Rhetorik: Fiese Tricks können helfen

Heute schon jemanden manipuliert? Autorin Gloria Beck erklärt im Brigitte.de-Interview, warum fiese Tricks eine nützliche Sache sind.

Gloria Beck (37), Autorin und Management-beraterin, schrieb den gerade erschienenen Ratgeber Verbotene Rhetorik.

Brigitte.de: In Ihrem Buch "Verbotene Rhetorik" lerne ich eine ganze Reihe von Gesprächsstrategien kennen, mit denen ich meine Gesprächspartner auf nicht gerade faire Art für meine Zwecke einspannen kann. Habe ich das wirklich nötig?

Gloria Beck: Das kommt ganz darauf an, was Sie wollen. Wenn Sie zufrieden mit dem sind, was Sie erreichen - bitte. Ich zeige Tricks, mit deren Hilfe ich Ziele erreichen kann, die in erster Linie mir selber nutzen. Solche Ziele nenne ich Ego-Absichten. Das bedeutet zum Beispiel: Ich bin nett, um weiterzukommen, nicht, um einfach nur nett zu sein. Außerdem geht es in dem Buch nicht ums Fiessein. Denn fies zu sein bringt einem genauso wenig, wie gut zu sein.

Brigitte.de: Frauen fällt es ja oft eher schwer, egoistisch zu handeln. Wie können sie ihre Bescheidenheit überwinden?

Gloria Beck: Diese innere Hemmschwelle ist naiv! Wer seine Mittel nicht zum eigenen Zweck einsetzt, verhält sich letztlich selbstschädigend. Aber Frauen können solche Defizite in ihrem Handeln erkennen. Sie sollten sich klar machen, dass sie sich eigene Vorteile erlauben dürfen - verboten ist Manipulation nur aus Sicht der Opfer. Mein Buch richtet sich an Personen, die längst eingesehen haben, dass sie die Bescheidenheit anderer hervorragend für eigene Zwecke nutzen können.

Brigitte.de: In Ihrem Buch stellen Sie eine große Zahl von rhetorischen Techniken vor. Einige davon, wie zum Beispiel die Einschmeicheltechnik, verwenden viele intuitiv - wenn ich etwas möchte von meiner Kollegin, mache ich ihr erstmal nette Komplimente. Gehen die Kniffe in Ihrem Buch überhaupt über das Selbstverständliche hinaus?

Gloria Beck: Entscheidend ist, dass ich sie taktisch einsetze, mein Verhalten also bewusst steuere. Dazu gehört zum Beispiel, die Zielperson zu analysieren und eine zu ihr passende Strategie auszuwählen. Natürlich muss ich meine Taktik auch an dem Ziel ausrichten, das ich erreichen will. Im Klartext: Es geht 336 Seiten lang um Taktiken und Strategien, um andere auszunutzen, zu übervorteilen und hinter sich zu lassen. Es geht darum zu wissen, wie man konsequent den eigenen Vorteil sucht und durchsetzt. Und es geht darum, nicht als skrupellos enttarnt zu werden, sondern trotz aller Hinterhältigkeit von den anderen geschätzt und gemocht zu werden.

Brigitte.de: Angenommen, ich möchte bei meinem Chef erreichen, dass ich auch mal pünktlich gehen kann, weil mein Kind zuhause wartet - bislang ist dieses Anliegen auf taube Ohren gestoßen. Was mache ich?

Gloria Beck: Na, das ist ja ein harmloses Ziel. Aber auch hier gibt's Möglichkeiten. Zum Beispiel die Reziprozitätstechnik: Sie präsentieren Ihrem Chef ganz bewusst gute Leistungen, nur um später dafür etwas einzufordern - in diesem Fall die Zusage, dass Sie an bestimmten Wochentagen pünktlich gehen dürfen. Wobei mir die Perspektive nicht gefällt: "dürfen" - eine Frau ist doch kein kleines Kind, das fragen muss, wann es gehen darf. Sie arbeiten, um Geld zu verdienen und nicht, weil Sie so gerne im Büro sind. Frauen sollten diesen Perspektivwechsel endlich vornehmen. Je mehr Frauen nachgeben, desto mehr wird der Chef fordern.

Brigitte.de: Was mache ich, wenn ich mit einer Taktik nicht mein Ziel erreiche?

Gloria Beck: Still zurückziehen, sich überlegen, was falsch gelaufen ist, und nach einiger Zeit einen neuen Versuch starten. Im "worst case"-Fall werden Sie als Manipulatorin enttarnt. Entweder Sie versuchen, humoristisch damit umzugehen, indem Sie zum Beispiel Ihr Verhalten auf die Spitze treiben, oder Sie stehen selbstbewusst dazu. Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, an Personen, bei denen es nicht so drauf ankommt, Ihre Techniken auszuprobieren, zum Beispiel in der Familie oder bei entfernten Bekannten. Schaden Sie Ihnen aber nicht, denn das könnte Sie psychisch belasten und Sie daran hindern, weiterhin skrupellos zu sein.

Brigitte.de: Kann jeder - auch eine sehr schüchterne Frau zum Beispiel - Ihre Techniken lernen?

Gloria Beck: Nein, die sind eher nichts für schüchterne Menschen. Praktischen Nutzen von dem Buch haben selbstbewusste Frauen. Am besten, Sie fangen mit einer Technik an, die Ihnen gut liegt. Natürlich sind manipulative Strategien, wie ich sie beschreibe, anspruchsvoll, und nicht für jeden Menschen geeignet. Mein Buch ist nichts für Bescheidene, sondern für Frauen, die sich nehmen, was ihnen zusteht.

Gloria Becks Buch "Verbotene Rhetorik. Die Kunst der skrupellosen Manipulation" ist im Oktober 2005 bei Eichborn erschienen. ISBN: 3-8218-5882-6, Preis: 22,90 Euro.

Interview: Wiebke Peters

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