Wie man es schafft, mit Dingen endlich abzuschließen

"Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück", sagte schon Buddha. Aber wie geht das? Die Psychotherapeutin Katharina Ley gibt Tipps.

"Ich bin Psychoanalytikerin, und die Psychoanalyse arbeitet – wie die Seele – langsam. Dinge versöhnlich zu beenden und sie wirklich für sich abzuschließen, das sind zum Teil jahrelange Prozesse. Zu einem guten Beenden gehört für mich zwingend eine ehrliche Bilanz: ‚Was war gut? Was nicht. Was habe ich gelernt, und was ist fortan Teil meines Lebens?‘

Dabei sollte man das Positive herausarbeiten. Der Mann, der gekränkt ist von der Frau, weil sie ihn verlassen hat, sollte sich fragen: ‚Was haben mir diese Jahre mit ihr bedeutet? Bin ich geliebt worden, habe ich geliebt? Was habe ich Schönes erlebt, wie haben mich die Jahre mit ihr verändert?‘ Aber auch die negativen Sachen müssen erwähnt werden: ‚Was hat sie mir vorgemacht, was habe ich mir vorgemacht?‘ Wenn jemand mir sagt, ihm sei nur Negatives eingefallen, glaube ich das nicht. Dann braucht es mehr Anstrengung, um sich an gute Sachen zu erinnern. Man kann dann in Fotoalben blättern, alte Briefe lesen, man muss das alles aus einem Schutthaufen hervorholen. Es geht darum, das wertzuschätzen, was mit einem Menschen oder auch in einer Arbeitsstelle gelebt worden ist.

Verlässt man eine Arbeitsstelle oder verkauft sein Haus, muss man ja ebenfalls mit Dingen abschließen. Man sollte sich jedenfalls nachher sagen können: ‚Das war gut, das gehört zu mir, das ist jetzt mein weiteres Kapital und damit kann ich weiterleben.‘ Gelingt diese Anerkennung, kann man relativ gut loslassen. Natürlich ist alles, was unfreiwillig passiert, schwierig. Verlassen zu werden, aus finanziellen Gründen das Haus verkaufen zu müssen, gekündigt werden.

Hier muss man erst einmal durch Wut und Enttäuschung durch, und das geht meiner Erfahrung nach nicht ohne therapeutische Begleitung. Aber das müssen nicht fünf Jahre auf der Couch sein. Doch diese Enttäuschung muss verarbeitet werden, denn ist sie sehr groß, hat sie oft mit Dingen aus der Vergangenheit zu tun. Dann kumulieren frühere Erfahrungen – und die müssen entrümpelt und verstanden werden. Und es bleibt immer eine Erinnerung an die Enttäuschung – oder leise Angst, etwa sich wieder mit einem Menschen einzulassen.

Was hilft, ist Demut

Aber es gibt im Leben viele schmerzhafte Erfahrungen. Da muss man sich die Augen reiben. Sehr oft ist Trauer angesagt. Bis man von der Wut zu dem Verstehen kommt, dass das Leben anders läuft, als man es sich vorgestellt hat. Am Schluss sollte man sagen können: ‚Okay, es ist jetzt so. Das hier ist mein Leben und ich will nicht ewig mit ihm im Kampf sein.‘ Was hilft, ist eine gewisse Demut, eine versöhnliche Lebenshaltung, die einen innerlich frei macht: ‚Ja, ich mache, was ich kann, und was ich nicht kann oder was sich nicht erfüllt, das muss ich annehmen.‘

Wer sein Leben dankbar betrachtet, dem fällt das Abschließen leichter. Das bedeutet nicht, dass man einfach zu sich sagt: ‚Ich habe das nicht geschafft und das ist nicht weiter schlimm.‘ Das wäre eine Verharmlosung. Aber die Menschen sind manchmal zu sehr gefangen in negativen Gefühlen und in Fatalismus. Viele haben davor Angst, was kommt, wenn sie denn mit allem abgeschlossen haben. Sie fragen sich: ‚Wer bin ich dann noch?‘ Widerstand und negative Gefühle geben einem nämlich auch Halt, sie strukturieren.

Man kann daher, wie es auch spirituelle Richtungen betonen, das Nicht-Werten üben. Sich nicht sagen: ‚Das ist böse oder negativ.‘ Sondern: ‚Das ist mir jetzt passiert, das ist misslungen‘ – ohne es in eine Schublade zu packen. Das muss man lernen und üben. Das Nicht-Werten an sich sollte einen Wert darstellen. Alles sofort zu kategorisieren und einzuteilen macht die Wahrnehmung so eng. Wir alle sind unvollkommen, wir alle machen Fehler. Wir alle müssen verzichten und trauern – bis hin zum Sterben müssen.“

BRIGITTE 26/2015
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