aspekt Schicht für Schicht wie eine Tapete und schau dir an, was darunter zum Vorschein kommt. Du wirst sehen, dass du, wenn du dich gedanklich von all den äußeren Einflüssen löst und dich entblätterst, immer noch derselbe Mensch bist. Wenn du die Tapetenfetzen einzeln vor dir ausbreitest, fühlst du dich viel ruhiger, als dich über sie zu definieren.

Bevor du also das nächste Mal gestresst eine To-do-Liste nach der nächsten abarbeitest, zwing dich dir etwas Zeit zu nehmen und dich an den Baugrund unter den Tapeten zu erinnern. 


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