Routine durchbrechen: So schaffst du das!

Du liebst Rituale? Dann könnte dich dieser Aufruf zur Befreiung von Gewohnheiten aus dem Gefängnis ihrer Gewöhnlichkeit nachdenklich machen ...

Sie machen uns das Leben leicht, und sie machen uns das Leben schwer. Und beides bemerken wir kaum. In meinem Alltag sieht das so aus: Bei Rot trete ich ohne nachzudenken auf die Bremse, und wenn man mir einen Keks, bevorzugt Heidesand oder Spritzgebäck mit Schokoladenglasur, anbietet, sage ich ebenfalls ohne nachzudenken nicht Nein. Gewohnheiten lassen uns unüberlegt genau das Richtige tun – erst kuppeln, dann schalten. Sie sparen Energie und Zeit und retten uns das Leben, wenn wir auf einen Notarzt treffen, der eine routinierte Herzmassage durchführt, oder auf einen Lastwagenfahrer, der gewohnheitsmäßig anhält, wenn man den Zebrastreifen betritt. Gewohnheiten lassen uns ebenso unüberlegt das Falsche oder Fragwürdige tun, vom achtlos weggeknusperten Keks bis zum wie selbstverständlich geleerten Glas Wein, der Zigarette nach dem Essen und dem tatenlos auf der Couch verbrachten Abend.

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Autopilot-Modus oder Gewohnheiten abschalten?

Es wäre gut, sich nicht allzu sehr an die eigenen Gewohnheiten zu gewöhnen und sie ab und zu aus ihrem tristen Dasein im Schatten der Unüberlegtheit ans Licht zu holen, sie zu analysieren, zu sortieren, zu korrigieren und eventuell zu polieren. "Die wichtigsten Gewohnheiten haben wir uns schon vor langer Zeit angewöhnt und antrainiert", erklärt Dr. Martina Assmann, Achtsamkeitstrainerin und Fachärztin für Arbeitsmedizin. "Viele davon sind sinnvoll und geben uns die Möglichkeit, alltägliche Tätigkeiten ohne Kraftaufwand im Autopilot-Modus zu erledigen. Über das Radfahren sollte man nicht weiter nachdenken. Aber es gibt auch die schlechten Gewohnheiten, die keinen guten Zweck erfüllen. Es ist sinnvoll, ab und zu innezuhalten bei dem, was man gedankenlos tut, und sich zu fragen: Warum tue ich es, wie geht es mir dabei und wie ginge es mir, wenn ich es nicht tun würde?"

Gewohnheiten zu verändern ist wie durch eine Wiese mit hohem Gras zu gehen. Nach einem Mal hinterlässt man noch keine Spuren, erst mit der Zeit entsteht ein Trampelpfad.

In meinem speziellen Fall würde da womöglich so einiges an Gebäck in meinem Umfeld länger überleben und manch eine Pralinenschachtel ihr Haltbarkeitsdatum erreichen. Sich gezielt auf die Suche begeben nach unangenehmen Gewohnheiten, sie sich bewusst machen und nach und nach durch andere, neue und gute Gewohnheiten überschreiben: Dazu rät Martina Assmann. Und das alles weniger mit brachialer Willensanstrengung als mit sanfter Beharrlichkeit. "Von den sogenannten Silvesterentscheidungen, die auf reiner Willensstärke beruhen, funktionieren nur ein bis zwei Prozent", sagt die Expertin. "Gewohnheiten ändern ist wie durch eine Wiese mit hohem Gras zu gehen. Nach einem Mal hinterlässt man noch keine Spuren, erst mit der Zeit entsteht ein Trampelpfad."

Aus Gewohnheiten Bewusstheiten machen

In der Routine bleiben aber nicht nur die alteingesessenen Störquellen allzu leicht unbemerkt, sondern auch jene Gewohnheiten, die eigentlich das Zeug zu kleinen, funkelnden Tages-Höhepunkten hätten. Nicht jedes Zähneputzen muss ein orgiastisches Erlebnis, nicht jedes Schuhezubinden eine sakrale Handlung sein. Aber warum nicht die eine oder andere Routine zum Ritual erheben? Das kann der Lidstrich am Morgen sein oder das Aufschütteln des Bettes, das apathische Duschen, das hastig verschlungene Abendessen. "Wer seinen Schlüssel beim Nachhausekommen bewusst jedes Mal am selben Ort ablegt, wird ihn nie wieder suchen", sagt Martina Assmann. Ich werde ein paar Gewohnheiten ablegen und Bewusstheiten daraus machen. Denn mit Handlungen ist es wie mit Menschen: Sie blühen auf, wenn man ihnen Aufmerksamkeit schenkt.

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BRIGITTE 11/2019

Wer hier schreibt:

Idikó Kürthy
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